Weltmeisterschaften in Nanning

Die Stütze der deutschen Turnerriege

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Andreas Toba packt zu: Der Hannoveraner konzentriert sich als Turnprofi auf seinen Sport, um die zweite Teilnahme an den Olympischen Spielen zu schaffen.Foto: Petrow

Hannover - Bei den Weltmeisterschaften in Nanning setzt Cheftrainer Andreas Hirsch auf Andreas Toba vom TK Hannover.

Sportler beschenken sich gern mit eigenen Erfolgen. Da ist Andreas Toba keine Ausnahme: Der Turner vom TK Hannover wird am Mittwoch in acht Tagen 24 Jahre alt, und er hätte eine Riesenfreude daran, wenn er an diesem Tag mit seinen deutschen Kollegen im Mannschaftsfinale der Weltmeisterschaft turnen dürfte.

Doch Toba gestattet sich keine Träume ohne Grundlage. „Ein Platz unter den besten acht im Finale wäre für uns ziemlich überraschend. Es lief nicht ja alles rund in der Vorbereitung“, sagte der Sportler und spielte damit nicht nur auf den Ausfall des Olympiazweiten Marcel Nguyen an, der wegen eines Kreuzbandrisses bei den Titelkämpfen im chinesischen Nanning fehlt. Auch Toba selbst hatte gesundheitliche Probleme, genauer Schmerzen am Wadenbein, die ihn besonders im Sprung und am Boden behinderten. „Schade, gerade im Sprung wollte ich eigentlich eine schwierigeres Programm einstudieren“, sagte der Hannoveraner.

Doch ein Toba beißt sich durch. Das liegt in den Genen: Vater Marius hat in den neunziger Jahren viele seiner eigenen Turnerfolge mit Schmerzen erkämpft. Und auch Andreas betont immer, wie viel ihm der Einsatz in der deutschen Riege bedeutet. Dabei beruht die Wertschätzung insbesondere seit den Olympischen Spielen in London immer mehr auf Gegenseitigkeit. Der Hannoveraner ist deutscher Vizemeister im Mehrkampf und längst die zweite Stütze im Team neben dem omnipräsenten Fabian Hambüchen. Deshalb könnte ihm Cheftrainer Andreas Hirsch das komplette Programm in Nanning zumuten. Ursprünglich sollte Toba das Barrenturnen auslassen, „der Ausgangswert meiner Übung ist zu niedrig“. Aber nach Nguyens Ausfall werden auch an diesem Gerät die Karten neu gemischt.

Mit dem Start in Nanning, die Millionenstadt in Südchina, hat Toba immerhin das erste Etappenziel auf dem Weg zu seiner zweiten Olympiateilnahme erreicht. Um sich optimal auf die Spiele in Rio de Janeiro 2016 vorzubereiten, setzt der 23-Jährige zu hundert Prozent auf die Karte Turnen. „Ich bin Berufssportler“, sagt Toba, der seit dem 1. Juli von diversen Sponsoren mit 19 000 Euro pro Jahr unterstützt wird. Angeschoben haben diese Förderung der Niedersächsische Turnerbund und der Landessportbund Niedersachsen, um einen Vorzeigesportler zumindest am Olympiastützpunkt Hannover halten zu können. In der Bundesliga nimmt der Turner schon ein Zweitstartrecht für den TV Schwäbisch-Gmünd-Wetzgau wahr, weil es im Norden kein Erstligateam mehr gibt.

Toba weiß die Unterstützung zu schätzen, die ihm insbesondere die Arbeit mit dem vertrauten Heimtrainer Adrian Catanoui ermöglicht. Er mahnt aber auch Investitionen am Olympiastützpunkt an, damit die Turntalente sich an Höchstschwierigkeiten versuchen können. „Es gibt ja das Versprechen, dass die Trainingshalle modernisiert wird“, sagt der Hannoveraner. „Doch zu lange warten darf man nicht, sonst verliert die Generation nach mir den Anschluss.“

Zunächst aber hat Toba den zweiten Schritt auf dem Weg nach Brasilien vor sich: Die deutsche Riege muss 24. werden, um 2015 um bei der WM starten zu dürfen. „Das schaffen wir, keine Frage“, sagt der Hannoveraner. Und vielleicht klappt es doch mit dem Finalgeschenk, wenn es bei Toba und seinen Kollegen in der Qualifikation richtig rund läuft.

Das Wettkampfprogramm bei der WM: 3. und 4. 10. Qualifikation, Männer 5. und 6. 10. Qualifikation, Frauen 7. 10. Team Männer, Finale 8. 10. Team Frauen, Finale 9. 10. Mehrkampf, Männer, Einzel, Finale 10. 10. Mehrkampf, Frauen, Einzel, Finale 11. 10. Gerätefinals, 1. Abschnitt (Männer: Boden, Seitpferd, Ringe. Frauen: Sprung, Stufenbarren). 12. 10. Gerätefinals, 2. Abschnitt (Männer: Sprung, Barren, Reck. Frauen: Schwebebalken, Boden).

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