Nächster Traumtag in Barcelona

Vier Medaillen für Deutschland - Heidler holt Gold

- Hammer-Gold, Silber-Double, Bronze-Coup: Mit vier Medaillen hat die deutsche Mannschaft bei der Leichtathletik-EM den nächsten glanzvollen Abend erlebt. Hammerwerferin Betty Heidler holte sich den EM-Titel, das Stab-Duo Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih glänzten mit den Plätzen zwei und drei - und im letzten Rennen riss 1500-Meter-Läufer Carsten Schlangen im Endspurt noch Silber aus dem Feuer.

Der 29 Jahre alte Berliner musste sich am Freitag mit 3:43,52 Minuten nur dem Spanier Arturo Casado (3:42,74) geschlagen geben. “Überraschend ist es schon. Ich wusste, dass es ein recht offenes Ende sein könnte“, sagte Schlangen noch ganz außer Atem. „Ich habe viel an meiner Spritzigkeit trainiert, auf Rasen trainiert. Vielleicht hat mir das den letzten Kick gegeben. Am Ende hatte ich noch Reserven“, meinte der deutsche Meister nach seinem ersten großen internationalen Erfolg.Hammer-Frau Heidler hatte zuvor mit der persönlichen Saisonbestleistung von 76,38 Metern nach dem WM-Triumph von 2007 ihren zweiten großen internationalen Titel gewonnen. „Das ist unglaublich! Ich bin total happy, total zufrieden“, jubelte die 26 Jahre alte Frankfurterin. Silber und Bronze gingen an die entthronte Titelverteidigerin Tatjana Lysenko (Russland/75,65) und Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk aus Polen (73,56).

Zuvor hatten Spiegelburg und Ryzih die deutschen Medaillen vier und fünf in Barcelona jubelnd gefeiert. Stärker als das Duo war nur die Russin Swetlana Feofanowa, die eine europäische Jahresbestleistung aufstellte (4,75). Spiegelburg und Ryzih übersprangen nur 4,65 Meter, knüpften aber an die deutschen Erfolge vom Vorabend an. Da hatten Sprinterin Verena Sailer sowie der Doppelsieg von Lisa Stahl und Christina Obergföll im Speerwurf das lange Warten auf die ersten Medaillen beendet.

Während die fünffache deutsche Meisterin Spiegelburg und die erst 21 Jahre alte Ryzih ihren ersten großen internationalen Erfolg mit einer Ehrenrunde feierten, blieb für Carolin Hingst nach schwachen 4,35 Metern nur Platz elf. Die 30 Jahre alte Feofanowa kehrte acht Jahre nach ihrem Sieg von München auf den europäischen Thron zurück. Sie nutzte die Chance, die sich durch die Wettkampfpause von Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa (Russland) und die Verletzung von Weltmeisterin Anna Rogowska (Polen) geboten hatte.

Zwei Tage nach seinem Sieg über 100 Meter gewann Christophe Lemaitre mit einem beeindruckenden Schlussspurt auch Gold über 200 Meter. Beim siebten Sprintdouble der EM-Historie siegte der Franzose in 20,37 Sekunden vor dem lange führenden Briten Christian Malcolm (20,38) und Martial Mbandjock (20,42). „Ich genieße diesen Moment. Dies ist ein wichtiger Tag für Frankreichs Leichtathletik“, sagte Lemaitre, der nach der Hälfte des Rennens noch weit zurückgelegen hatte. Europas neuer Sprintstar ist der 20-Jährige damit bereits, der erfolgreichste Athlet der EM kann er auch noch werden: Am Sonntag läuft er mit der 4 x 100-Meter-Staffel um seinen dritten Titel.

Marta Dominguez gewann mit Silber die erste Medaille für Gastgeber Spanien, musste sich im Finale über 3000 Meter Hindernis aber der Russin Julia Zarudnewa geschlagen geben. Über 400 Meter gab es sogar einen russischen Dreifachsieg: Tatjana Firowa gewann in der europäischen Jahresbestzeit von 49,89 Sekunden vor Ksenija Ustalowa und Antonia Kriwoschapka. Der Brite Andy Turner siegte über 110 Meter Hürden. Alexander John (Leipzig) wurde im Endlauf Achter und Letzter.

Hochspringerin Ariane Friedrich (Frankfurt) übersprang in der Qualifikation 1,90 sowie die geforderten 1,92 Meter und blieb auf dem Weg ins Finale genauso ohne Fehlversuch wie Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien). „Jetzt kann ich am Sonntag angreifen“, sagte die WM-Dritte. Hürdensprinterin Carolin Nytra (Bremen) wurde nach 12,89 Sekunden zwar nur Zweite ihres Vorlaufs, erreichte aber genauso das Halbfinale wie Nadine Hildebrand (Stuttgart) und Cindy Roleder (Leipzig). „Ich habe versucht, nichts zu riskieren. Mein Ziel war und ist eine Medaille“, sagte Nytra. Beim Sieg des Franzosen Yohan Diniz im 50 Kilometer Gehen belegte der Berliner André Höhne den siebten Platz und war darüber „extrem glücklich“. Der 32-Jährige hatte mit Magenproblemen zu kämpfen. „Aber ich habe gezeigt, dass ich zur Weltspitze gehöre“, meinte er stolz.

dpa

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