Junge Frau berichtet von schlimmen Mobbing-Erfahrungen und erklärt neuen Glauben

Bella aus Landau ist zum Islam konvertiert und hat sich alles von der Seele geschrieben

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Zum Islam konvertiert: Unter dem Pseudonym Bella Salhi hat die junge Frau aus Landau ihre Erfahrungen mit Mobbing in der Kaulbach-Schule aufgeschrieben. Ein Mann aus Tunesien gab ihr Geborgenheit. Durch ihn und muslimische Freundinnen lernte sie den Islam kennen und konvertierte.   

Bad Arolsen. Sie nennt sich Bella Salhi. Das Pseudonym der jungen Autorin setzt sich zusammen aus ihrem Spitznamen aus früher Landauer Kindheit und aus dem Nachnamen des tunesischen Vaters ihrer kleinen Tochter.

Bella und Amine hatten schon einen Hochzeitstermin in Volkmarsen, aber dann kam die Polizei und holte Amine ab, weil er keinen gültigen Aufenthaltstitel hatte und abgeschoben werden sollte.

Da half auch nichts, dass Bella angab, schwanger zu sein und bereits vor einem Imam in der Kasseler Moschee mit Amine verheiratet worden zu sein. Der junge Tunesier wurde im September 2016 abgeschoben. Im April 2017 kam seine Tochter zur Welt. Jetzt wollen Bella und er es noch einmal mit einer standesamtlichen Trauung versuchen.

Bella hat ein Buch geschrieben über ihr 21 Jahre junges Leben. Darin erzählt sie schonungslos alles über ihre Kindheit in Landau, das jahrelange Mobbing durch Klassenkameraden an der Kaulbach-Schule, ihre Hilferufe, die nicht ernst genommen wurden, ihren Weg zum Islam und warum sie sich als Konvertitin jetzt besser fühlt.

Im Gespräch mit der WLZ zeigt sich sehr redegewandt und selbstsicher. Sie berichtet von Schlägen und Schikanen durch Mitschüler, von ihrem neuen Glück mit dem Tunesier und der Geburt ihres Kindes. Die Frage, ob sie ihre junge Familie nicht bloß deshalb gegründet haben, damit es einen Hinderungsgrund gegen eine Abschiebung des Vaters gibt, habe sie schon oft gehört. „Nein, das ist wahre Liebe“, entgegnet sie.

Mobbing wurde schlimmer

Und auch die Sorge, dass sie durch falsche muslimische Freundinnen in das Netzwerk einer Parallelwelt gezogen werden könnte, weist sie weit von sich: Sie fühle sich wohl unter ihrem Kopftuch und ihrem langen, dunklen Kleid. Genaugenommen fühle sie sich nun freier als in all den Jahren, in denen ihr Klassenkameraden erst in Landau, dann an der Kaulbach-Schule nachstellten und das Leben schwer machten.

Ausführlich und in vielen Details schildert die junge Frau, wie ihr Gleichaltrige immer wieder Stifte und andere Utensilien aus dem Mäppchen stahlen und zerbrachen. Mal fehlten Hefte, mal Bücher. Im Buch schildert die Autorin: „Einmal, in der fünften Klasse, haben mich sieben Klassenkameraden hinter eine Hecke gehetzt, geschlagen, zu Boden geworfen und getreten. Ich habe mich an Lehrer gewandt, doch die haben das nicht ernst genommen. Mein Opa ist zu den Eltern gegangen. Alles ohne Erfolg. Und weil meine Klassenkameraden sahen, dass all ihr Tun keine Konsequenzen hatte, haben sie weitergemacht und es wurde immer schlimmer.

Haben die Lehrer falsch reagiert?

Bei Lehrern und der damaligen Schulleitung der Kaulbach-Schule habe sie trotz des Einsatzes ihres Großvaters weder Verständnis noch Hilfe gefunden. Im Gegenteil: „Ich sei selbst schuld, wenn mich die anderen so behandelten“, habe die damalige Schulleiterin zu ihr gesagt. Das alles und noch viel mehr ist nachzulesen in Bella Salhis Buch „Und hinter mir der Regen“.

In ihrem Buch erzählt Bella auch von Gewaltexzessen ihres Vaters. Davon sei sie so traumatisiert, dass sie gleich an zu schreien fange, sobald jemand gegen sie die Hand erhebe. Sie habe auch Selbstmordgedanken gehabt. Später sei bei ihr ein Borderline-Syndrom diagnostiziert worden.

 Deshalb habe sich auch gleich nach der Geburt ihres Kindes das Jugendamt eingeschaltet. Nach zwei Monaten im Mutter-Kind-Heim in Warburg seien sie und ihre Tochter mit positiver Prognose entlassen worden: „Das war auch nicht anders zu erwarten“, sagt Bella selbstbewusst und redet sich alles von der Seele, so wie sie es sich bereits von der Seele geschrieben hat. Ihre Geschichte müsse erzählt werden, damit alle erfahren, wie es ist, wenn seit der Grundschule alle sagen: „Du bist die Pest. – Dich will hier keiner.“

Begeistert mit "Sternchen in den Augen"

Ein schwerer Schlag sei für sie der frühe Krebstod ihres geliebten Großvaters gewesen. Das habe sie sehr traumatisiert. Als dann Ende 2015 die Flüchtlinge nach Mengeringhausen gekommen seien, habe sie eine Aufgabe für sich gesehen, den Neuankömmlingen zu helfen. Dort freundete sie sich mit muslimischen Frauen an und erfuhr mehr über deren Lebensweise.

Bald darauf habe sie auch den netten Tunesier kennengelernt und heimlich alles über den Koran gelesen. Sie habe wissen wollen, worauf sie während des Ramadan achten musste, um ihren Freund nicht beim Fasten zu stören. Eine nette Freundin habe sie in der Kasseler Moschee eingeführt und ihr „einen tollen Power-Point-Vortrag über den Islam“ gezeigt. 

Bella: „Mein Freund hat gesagt, als ich danach nach Hause gekommen bin, hätte ich Schmetterlinge und Sternchen in den Augen gehabt. So fühle ich mich noch immer.“ Inzwischen habe sie das muslimische Glaubensbekenntnis auswendig gelernt und ihren Mann nach muslimischem Ritus geheiratet. Die Eheschließung wolle sie nun endlich auch vor einem deutschen Standesamt wiederholen, dann aber ohne dass dann wieder die Polizei mit Abschiebung droht.  

Was sagt der Verlag über Bellas Buch?

Auf der Homepage des Assira-Verlages, der sich auf deutschsprachige, islamische Literatur spezialisiert hat, heißt es über Bella und ihr Buch: „Die Hauptsache an ihrer Geschichte ist, sich abzugrenzen und anders zu sein als andere. Wichtig ist, dass das, was sie früher als Spaß empfand, sich mit dem Islam in ihrem Leben endgültig erledigt hat. Und Gott sei Dank auch. Der Islam wird Bella Salhi führen und sie nicht mehr in Kontakt kommen lassen, mit dem, was ihr nicht guttut im Leben. Bella Salhi ist heute verheiratet und hat eine kleine Tochter. Da sie noch sehr jung ist, wird ihre Geschichte weitergehen. Fortsetzung folgt ;-)........Inschallah“ - Soweit das Zitat.

Bella Salhi, „Und hinter mir der Regen“, 160 Seiten, Softcover, 14,50 Euro, Assira-Verlag, www.assira-verlag.de, ISBN 978-3-7460-6308-9

Anmerkung der Redaktion

Die WLZ-Redaktion hat lange überlegt und intern diskutiert, ob mit der Veröffentlichung der Geschichte der jungen Frau aus Landau nicht die falschen Vorbilder gesetzt werden. Vieles von dem, was sie erzählt, geht auf persönliches Empfinden vor mehreren Jahren zurück und ist schwer nachprüfbar.

Die Redaktion ist jedoch der Meinung, dass dieses ganz persönliche Empfinden und die Erfahrungen einer 21-Jährigen aus der kleinen Bergstadt Landau zeigen, dass viele Entwicklungen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, auch im Waldecker Land spürbar sind.

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