Heeßeler SV

Ein Verein rückt zusammen

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Bei Heeßels Klubchef Rüdiger Zach und den Vorstandsmitgliedern Heiko Hartmann und Michael Winkelmann (v.l.) sitzt der Schock noch tief. Doch der Klub will wieder anpacken.

Burgdorf - Der Heeßeler SV war stolz auf seine Halle, jetzt hat sie ein Feuer zerstört: Die Folgen für die Sportler sind dramatisch.

Anfang des Jahres war das handwerkliche Geschick der Basketballer gefragt. Der Heeßeler SV hatte neue Basketballkörbe und eine neue 24-Sekunden-Uhr gekauft. Und weil es in diesem Verein so üblich ist, mussten die beschenkten Sportler beim Aufbau selbst anpacken. Das war schweißtreibend, und es soll nicht jedem immer nur Spaß gemacht haben, aber am Ende waren sie alle mächtig stolz auf ihre neue Basketballanlage und es überwog das Glücksgefühl, etwas für die Zukunft des eigenen Klubs geleistet zu haben. Ein Dreivierteljahr später liegt alles in Asche.

In der Nacht zum Sonntag ist die Sporthalle im Burgdorfer Ortsteil Heeßel von einem Feuer zerstört worden. Der Brand war, so ist der aktuelle Stand der Ermittlungen, in der Teeküche ausgebrochen. Ursache soll ein technischer Defekt gewesen sein. Eine Frau, die in unmittelbarer Nähe des Sportgeländes wohnt, hatte am Sonnabend gegen 22.15 Uhr Rauschschwaden entdeckt und die Feuerwehr gerufen.

Seit Sonntagmorgen also steht der Heeßeler SV ohne Sporthalle da. Das ist, so kurz bevor viele Freiluftsportarten ihren Spielbetrieb unter das wohltemperierte Hallendach verlegen, eine organisatorische Katastrophe. Einige Heeßeler nehmen das ganze aber auch persönlich. „Man kannte jede Fliese an der Wand, weil man sie selbst angemalt hatte“, sagt Barbara Kunze, Spartenleiterin Basketball in Heeßel. „Es ist tragisch“, sagt Vorstandsmitglied Michael Winkelmann, „es sind in den vergangenen beiden Tagen viele Tränen geflossen.“ Noch in der Nacht zum Sonntag, während des stundenlangen Feuerwehreinsatzes, waren zahlreiche Vereinsmitglieder zur Halle gekommen, um sich selbst ein Bild machen zu können. „Die Heeßeler haben ein besonderes Verhältnis zu dieser Halle“, sagt Winkelmann. „Mit der Halle ist auch jede Menge Herzblut verbrannt worden.“ Das klingt ein bisschen melodramatisch. Aber es erklärt eigentlich nur, warum sie im Klub derzeit so geschockt sind.

Erst vor zehn Jahren war die Mehrzweckhalle gebaut worden. Der Verein hatte Geld gesammelt und die Halle „aus eigener Kraft gestemmt“, sagt Winkelmann. Er war damals selbst dabei, hat wie viele andere Klubmitglieder etliche Stunden in seiner Freizeit auf der Baustelle verbracht. Am Ende waren sie dann alle mächtig stolz auf ihr Werk. „Und auf einmal ist die Halle weg“, sagt Winkelmann. Einfach so, über Nacht.

In vielen Sparten des Heeßeler SV ruht nun der Ball. Und es ist ungewiss, wann ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Basketballer beispielsweise haben sämtliche Übungseinheiten auf unbestimmte Zeit gestrichen. „Wir haben keine Halle mehr, und die anderen Hallen sind belegt“, sagt Abteilungsleiterin Kunze. Und selbst wenn sie die Einheiten auf den Parkplatz vor dem Vereinsgelände verlegen würde: Die Bälle und einige Trikotsätze sind vom Feuer ebenfalls zerstört worden, ebenso wie Turngeräte oder Matten. „Wir hoffen jetzt auf die Unterstützung von anderen Vereinen“, sagt Kunze. Der Basketballverband hat seine Unterstützung bereits zugesagt: Der Heeßeler SV darf seine Spiele vorerst alle auswärts bestreiten, bis eine neue Halle gefunden ist. „Wenn wir Glück haben, leiht uns der Gegner dann auch noch Trikots – wir können ja schlecht nackt spielen“, sagt Kunze.

Die anderen Spartenleiter beschäftigt vor allem der ersatzlose Wegfall von Hallenzeiten. Denn wie in den meisten Städten und Gemeinden fehlt es auch in Burgdorf an Sporthallen. Schon vor dem Brand wurde zwischen den Vereinen um jede Minute in den öffentlichen Turnhallen gestritten, nun hat sich die Lage noch einmal verschärft. „Im April oder Mai wäre das alles nicht so schlimm gewesen“, sagt Winkelmann, „aber jetzt ...“

Jetzt beginnt im Fußball, der größten Sparte des Klubs, die Wintersaison. Wo die jungen Kicker alle untergebracht werden sollen, steht in den Sternen. „Wir müssen jetzt alle zusammenrücken, jeder muss Abstriche machen“, sagt Winkelmann. Für die Hallensportler könnte das eventuell für eine ganz schön lange Zeit gelten. Im besten Fall, so rechnet Winkelmann, haben sie in Heeßel in zehn Monaten wieder eine eigene Halle. Vielleicht dauert es aber auch noch zwei Jahre. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Halle abgerissen werden muss“, sagt er. „Dann müssten wieder alle mit anpacken.“ Erfahrung darin haben sie ja.

Patrick Hoffmann

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