Spekulationen über Sauber-Comeback in Formel 1

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ARCHIV - Der Schweizer Peter Sauber, aufgenommen im Fahrerlager am Nürburgring beim Großen Preis von Deutschland (Archivfoto vom 12.07.2009).

München - Servus BMW - Grüezi Sauber? Kaum hat der bayerische Automobilkonzern seinen Ausstieg aus der Formel 1 verkündet, schießen Spekulationen über eine Rückkehr seines einst selbstständigen Schweizer Partners ins Kraut.

"Wir prüfen für den Standort Hinwil verschiedene Möglichkeiten. BMW wird keine Formel-1-Motoren liefern", hieß es bei BMW auf die Frage der Deutschen Presse-Agentur dpa am Donnerstag, ob es denkbar sei, dass Sauber dank finanzieller, personeller und logistischer Unterstützung nächstes Jahr wieder als eigenständiges Grand-Prix-Team antrete.

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Mercedes würde eine Rückkehr von Peter Sauber begrüßen. Schließlich absolvierten die Schwaben ihr Formel-1-Comeback in den 90er Jahren an der Seite des Schweizers. "Das wäre großartig. Ich habe keine entsprechenden Kenntnisse, aber so eine Konstellation hat auch Brawn GP nach dem Honda-Ausstieg geschafft", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der dpa. Der ehemalige Technische Direktor von Ferrari und Honda-Teamchef Ross Brawn hatte zu Saisonbeginn Honda übernommen, das seinen Ausstieg bekanntgegeben hatte. Nach zehn Saisonläufen führt der Rennstall die Konstrukteurs-Wertung an und Jenson Button ist WM -Spitzenreiter.

Wenige Stunden nach der überraschenden BMW-Vollbremsung am Mittwoch hatten die in der Teamvereinigung FOTA zusammengeschlossenen Rennställe bekanntgegeben, Sauber könne Mitglied bleiben. Zudem bemühe sich die FOTA um Unterstützung.

BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen (r.) und Technikdirektor Willy Rampf erklären die Änderungen an ihrem Formel 1-Wagen. Ein Bild, das der Vergangenheit angehört (Archivbild vom 17.01.2006).

Schweizer Medien reagierten kritisch auf den BMW-Ausstieg und wiesen auf die ungewisse Zukunft der über 400 Beschäftigten in Hinwil hin. "Der unbarmherzige BMW-Vorstand in München , dem die Euros näher liegen als WM -Punkte, hat seinen treuen Vorzeigechef und Bürokraten Mario Theissen für 2010 aus der Boxengasse zurückgepfiffen", schrieb der "Blick" am Donnerstag. "Den 420 Mitarbeitern in Hinwil bringen jetzt die gefärbten BMW-Worte von einem schwer gefallenen Entscheid und einer neuen Strategieausrichtung wenig. Diese Menschen haben nur noch eine Hoffnung: Peter Sauber." Der "Tages-Anzeiger" urteilte: "Zum neuen Image von BMW mag die Formel-1-Fabrik nicht mehr passen. Doch Peter Sauber würde sie immer noch gut anstehen, schließlich ist sie sein Lebenswerk."

Bei Mercedes und Toyota ist ein Ausstieg trotz der weltweiten Wirtschaftskrise kein Thema. Dieter Zetsche , der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, hatte mit Bezug auf den BMW-Rückzieher bekräftigt, das Unternehmen bleibe in der Formel 1: "Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen." Die in Köln ansässigen Grand-Prix-Verantwortlichen des japanischen Unternehmens hatten aus Tokio Grünes Licht erhalten.

Haug verwies auf dieses Treuebekenntnis des Konzernchefs am Donnerstag: "Unser Engagement in der Formel 1 wurde gestern erneut bestätigt." Die Titelseiten renommierter Zeitungen auf der ganzen Welt und sämtliche Nachrichtensendungen, die von Michael Schumachers Comeback berichtet hätten, dokumentierten das große Interesse. Kritische Töne gab es dagegen von Arbeitnehmerseite aus. "In der Belegschaft wird das Engagement von Daimler in der Formel 1 nach wie vor diskutiert, insbesondere vor dem Hintergrund der Sparmaßnahmen, die die Beschäftigten tagtäglich spüren", sagte Helmut Lense , der Betriebsratsvorsitzende des Werkes Untertürkeim und Mitglied des Aufsichtsrates, der "Stuttgarter Zeitung": "Sicher wird der Rückzug von BMW aus der Formel 1 diese Debatte weiter anheizen."

Kein Dementi gab es bei BMW auch zu Gerüchten, die Weiß-Blauen könnten ins Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) einsteigen, wo sich seit Jahren nur noch Mercedes-Benz und Audi duellieren: "Im Jahre 2010 werden wir auch weiterhin im Tourenwagensport und in der Formel BMW starten. Hinzu kommen unsere Engagements in der ALMS , bei Langstrecken-Rennen und verstärkt im seriennahen Kundensport." Haug sagte zu einem möglichen dritten Wettbewerber: "Das würde uns freuen, die DTM hat ihren Zuschauern und Wettbewerbern eine Menge zu bieten."

Von Elmar Dreher und Jens Marx , dpa

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