Konzept für Baumpark und Co.

Rettung der Bad Arolser Bäume verbunden mit Abschied vom englischen Rasen

Zwischen den unter Stress leidenden Bäumen ziehen sich Wege, für die der Magistrat ein Sanierungsprogramm aufgelegt hat. Das lässt sich aber erst verwirklichen, wenn der Boden gut durchfeuchtet ist.
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Zwischen den unter Stress leidenden Bäumen ziehen sich Wege, für die der Magistrat ein Sanierungsprogramm aufgelegt hat. Das lässt sich aber erst verwirklichen, wenn der Boden gut durchfeuchtet ist.

Der städtische Baumpark, die Große Allee und andere Baumbestände in Bad Arolsen erfordern ein umfangreiches und neues Pflegekonzept, bei dem sich die Bürger von englischem Rasen und laubfreien Anlagen verabschieden werden müssen. Die Erneuerung der holperigen Wege im Baumpark ist nur ein Teilbereich.

Bad Arolsen – In Anrufen und Briefen haben sich Bürger über den Zustand der nicht mit Bitumen oder Pflastersteinen befestigten Wege beschwert. Bereits im Juni hat der Magistrat einen Auftrag im Wert von 15 000 Euro sind für die Herrichtung der Wege mit wassergebundener Decke vergeben.

Die Arbeiten können aber, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst dazu gestern erklärte, immer noch nicht ausgeführt werden. Grund ist die fehlende Durchfeuchtung des Bodens.

Der Boden ist knochentrocken und hart, wie Baumfachmann Mihail Daruk im Anschluss erklärte, das hat zur Folge, dass Regenwasser eher abläuft und nicht in den Boden einsickert.

Als Biotop geschützt. gekappte Buche

Erneuert werden zunächst die Wege mit einer wassergebundenen Decke. Trampepfade sollen eingezogen werden.

Hier wird an die Spaziergänger appelliert, künftig nur die befestigten Wege zu betreten - im Interesse der Bäume auf dem verdichteten Boden. Erst später werden bituminöse Wegeflächen saniert.

Am Mittwochmorgen waren Baumpfleger und -kletterer im Einsatz, um trockene Äste herauszuschneiden. Rote Punkte markieren den Pilzbefall von geschädigten Buchen, Baumstümpfe und schüttere Baumkronen zeigen, dass der 612 Bäume umfassende Bestand im Baumpark stark gefährdet ist.

Mit Baumkletterern der Firma Dippel aus Volkmarsen werden derzeit Eichen im Baumpark gepflegt.

Dabei muss in dem bei Spaziergängern beliebten und für therapeutische Angebote der Schön Klinik genutzten Baumpark zwischen Verkehrssicherheit und Naturschutz gemacht werden: Deswegen steht noch der meterhohe Stumpf einer Buche, die als Biotop so lange wie möglich erhalten werden muss. Die Äste, die auf Passanten herunterzufallen drohten, durften entfernt werden.

Doch das Pflegeprogramm umfasst mehr als das Herausschneiden von Ästen oder das Fällen von nicht mehr standsicheren Bäumen, was allein schon ein anspruchsvolles und für die Baumkletterer riskantes Unterfangen darstellt.

Um die durch Stürme, Trockenheit, Insekten und Pilze gestressten Bäume zu erhalten, überwiegend heimische Arten, muss der Boden saniert werden, muss die intensive Rasenmahd aufgegeben werden, mit der auch oberflächennahe Wurzeln beschädigt werden.

Dadurch kann erreicht werden, dass die oberen Bodenschichten wieder eine humose Schicht bilden. Dadurch kann über die Wurzeln besser Wasser aufgenommen werden und läuft dies nicht an der Oberfläche zu den Seiten ab. Das passiert nämlich bei den starken Regenfällen auf harten Böden.

In das Netzwerk des Lebens im Park gehört die Wiese, die Insekten Lebensräume bietet, die wiederum der Vogelpopulation als Nahrung dienen. Die Stadtgärtnerei wird nun die Rasenflächen in Baumpark , Großer Allee und anderen Grünlagen nicht mehr intensiv mähen, um die Bodenqualität zu verbessern.

Über dieses Vorgehen ließ sich der Magistrat am Dienstag bei einer Besichtigung der Grünanlagen informieren. „Die Bürger müssen sich an einen anderen Anblick von Rasenflächen gewöhnen“, sagte Bürgermeister van der Horst.

So wird das Gras direkt neben Wegen etwas niedriger geschnitten, auf dem übrigen Bereich sollen die Halme länger sprießen.

Ab diesem Herbst wird auch nicht mehr alles Laub entfernt. Die bunten Blätter tragen mit zur Verbesserung des Bodens bei, wie Daruk berichtet. Einig ist er sich mit dem Stadtgärtnermeister Sascha Finis, dass auch die Begehbarkeit der Wege gesichert werden soll.

Wie Böden regeneriert werden können, das zeigt sich nach Auskunft von Daruk auf der Obstbaumwiese in der Nähe der alten Landratsvilla am Rande des Baumparks. Dort wurde mit einer extensiven Pflege der Wiese begonnen.

Dort kann besichtigt werden, wie gut der Abschied vom englischen Rasen tun kann. Bei der Arbeit der Stadtgärtnerei in Bad Arolsen geht es auch darum, die Lebensgemeinschaft von bestimmten Pilzen und Bäumen in den Grünanlagen zu stärken.

Gerade 30 Prozent der Wurzeln im Baumpark sind mit dem Mycel, dem unterirdischen Geflecht von Pilzen, verbunden. Über das Mycel werden Mineralstoffe, die für den Baum wichtig sind, aufgeschlossen, und der Baum kann dem Pilz die Kohlehydrate liefern, die dieser wegen der fehlenden Photosynthese nicht selbst bilden kann.

Die humose Schicht kann durch das „Impfen“ mit Pilzgeflecht oder sogar mit Regenwürmern verbessert werden, ähnlich wurde bei der Eiche im Strandbadsand vorgegangen, wie Baumfachmann Mihail Daruk berichtet.

So können die Bäume vitaler und widerstandskräftiger werden. Doch momentan sind die Böden knochenhart. Gibt man dem Rasen die Gelegenheit zum Wachsen oder werden Bäume möglichst erhalten, so kann die Feuchtigkeit in der oberen Schicht gehalten werden.

Pflegearbeiten im Baumpark immer häufiger erforderlich.

Momentan ist im Baumpark der Hallimasch als Pilz jedoch der „Feind“ von Bäumen, werden Wurzeln sogar zerstört. Ist der Baum erst angeschlagen, ist das Tor für Buchenborkenkäfer oder Pilze geöffnet, beginnt der Verfall des Baumes

Deutliches Zeichen für eine Erkrankung.

Letztlich führt das komplizierte Geflecht von Stressfaktoren dazu, dass oberflächlich gesund aussehende Bäume im Baumpark so geschädigt sind, dass sie Fall gefällt werden müssen.

Die Stadt ließ im Stadtgebiet 400 Nistkästen aufhängen, um die Vogelpopulation in den Bereich der Grünanlagen zu lenken und damit auch einen natürlichen Schutz von Bäumen zu bieten.

Mit mehr Meisen etwa lässt sich der Eichenprozessionsspinner eindämmen: Die von den Raupen abbrechenden , Haare mit ihren Häkchen können Allergien beim Menschen auslösen. Und die meterlangen Prozessionen der blattfressenden Raupen finden ein Ende. (Von Armin Haß)

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