Kanu-Slalom

Tasiadis gewinnt Silber im Canadier

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Slalomkanute Sideris Tasiadis sicherte sich in London die Silbermedaille.

London - Slalom-Kanute Sideris Tasiadis hat bei den Olympischen Spielen im Canadier-Wettbewerb die Silbermedaille gewonnen. Der Europameister aus Augsburg fuhr am Dienstag im Finale in 98,09 Sekunden auf dem Wildwasser-Kanal im Lee Valley White Water Centre auf Platz zwei.

Die Augsburger Puppenkiste ist bundesweit bestens bekannt, doch auch die Augsburger Slalomkanuten sind von allererster Güte. Vier Jahre nach dem goldenen Coup von Kajakfahrer Alexander Grimm in Peking sorgte gestern das vielleicht größte deutsche Talent dieser Sportart für Jubel. Sideris Tasiadis lag nach dem Halbfinale im Einercanadier sogar auf Goldkurs, freute sich am Ende aber genauso enthusiastisch über die Silbermedaille. Dem in Schwaben aufgewachsenen Sohn griechischer Eltern gelang ein Kunststück, das ihm viele Experten nicht zugetraut hatten. Er schob sich mit einem starken Finallauf vor 12500 Zuschauern zwischen die beiden dominierenden Canadierfahrer der vergangenen 16 Jahre. Tony Estanguet aus Frankreich (2000 und 2004) sowie Michal Martikan au der Slowakei (1996 und 2008) hatten schon je zweimal Olympiagold abgeräumt. Beide führten auch in dieser Reihenfolge, als Tasiadis im Startbecken auf sein Signal wartete.

Vor vier Jahren hätte der junge Deutsche seinen Vorsprung wie ein Skispringer noch mitnehmen dürfen, doch nach einer Regeländerung geht es mittlerweile im letzten Lauf bei Null los. „Sideris stand in dem Moment unter Riesendruck. Es ist fantastisch, dass er sich noch einmal etwas steigern und zwischen die beiden Großen der Canadier-Szene paddeln konnte. Er ist der Mann der Zukunft“, sagte Cheftrainer Michael Trummer, während DKV-Sportdirektor Jens Kahl zu der Erkenntnis kam: „In diesem Rennen war Silber Gold wert.“. Und Peking-Olympiasieger Alexander Grimm behielt Recht. Er hatte prophezeit: „Angst zu verlieren kennt Sideris nicht, er empfindet den Druck positiv und motivierend.“

Im Ziel ließ Tasiadis einen Jubelschrei los, von verlorenem Gold konnte tatsächlich keine Rede sein. „Von mir ist eine Riesenlast abgefallen“, sagte der 22-Jährige, der diese Situation bereits vor genau drei Monaten im Kanupark Markkleeberg erlebt, durchlitten und gemeistert hatte. Auch damals musste er als letzter Starter eine saubere und olympiareife Leistung zeigen, um überhaupt den Sprung nach London zu schaffen. Letztlich verdrängte er den erfahren Jan Benzien noch hauchdünn aus dem Olympiateam. Der 30-jährige Leipziger kann nun völlig zu Recht behaupten, nur einen Wimpernschlag am Olympiazweiten gescheitert zu sein. In anderen Sportarten kommt man damit selbst noch in Medaillennähe. Im Kanuslalom, wo die Quotenplätze hart limitiert sind, schaut man als Zweitbester einer Nation in die Röhre.

Sideris Tasiadis flog als Europameister nach London, doch den EM-Titel hatte er im Mai auf dem heimischen Eiskanal errungen. Schon mit 18 Jahren bei der Olympia-Quali 2008 mischte er in Augsburg vorn mit, doch damals war er noch bei den Junioren gemeldet. Er galt seit Jahren als Riesentalent, konnte dies aber auf fremden Strecken sowie bei seinen WM-Starts 2009 bis 2011 nie rechtfertigen. Mitunter machte er den Verband auch nervös, weil er gemeinsam mit seinem Heimtrainer die mitunter lästigen Vorgaben in Sachen Konditionierung nicht umsetzen wollte. Doch Talent setzt sich durch, der Mittelweg zwischen Druck der Bundestrainer und seinem gewohnt spielerischen Training erwies sich als richtig.

Der gebürtige Augsburger tummelte sich schon immer gern am Wildwasser. „Er wollte immer Spaß haben. Während andere verbissen um Erfolg kämpfen, kam bei ihm die Ernsthaftigkeit erst später“, erinnert sich der frühere Bundestrainer Jürgen Köhler, der Tasiadis' Gefühl für das Paddel und das nasse Element hervorhebt: „Er spielt mit dem Wasser, während andere gegen das Wasser arbeiten.“

Für Griechenland zu starten, kam dem Olympiazweiten übrigens nie in den Sinn. Dort wäre die Qualifikation sicher einfacher gewesen, aber einen leichten Weg bevorzugt der Sportsoldat nicht. Stattdessen gibt es ein wichtiges Argument: „In Deutschland wird man als Sportler viel besser gefördert. Hier tut man alles für mich, in Griechenland gibt es nichts.“ Der ebenfalls in Augsburg lebende Christos Tsakmakis – er schied in London in der Quali aus – kann ein Lied davon singen. In den letzten zehn Jahren besuchte Tasiadis seinen in Griechenland lebenden Opa nur sehr selten. Zum Heimatland seiner Eltern und Großeltern beweist er kritische Distanz: Dass es dort mit der Wirtschaft und den Finanzen zuletzt so bergab ging, ist für ihn logisch: „Jeder Zehnte ist Beamter, das kann nicht gut gehen.“

Gelingt den Augsburger Slalomartisten heute der nächste Coup? Klubkollege Hannes Aigner geht als klarer Sieger der Qualifikation und gleichfalls als Medaillenkandidat in die Entscheidung in Einerkajak. Frank Schober

Frank Schober

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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