TSV Hannover-Burgdorf

Die zweite Chance

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Hannover - Nur fünf Tage nach dem Duell im DHB-Pokal gehen die Kieler Wochen für die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf weiter. Am Sonntag heißt der Gegner in der Bundesliga erneut THW Kiel. Diesmal soll der große Wurf gegen den Favoriten aus dem Norden gelingen - zumal die Kieler im Pokal schon ins Schlingern geraten waren.

Hannover. So hatten sich die rund 20 Helfer das Einlaufen der beiden Mannschaften nicht vorgestellt. Als die Spieler der TSV Hannover-Burgdorf und des THW Kiel zum DHB-Pokal-Viertelfinale das Spielfeld in der AWD-Hall betraten, knieten die Freiwilligen noch auf dem Spielfeld verteilt und wischten mit Handtüchern über den Boden, was das Zeug hielt. Beim Aufwärmen hatten die Spieler glatte Stellen bemerkt. Dass überhaupt angepfiffen werden konnte, war aus Sicht des THW-Geschäftsführers Klaus Elwardt nicht selbstverständlich. "Das waren Strapazen für beide Mannschaften, die heute sehr gut gespielt haben", sagte er nach der Partie, nicht zuletzt milde gestimmt durch den 34:29-Erfolg der Kieler und die Tatsache, dass sich niemand verletzt hatte.

THW-Trainer Alfred Gislason hielt die Verhältnisse für "teilweise gefährlich", auch wenn die größten Probleme ein Burgdorfer hatte. Spielmacher Morten Olsen rutschte mehrfach aus und musste nach einem Zusammenprall mit Momir Ilic sogar kurz behandelt werden. Christopher Nordmeyer, Trainer der TSV, beurteilte die Lage gelassener: "Die Spieler sind gut trainiert. Wenn man nicht sehr viel Pech hat, kann eigentlich nicht viel passieren", sagte er. Der Burgdorfer Coach hatte die Kieler in dieser Partie durchaus aufs Glatteis führen wollen, aber nicht durch übertriebenen Ehrgeiz des Reinigungspersonals, sondern bildlich gesehen, mit taktischen Finessen und einer herausragenden Teamleistung.

Eine Halbzeit ist ihm das vor einer mageren Kulisse von 1983 Zuschauern auch gelungen. Erst in der 30. Minute gelang den Gästen die erste Führung (15:14). "In der 2. Hälfte hat man gesehen, dass wir nicht mehr gegenhalten konnten", sagte der Coach. "Ich bin dennoch zufrieden, weil wir es als erste Mannschaft in Europa geschafft haben, gegen diese 3-2-1-Deckung eine Halbzeit lang sehr gut zu spielen."

"Es war immer schon schwer, hier zu spielen. Das war auch heute so", sagte Gislason anerkennend. In der Pause kam ihm die Erkenntnis, dass die zweite Reihe an diesem Abend gegen die TSV vielleicht nicht reichen könnte. Er ging auf Nummer sicher und schickte mit Kim Andersson, Daniel Narcisse und Filip Jicha einen absoluten Weltklasse-Rückraum aufs Feld, der auch flugs den letztlich entscheidenden Vorsprung herausarbeitete. "Wir haben unser Ziel, zu gewinnen, nicht erreicht. Aber der Respekt von Alfred Gislason macht mich zufrieden", sagt Nordmeyer.

TSV-Geschäftsführer Benjamin Chatton, der scherzhaft anmerkte, er werde sich jetzt doch nach Karten für das Final Four im Onlineshop umsehen müssen, sah als positiven Ansatz in der Niederlage, dass sich die TSV jetzt voll auf die Liga konzentrieren könne. Auch dort zeigten die Burgdorfer mit dem 30:24-Sieg gegen Balingen zuletzt ansteigende Form. Der Wahnsinn des Spielplans will es aber so, dass der nächste Gegner in der AWD-Hall am Sonntag (17.30 Uhr) wieder der Rekordmeister aus Kiel ist. Dann wird es für das Nordmeyer-Team darum gehen, dem hohen Favoriten länger als eine Halbzeit Paroli zu bieten. "Die Frage ist: Können wir das überhaupt leisten?" meinte der TSV-Coach und schob sofort nach: "Vielleicht können wir es am Sonntag mit 4000 Zuschauern im Rücken."

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