Prozess wegen sechs verschiedenen Vorwürfen

Nach Feuer in Dorfitter: Angeklagter bestreitet Brandstiftung

Die Feuerwehr löscht einen Brand in Dorfitter.
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Die Feuerwehr verhinderte beim Brand im Januar schlimmeres.

Dass ein Feuer in Dorfitter die Folge von Brandstiftung war, vermuteten die Ermittler rasch. Seit Montag muss sich ein junger Mann am Amtsgericht Korbach verantworten.

Gleich zwei Feuer gelegt haben soll der 21-Jährige in einem Haus in Dorfitter, in dem ein gutes Dutzend Wohnungen an Deutsche und Flüchtlinge vermietet werden (wir berichteten). Der Asylbewerber aus Eritrea streitet die Tat ab – am Korbacher Amtsgericht muss er sich noch wegen einer Reihe von Vorwürfen verantworten.

Am Abend des 16. Januar habe er Bescheid gekriegt, dass ein Mieter verbranntes Plastik roch, berichtete der 49-jährige Vermieter. Zusammen entdeckten sie, dass in der Waschküche ein Kleiderhaufen und ein Müllsack brannten. Diesen Brand bekam die Feuerwehr rasch unter Kontrolle – doch als die Bewohner wegen Ruß und Rauch gewarnt werden sollten und die Zimmertür des Angeklagten geöffnet wurde, entdeckten Feuerwehr und Vermieter einen zweiten Brandherd im Obergeschoss. Das Gebäude wurde evakuiert, verletzt wurde niemand.

Nicht nur, dass bloß der Vermieter und der Angeklagte über Schlüssel für das Zimmer mit dem brennenden Bett verfügen, machte letzteren verdächtig: Am Morgen des Tages hatte er sich mit einem anderen Bewohner gestritten. Jemand klopfe nachts von unten an die Decke und lasse ihn nicht schlafen, alle wollten ihn „verarschen“. Einige seiner Aussagen verstand auch der Dolmetscher nicht, ein medizinischer Gutachter wird im Prozess noch aussagen.

Der Streit hatte damit geendet, dass der Vermieter dem Angeklagten nahelegte, sich zu benehmen oder auszuziehen – danach habe er nicht mehr daran gedacht, bis der junge Mann nach dem Feuer in seinem Zimmer nicht auffindbar war. Auf mit der Kripo abgestimmte Versuche der Kontaktaufnahme reagierte er nicht. Sein Handy war nach dem Abend nicht mehr im Netz.

Der Angeklagte stellte die Ereignisse anders dar: Er sei nach einem Missverständnis zum Auszug aufgefordert worden, habe den Schlüssel abgegeben und einen Freund in Fritzlar besucht. Vom Feuer gehört habe er erst, als die Polizei ihn dort festnahm.

Das Haus war in weiten Teilen über Monate unbewohnbar, der Schaden lag bei rund 60 000 Euro. Der Brandermittler der Polizei erklärte, dass zum Vollbrand nur wenige Minuten gefehlt hätten – wäre das Fenster im Schlafzimmer gerissen und hätte Sauerstoff hineingelassen, hätte ein „Inferno“ gedroht. Und der Fluchtweg hätte direkt zum zweiten Brand geführt. „Wir können von Glück reden, dass da alle relativ gut rausgekommen sind.“

Weitere Vorwürfe gegen mutmaßlichen Brandstifter

Der 21-Jährige muss sich wegen sechs Tat-Komplexen verantworten. Mitarbeiter der JVA Wiesbaden sollen über Beleidigungen aussagen – dort hält er sich wegen der Brandstiftung auf. Zudem soll er in einem Korbacher Lokal jemand mit einer Bierflasche am Kopf verletzt haben. Thema am ersten Prozesstag war auch ein das eingeschmissene Fenster eines Fahrradgeschäfts. Er gestand 16 Schwarzfahrten mit der Bahn und den Diebstahl einer Flasche Parfum namens „Guilty“.

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