Vortrag von Dr. Harald Ise:

300 Jahre Arolsen: Medizingeschichte aufgearbeitet

Medizingeschichte im 300-jährigen Arolsen: Interessante Einblicke vermittelte Dr. Harald ise in seinem Vortrag beim Geschichtsverein. 

Bad Arolsen. Von Blattern und elektrischen Schlägen: der Vortrag Dr. Harald Ises über das Arolser Paulinenhospital gab Aufschluss über die gewaltigen Entwicklungen der Medizin in mehr als 300 Jahren.

Stationär behandelt – oder eher betreut – wurde im Raum Arolsen nämlich bereits seit dem 16. Jahrhundert. Das Hospital Leiborn bei Mengeringhausen bot damals acht Personen Platz. Dies erklärte der Referent und langjährige ehemalige Chefarzt vor nahezu einhundert interessierten Zuhörern, die sich im Bürgerhaus zur Vortragsreihe des Geschichtsvereins eingefunden hatten.

Welche Beschwerden die Waldecker in vergangenen Jahrhunderten plagten, wurde bei Ises Abriss der Vorgängereinrichtungen des Arolser Krankenhauses deutlich.

Ständige Verbesserungen in der Krankenpflege

So gesellte sich zum Hospital bald ein Siechenhaus für Patienten mit ansteckenden Krankheiten hinzu. Neue medizinische Erkenntnisse erreichten Arolsen erst über die Leibärzte des Fürstenhauses. Dr. Johann Friedrich Herlitz etwa führte nicht nur eine neue Behandlungsmethode der Blattern ein, er erkannte außerdem die giftige Wirkung von Mutterkorn und wies Landwirte und Müller an, das Getreide sorgfältiger zu reinigen.

Im Jahr 1851 richtete man die Krankenstube im sogenannten Töpferhaus ein, angeregt durch die Doktoren Marc, Kreusler, Stockhausen und Steinmetz, deren Grabsteine sich zum Teil noch auf dem alten Friedhof finden. Mit dem Paulinenhospital, einer Stiftung unter dem Protektorat der Fürstin Helene, erhielt die Residenzstadt 1863 dann endlich ihr Krankenhaus.

Dr. Harald Ise hat die Geschichte des Paulinenhospitals aufgearbeitet.

Betreut wurden die zunächst 35 stationär aufgenommenen Patienten von Diakonissen, deren Mutterhaus nebenan gebaut wurde, und dem leitenden Arzt Dr. Gottfried Mannel. Der einzige Balkon gehörte zum Krankenzimmer der Fürstenfamilie.

Neben deutlich verbesserter Diagnostik brachten technische Geräte wie der erste Röntgenapparat im Jahr 1903 auch neue Herausforderungen an die Belegärzte mit sich. Dank frei hängender Leitungen „gehörten elektrische Schläge in den nächsten Jahren zu ihrer Arbeit“, stellte der Referent schmunzelnd fest. Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Diphterie traten damals gehäuft auf.

Verweildauer im Krankenhaus drastisch reduziert

Deutlich machte der Vortrag auch, wie die rasante Entwicklung in Technik und Medizin sich in den folgenden Jahrzehnten in den Erweiterungsbauten des Paulinenhospitals wiederspiegelte. Abrisse und Neubauten bestimmten das Bild zwischen Helenenstraße und Großer Allee, während das Paulinenhospital 1969 etwa die Krankenpflegeschule des Diakonissenhauses übernahm.

Das alte Gebäude wurde zu Beginn der Siebzigerjahre abgerissen. Im heutigen Haus unter dem Dach der Gesundheit Nordhessen Holding GNH werden jährlich mehr als 6000 Patienten behandelt.

Für Staunen sorgte bei alldem die Verweildauer der Patienten, die Harald Ise für die Fünfzigerjahre noch mit neunzehn Tagen bezifferte. Ende der Achtzigerjahre lag sie bei dreizehn Tagen, um Patienten aktuell nach acht (Chirurgie) oder sechs Tagen (Innere) nach Hause zu schicken.

„Es wird heute immer schneller gearbeitet, und mancher bekommt das zu spüren“, resümierte der Referent, der mit der Tinnitus- und Schönklinik weitere Arolser Einrichtungen in seiner kurzweiligen Abhandlung aufführte.

Die Broschüre zum Vortrag ist ab sofort bei Jaschko-Werbung oder über den Vorstand der Bezirksgruppe Arolsen im Waldeckischen Geschichtsverein erhältlich.

VON SANDRA SIMSHÄUSER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare