28. Spieltag

Kellerinstinkt

- Es ist tiefe Nacht. In einem schwach beleuchteten Hinterzimmer einer Dorfgaststätte am Rande von Finsterwalde sitzen vier Männer an einem Tisch und schweigen. Zigarettenrauch hängt in der Luft. Vor den Männern liegen ihre Mobiltelefone, in der Mitte des Tisches ein Haufen Bargeld, gebrauchte, nicht nummerierte Scheine. Die Männer sind arbeitslose Fußballtrainer, sie heiße...

...Wolf, Koller, Berger und Neururer und sind in Zockerkreisen als „Rettmafia“ gefürchtet. An einem fünften Platz sitzt eine aufblasbare Gummipuppe, stellvertretend für den Rettpaten Don Meyer, der gerade eine Kreuzfahrt im Bermudadreieck unternimmt.

Die Männer spielen „Rotes Roulette“. Wer den Anruf aus Hannover erhält, bekommt das Geld.

Nach zwei Stunden ertönt die Klingelmelodie „Abschied ist ein scharfes Schwert“. Wolf guckt auf sein Display. Vorwahl Cottbus. Wolf drückt den Anruf weg. Neururer lacht. Das nächste Handy. Klingelton „I was born under a Wanderin’ Star“. Neururer geht ran. Seine Vertragswerkstatt. An seinem Cayenne, Tachostand knapp vier Millionen Kilometer, ist bei der TÜV-Inspektion der Auspuff abgefallen. Neururer flucht. Er braucht dringend das Geld.

Die Tür geht auf, ein atemloser Detlef Dammeier kommt herein, frisch gefeuert in Bielefeld. Er lässt die Luft aus der Meyer-Puppe und knallt sein iPhone auf den Tisch. Koller geht austreten. Neururer stellt Kollers Handy auf stumm. Wolf bietet Berger an, sein Kotrainer bei 96 zu werden. Berger bietet Wolf an, sein Busfahrer in Hannover zu werden. Neururers Handy klingelt. Der Mann mit dem Kellerinstinkt geht hektisch ran. Eine Stimme sagt „April, April“. Es ist Koller, vom Kneipentelefon: Koller lacht, für einen Schweizer geradezu dreckig. Dammeier schwärmt von Hannover, von gelebter Fußballkultur, einem schlafenden Riesen, enormem Potenzial, einem tollen Umfeld und verspricht großspurig Siege in Hamburg; Leverkusen und München. Berger fragt den jungen Mann nach seinem Namen und seinem Beruf. Wieder Neururers Handy. Eine 0511er-Nummer. Neururers Augen verengen sich zu rasierklingendünnen Schlitzen, Mund und Schlips nicht mehr als Striche. Das Telefon klingelt erneut. Schweiß auf der Stirn von Koller, Wolfs Mundwinkel zucken, Berger ist in der angespannten Stille eingenickt. Klingeln. Triumphierend hebt Neururer ab und das Telefon ans Ohr. Am anderen Ende ist Martin Kind. Kind hat nur eine Bitte. Die Handynummer von Horst Ehrmantraut.

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