Super Bowl bei klirrender Kälte

Touchdown im Schnee

New York - Im Super Bowl, dem Finale der amerikanischen Football-Profiliga NFL, vereinen sich Sport, Spektakel und Kommerz. In der 48. Ausgabe am Sonntag kämpfen die Seattle Seahawks und die Denver Broncos jedoch nicht nur gegeneinander, sondern auch mit der klirrenden Kälte.

Der Super Bowl, das größte Sportereignis der Welt, ist eigentlich gar kein Sportereignis. Klar, mit den Seattle Seahawks und den Denver Broncos treffen in der Nacht auf Montag (0.30 Uhr/Sat.1) die besten Teams der amerikanischen Football-Profiliga NFL aufeinander, doch eigentlich geht es am letzten Januar-Wochenende in New York und im benachbarten East Rutherford ums Spektakel. Das lieben die Amerikaner - trotz des aktuellen Winterchaos. "Ich kann das Wetter nicht kontrollieren", sagte NFL-Boss Roger Goodell bei ESPN.

New York und Teile der Ostküste kämpfen seit Tagen gegen Eis und Schneemassen. Solche Spiele würden oft bei Sauwetter ausgetragen, "wir hatten das in diesem Jahr einige Male. Das ist Football", sagt der 54-Jährige und geht mit gutem Beispiel voran. Goodell wird am Sonntag statt in einer Loge lieber auf der Tribüne sitzen.

Auch Broncos-Trainer John Fox will dem Wetter nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Wir haben in diesem Jahr schon bei einstelligen Temperaturen trainiert und gespielt. Es ist also nichts Neues für uns", sagte der 58-Jährige am Freitag.

Die Show begann früh, selbst der Broadway musste sich in diesen Tagen dem Football unterordnen. Auf der weltberühmten Theatermeile wurde Anfang der Woche der Super Bowl Boulevard errichtet. Auf einer Länge von 14 Straßenblocks können Fans die Protagonisten hautnah erleben und Autogramme ergattern. Bei klirrender Kälte stimmen sich Fans und Medien auf den Showdown im MetLife Stadium von East Rutherford ein. Die kleine 8000-Seelen-Gemeinde jenseits des Hudson River beheimatet sonst die New York Giants und die New York Jets. Am Sonntag stellt sie alles in den Schatten.

Wetterchaos hin oder her - es darf nichts mehr schiefgehen. Denn der Super Bowl ist vor allem eine Gelddruckmaschine. Ein 30-sekündiger Werbespot beim übertragenden TV-Sender Fox kostet vier Millionen Dollar (2,9 Millionen Euro) - weltweit schauen etwa 160 Millionen Menschen zu. Im MetLife Stadium werden 82.500 Zuschauer das Spektakel verfolgen. Wer jetzt noch kein Ticket hat, braucht Glück auf dem Schwarzmarkt und ein dickes Portemonnaie. Wer dabei ist, wird Zeuge einer gigantischen Show.

Eingerahmt von zwei Spielhälften findet das musikalische Halbzeit-Highlight statt: Die Red Hot Chili Peppers und Sänger Bruno Mars teilen sich die Bühne. Dabei stand die Show lange auf der Kippe, weil das Finale erstmals bei derart frostigen Temperaturen in einem offenen Stadion ausgetragen wird - Wetterkapriolen inklusive. Letztlich hieß es: The show must go on.

Wer sich neben dem Spektakel zufällig auch für Sport interessiert, bekommt einen echten Leckerbissen serviert. Die Seahawks stellen die beste Verteidigung der regulären Saison, die Broncos um Star-Quarterback Peyton Manning (37) den ligaweit stärksten Angriff. Seattles Hoffnungen ruhen auf Star-Running-Back Marshawn Lynch und Quarterback Russell Wilson. Manning könnte mit einem Sieg und dann insgesamt zwei Titeln zu seinem jüngeren Bruder Eli aufschließen, für die Seahawks wäre es der erste Triumph überhaupt. Vorhang auf also für den Super Bowl. Das größte Sportereignis der Welt, das eigentlich gar kein Sportereignis ist.

sid

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