Bad Arolsen plant Investitionen in Rekordhöhe

Abrissbagger sollen rollen: Große Pläne für die städtebauliche Entwicklung in Bad Arolsen

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Bauplätze in Innenstadtnähe sollen demnächst auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Lahrmann entstehen.

Bad Arolsen. Investitionen in Rekordhöhe hat der Magistrat für das kommende Jahr eingeplant.

Insgesamt sollen 7,5 Millionen Euro investiert werden. Damit verbunden ist erstmals nach vielen Jahren wieder eine Nettoneuverschuldung von 1,9 Millionen Euro.

Konkret hat sich der Magistrat die Räumung des ehemaligen Lahrmann-Geländes, die Entsorgung aller Altlasten und die Planung eines komplett neuen Wohnquartiers vorgenommen.

Und wenn die Bagger schon einmal rollen, sollen sie auch das Gebäude des Jugendzentrums niederlegen, um Platz zu schaffen für einen Neubau.

Das alte Hallenbad von Bad Arolsen soll abgerissen, das Gelände im Thieletal renaturiert werden.

Ebenso ist der Abriss des Altbaus des Waldeckischen Diakonissenhauses geplant. Hier, unmittelbar im Anschluss an das Krankenhaus soll ein neues Ärztezentrum entstehen. Dieser neubau wird von privaten Investoren finanziert, aber die Stadt stellt das Grundstück in Erbbaupacht zur Verfügung. 

Auch eine Lösung für das wenig ansehnliche Areal am alten Hallenbad ist in Sicht: Die Stadt will das Grundstück kaufen, die Gebäude abreißen und das Gelände renaturieren. Dafür gibt es Zuschüsse, die die Stadt zielgerichtet einsetzen will.

Das alte Diakonissenhaus in der Helenenstraße: Der Zwischenbau am Krankenhaus soll abgerissen werden und Platz für ein neues Ärztezentrum machen.

„Und bei all diesem Baueifer sollen auch die Stadtteile nicht vergessen werden“, verspricht van der Horst und verweist auf die nötige Umplanung der gesamten überdimensionierten Verkehrsfläche zwischen der Bürgerhalle Helsen und dem städtischen Wasserwerk. Van der Horst zusammenfassend: „Man muss die Chancen nutzen wie sie sich bieten. Dieses Bauprogramm ist mit dem eines Hessentages vergleichbar.“ 

Nicht ohne eine gehörige Portion Stolz hat Bürgermeister Jürgen van der Horst am Donnerstagabend im Stadtparlament  den Haushaltsplan für das kommende Jahr vorgelegt: Wenn alles nach Plan verläuft, wird dies der sechste Haushalt in folge sein, der mit einem Überschuss abschließt.

 Eine solche Erfolgsserie war der Stadt Bad Arolsen zuletzt von 1989 bis 1994 vergönnt. Danach kamen die mageren Jahre mit immer neuen Defiziten und am Ende ein Berg von Kassenkrediten in Höhe von rund 20 Millionen Euro. 

Wie konnte die Stadt Bad Arolsen trotz leerer Kassen so viel investeiren?

Nun plant Bad Arolsen, im kommenden Jahr die letzte Million dieses „Überziehungskredites“ abzuzahlen. Keine Frage: Beim Schuldenabbau haben der Schutzschirm des Landes Hessen und die Hessenkasse kräftig mitgeholfen. Möglich wurde dieses kleine Finanzwunder aber nur, weil die von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung mitgetragene Sparpolitik des Bürgermeisters die richtige Strategie war. So endet die Phase der Konsolidierung.

 „Wir haben unsere Handlungsfähigkeit zurückgewonnen“, freute sich Bürgermeister van der Horst. Das heiße aber nicht, dass jetzt für alles und jedes Geld da sei. Es gelte vielmehr, weiterhin solide zu wirtschaften und einen jährlichen Überschuss von einer Million Euro anzustreben. Nur so könnten die vielen geplanten Investitionen sauber finanziert und abgewickelt werden.

Was schießt die Stadt jedes Jahr für die Kidnerbetreuung zu?

Erstaunlich, dass Bad Arolsen selbst in der Konsolidierungsphase so viel investieren konnte: Das Bürgerhaus wurde saniert, die Bücherei neu eingerichtet, das Strandbad am Twistesee wurde komplett neu gestaltet, die Kindergärten wurden und werden modernisiert, die Qualität der Kinderbetreuung ausgebaut, wenn auch zulasten des jährlichen Zuschussbedarfs: 2,78 Millionen Euro muss die Stadt Bad Arolsen jedes Jahr aus eigenen Mitteln für die Kinderbetreuung aufwenden. 

„Und bei all dem hat Bad Arolsen an Attraktivität gewonnen“, schwärmt van der Horst. Die Innenstadt sei belebter als in vielen vergleichbaren Städten. Die aktive Wirtschaftspolitik, etwa mit Firmenansiedlungen im Bioenergiepark habe dazu geführt, dass in den vergangenen zehn Jahren 1800 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden seien – eine Steigerung von zehn Prozent.

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