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35 Jahre Städtepartnerschaft: Bad Arolsen hat Freunde am Missouri

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Von: Elmar Schulten

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Gastgeschenke wurden ausgetauscht, als die Delegation aus Arolsen im Rathaus von Hermann empfangen wurde: (von links) Arolsens Stadtverordnetenvorsteher Gerd Frese, Hermanns Bürgermeister Bruce Cox und Bundestagsabgeordneter Armin Schwarz. Rechts im Bild: der frühere Bürgermeister Robert C. Kirchhofer.
Gastgeschenke wurden ausgetauscht, als die Delegation aus Arolsen im Rathaus von Hermann empfangen wurde: (von links) Arolsens Stadtverordnetenvorsteher Gerd Frese, Hermanns Bürgermeister Bruce Cox und Bundestagsabgeordneter Armin Schwarz. Rechts im Bild: der frühere Bürgermeister Robert C. Kirchhofer. © Elmar Schulten

Rund 7500 Kilometer und vor allem ein eiskalter Atlantik trennen Bad Arolsen von seiner US-amerikanischen Partnerstadt Hermann am Missouri-Fluss. Dennoch wird ein reger Austausch gepflegt.

Bad Arolsen - In den 35 Jahren der Städtepartnerschaft zwischen Hermann im US-Bundesstaat Missouri und Bad Arolsen im Waldecker Land sind sich rund 3000 Schüler und Erwachsene beider Länder bei Austauschfahrten begegnet.

In fast allen Fällen war Bernd Radeck, der langjährige Vorsitzende des (inzwischen aufgelösten) deutsch-amerikanischen Clubs, daran beteiligt.

Herzlicher Empfang im Rathaus

An die Anfänge der Städtepartnerschaft und an die vielen Freundschaften, die in dreieinhalb Jahrzehnten begründet wurden, erinnerte eine achtköpfige Delegation, die auf eigene Kosten, und wiederum unter Leitung von Bernd Radeck in das weite Land zwischen St. Louis und Kasans City reiste.

Die Brücke über den Missouri markiert den Ortseingang von Hermann. Im Hintergrund die Kirche der UCC-Gemeinde (United Church of Christ).
Die Brücke über den Missouri markiert den Ortseingang von Hermann. Im Hintergrund die Kirche der UCC-Gemeinde (United Church of Christ) Außerdem gibt es noch eine große katholische Kirche und mehrere kleinere christliche Gemeinden im Ort. Im Ortsbild dominieren Brauereien mit Biergärten und Weinausschänken direkt beim Winzer. © Elmar Schulten

Im Rathaus von Hermann wurden die Arolser von Bürgermeister Bruce Cox und seiner Verwaltungsleiterin Patricia Heaney und einem guten Dutzend Mitgliedern des dortigen deutschen-amerikanischen Clubs empfangen.

Stolz auf den Sieger der Varusschlacht schwingt mit

Cox verlas eine von seinem Stadtparlament beschlossene Grußbotschaft, die er in einem feierlichen Akt an den Arolser Stadtverordnetenvorsteher Gerd Frese überreichte. Der revanchierte sich mit einem künstlerisch gestalteten Gastgeschenk, das sowohl das Arolser Schloss, als auch den Namensgeber von Hermann, den Sieger der Varusschlacht im Teutoburger Wald zeigt.

Ein früheres Gastgeschenk aus Bad Arolsen, eine von Dieter Blum gestaltete Ansicht des Residenzschlosses im Schnee, ziert die Wand hinter dem angestammten Sitz des Bürgermeisters im Sitzungssaal der Stadt Hermann. Unübersehbar ist auch das gelb-leuchtende Ortseingangsschild aus Bad Arolsen an einem weiteren prominenten Platz im Sitzungssaal.

Junge Generation soll Freundschaft fortführen

Der aus Bad Arolsen CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schwarz, der vor vielen Jahren selber als Austauschschüler die Vereinigten Staaten besucht hat, stellte in einer kurzen Ansprache die Bedeutung der transatlantischen Städtepartnerschaft in einer Zeit dar, in der das friedliche Zusammenleben der Völker längst nicht mehr selbstverständlich sei.

In der deutsch-amerikanischen Freundschaft seien Menschen aus zwei Ländern verbunden, die die gemeinsame Werte wie Frieden, Freiheit und Freundschaft miteinander teilten. Die Begegnung von jungen Leuten sei wichtig, um auch in Zukunft diese Freundschaft fortzusetzen und um das Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen zu fördern.

Eigene Zucht rabenschwarzer Brauereipferde

Die Delegation aus Bad Arolsen war wie in den Vorjahren in Gastfamilien untergebracht. Die Familie Dierberg aus St. Louis, die seit mehr als 35 Jahren mit großzügigen Spenden und Investitionen die Entwicklung in Hermann und die Bewahrung der historischen Gebäude fördert, nahm sich die Zeit, die von ihr gegründete Brauerei, Destillerie und Weinkelterei vorzustellen. Zum weitläufigen Anwesen mit mehreren restaurierten Farmhäusern gehören eine Zucht von Brauereipferden der Rasse Black Shire, eine Festhalle und ein schickes Restaurant. All das rundet die Festinfrastruktur ab, die sich rund um die vier Oktoberfest-Wochenenden und um das Maifest entwickelt hat..

Zwei Musiker auf einer Orgelempore.
Musikalische Botschafter: Rainer Böttcher (Orgel, rechts) und Markus Wagener (Trompete) gestalteten mehrere Konzerte in St. Louis und Hermann. © Elmar Schulten

Mit zwei Konzerten in der Kirche der United Church of Christ (UCC) in Hermann und in der Festhalle an der First Street haben sich Rainer W. Böttcher (Piano und Orgel ) und Markus Wagener (Trompete und Flügelhorn) in die Herzen ihrer Zuhörer in Hermann gespielt. Während in der Kirche vor allem Werke von Bach und eine Hommage an den Mengeringhäuser Pfarrer und Komponisten Philipp Nicolai erklangen, waren in der Festhalle deutsche Volkslieder und typische Oktober-Festlieder zum Schunkeln angesagt.

Siedlungsgeschichte von Hermann

Aroslens Partnerstadt Hermann gilt in Missouri als typisches Beispiel für eine Ansiedlung deutscher Auswanderer in den USA. Dazu gehören heute aus der Sicht vieler amerikaner vor allem deutsches Bier, deutsche Gemütlichkeit und ein zünftiges Oktoberfest.

1837 kamen die ersten deutschen Auswanderer in das Land am Missouri. Die hügelige Landschaft am breiten Strom erinnerte die Siedler an ihre Heimat im Rheinland. Und so nannten sie einer der Ansiedlungen in der Nähe von Hermann auch tatsächlich Rheinland. Die Stadt Hermann aber erinnert an jenen Arminius, der im Jahre 9 nach Christus die Schlacht am Teutoburger Wald plante, dem römischen Reich eine schwere Niederlage bereitete und dem viele Jahrhunderte später mit dem Hermannsdenkmal bei Detmold ein Denkmal gesetzt wurde.

Deutsches Erbe war Last und Freunde

Die Menschen in Hermann am Missouri sind stolz auf ihr deutsches Erbe. Zwei Heimatmuseen beschreiben wie schwer es die deutschen Siedler vor rund 180 Jahren im mittleren Westen hatten.

Die Weinberge und Kelteranlagen, auf die sie so stolz waren, wurden in der Prohibition weitgehend zerstört. Während der beiden von Deutschland angezettelten Weltkriege standen die deutschen Siedler in den USA unter Generalverdacht, mit dem Feind zu sympathisieren.

Inzwischen aber hat sich Hermann einen hervorragenden Ruf als Zentrum der deutschen Fest-Gemütlichkeit im mittleren Westen erarbeitet. Vor allem an den Wochenenden im Oktober, aber auch zum Maifest pilgern zigtausende Großstädter aus St. Louis und Kansas City in das kleine Städtchen und bevölkern die Biergärten und Weinstuben. Das Wursthaus lockt mit deutschen Wurstspezialitäten. Auch das ein großer Renner im Tourismusgeschäft von Hermann.

Region am Missouri setzt auf Tourismus

Tammy Bruckerhoff, die im Rathaus von Hermann für die Fremdenverkehrs- und Wirtschaftsförderung zuständig ist, weiß am besten, wie wichtig die Wochenend- und Tagestouristen für ihre Stadt sind. Viele hundert Arbeitsplätze hängen davon ab. Vermieter von Pensionen und Ferienhäusern brauchen die Einnahmen, um ihre Häuser in Schuss zu halten.

Zwei Frauen stehen vor einem Bild der Statue von Hermann dem Cherusker in hermann.
Hermann bekannter machen: Wirtschaftsfördererin und Fremdenverkehrs-Direktorin Tammy Bruckerhoff (links) mit ihrer Mitarbeiterin Charleen Watson. © Elmar Schulten

Dabei hilft auch der kleine Bahnhof, an dem der Bahnbetreiber Amtrak regelmäßig Gäste in Feierlaune aus- und einsteigen lässt. Ebenso wichtig ist die neue Direktverbindung, die die Lufthansa von Frankfurt nach St. Louis eingerichtet hat. Von ihr versprechen sich auch die Leute in Hermann noch mehr Gäste aus Deutschland. (Elmar Schulten)

Mehr über die Tourismusregion Hermann unter www.visithermann.com.

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