Keine deutsche Medaille

Phelps holt einmaligen Rekord

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Mit 10 Medaillen holt er den Rekord für die Ewigkeit: Michael Phelps.

London - Wieder kein Glück für die deutschen Schwimmer. Die 4 x 200 Meter-Freistil-Staffel der Herren hatte zur Halbzeit aussichtsreich auf dem zweiten Platz gelegen. Am Ende wurden sie hinter den USA, Frankreich und China nur Vierte.Ein anderer schwamm sich dafür in die ewige Bestenliste: Michael Phelps

Es klingt glaubwürdig, wenn Michael Phelps versichert, dass er noch nie im Leben seine Medaillen gezählt hat. Doch bei den Olympischen Spielen sind sie massenhaft unterwegs, die Erbsenzähler des Weltsports, denen sich der US-Schwimmer beim besten Willen nicht entziehen kann. Gestern hatten die Statistiker einen großen Moment. Seit 22.05 Uhr (MESZ) ist Michael Phelps endgültig der größte Olympionike aller Zeiten, als der Schlussschwimmer die 4x200-m-Staffel der USA zum souveränen Olympiasieg führte. Mit bis dahin 14 Goldmedaillen war er es eigentlich schon seit 2008. Doch am Dienstagabend sicherte sich der 27-Jährige sein 19. olympisches Edelmetall. Damit übertrumpfte er eine mittlerweile 77 Jahre alte Dame aus der ehemaligen Sowjetunion. Larissa Semjonowna Latynina hatte zwischen 1956 und 1964 in Melbourne, Rom und Tokio im Turnen 18 Mal auf dem Siegerpodest gestanden.

Die Staffel hatte das Rennen von Anfang an dominiert. Knapper ging es auf den Plätzen dahinter zu. Lag die deutsche Staffel um Paul Biedermann zur Halbzeit noch auf einem aussichtsreichen zweiten Platz, verpasste sie am Ende die Medaille knapp. Das Quartett mit Startschwimmer Biedermann, Dimitri Colupaev, Tim Wallburger und Clemens Rapp belegte in 7:06,59 Minuten hinter China den vierten Platz.

Einen anderen Rekord für die Ewigkeit verpasste Phelps hauchdünn. Der 27-Jährige dominierte das Finale über 200 m Delfin, auch wenn er nicht so locker übers Wasser schmetterte wie einst und sicher auch ein paar Kilo mehr mitschleppt. Am Ende wurden dem Mann aus Baltimore die Arme schwer, mit dem Anschlag fing ihn der sieben Jahre jüngere Südafrikaner Chad de Clos um fünf Hundertstel ab. Bei der Siegerehrung kurz vor der Staffel erhielt Phelps aufmunternden Applaus und lächelte entspannt. Sein Bezwinger konnte die Freudentränen nicht zurückhalten. „Phelps ist für mich ein Held, ich liebe diesen Kerl. Ihn zu schlagen war mein Traum, es ist der größte Moment meines Lebens“, sagte de Clos.

Phelps kann noch über 200 m Lagen und 100 m Schmetterling als erster Schwimmer sein drittes Einzelgold in Folge gewinnen, wenn ihm der Japaner Kosuke Kitajima am Mittwoch über 200 m Brust nicht zuvorkommt. Der 29-Jährige hinterließ als Halbfinal-Fünfter aber einen schwerfälligen Eindruck. Dieses Finale verpassten der WM-Dritte Christian Vom Lehn und Marco Koch, die nur auf den Plätzen 12 und 13 landeten.

Auch wenn Phelps immer nur ins Wasser springen, Spaß haben und sein Bestes geben will – der Superstar kann stolz sein auf seine Bilanz, auch wenn dem ehrgeizigen Modellathleten die knappe Niederlage gestern weh tat. Ein anderer Großer des Schwimmsports, der Australier Ian Thorpe, zog gestern den Hut vor Phelps: „Vier Jahre sind eine lange Zeit. Und der Schwimmsport entwickelt sich rasant. Es ist schwerer als man denkt, seinen Titel zweimal erfolgreich zu verteidigen, auch für den größten Schwimmer aller Zeiten.“

Phelps' Ankündigung, in London gehe es zum Abschied um die Schokokrümel auf seiner Eiscreme, lässt erahnen, dass er die Krümel vielleicht doch heimlich mitzählt. Drei Stück in vier Rennen hat er sich schon gesichert und damit den verpatzten Start (Platz vier über 400 m Lagen) vergessen gemacht. Das DSV-Quartett zeigte über 4x200 m Freistil ein sehr beherztes Rennen, verpasste auf Rang vier aber Bronze um 29 Hundertstel. Vor allem Paul Biedermann gelang die Revanche gegen US-Startschwimmer Ryan Lochte in keiner Weise – dem Hallenser gingen sichtlich die Kräfte aus.

Frank Schober

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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