Das komplette Weihnachtsoratorium im Kirchenkreis aufgeführt

Abschluss der musikalischen Reise in Mengeringhäuser Kirche 

Souverän dirigiert: Bezirkskantor Jan Knobbe bei der Aufführung der sechsten Kantate des Weihnachtsoratoriums in Mengeringhausen. Foto: Armin Hennig

Mengeringhausen. Von der geradlinigen Willinger Moderne bis unter die sanften Rundbögen der Romanik in Adorf, sechs Kirchen, die im Zeitraum von über 750 Jahren erbaut wurden, bildeten den Rahmen für die sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums.

Zum Abschluss der musikalischen Reise durch den Kirchenkreis Twiste-Eisenberg in Mengeringhausen gab es einen bezeichnenden Bruch: Während der ersten fünf Kantaten des Weihnachtsoratoriums war es draußen dunkel, die Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland an der Krippe fand dagegen bei Tageslicht statt.

Griff in die Trickkiste

  Dabei bildete die mit zarten Pinselstrichen verzierte Sankt-Georg-Kirche einen starken Kontrast zu der mit farbenprächtigen Materialien gestalteten Korbacher Nikolaikirche. Der in den letzten beiden Kantaten beschriebene Weg der Heiligen Drei Könige vom Palast des Herodes an die Krippe des Erlösers im Stall von Bethlehem wurde an der unterschiedlichen Ästhetik der beiden gotischen Gotteshäuser nachvollziehbar, auch wenn Herodes seinen letzten und harmonisch besonders bezeichnenden Auftritt in Mengeringhausen hatte.

Bei der Nachfrage des grausamen Königs nach dem als potenziellen Rivalen ausgemachten Kindleins greift der Komponist in die chromatische Trickkiste, um die Falschheit des Anliegens zu illustrieren. Alexander Reisewitz traf beim Versprechen der Anbetung sämtliche Töne der Falschheit perfekt und gab damit die ideale Vorlage für das harmonische Kontrastprogramm in der Arie „Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen“, die Daniela Weltecke mit himmlisch reinen Glockentönen von den Schlichen des Baritons absetzte.

Zuversicht im Glauben

 In vollkommener Harmonie fragen alle vier Solisten zuletzt: „Was will der Hölle Schrecken nun, was will uns Welt und Sünde tun, da wir in Jesu Händen ruhn?“

An diese Zuversicht des Glaubens knüpfte Uwe Jahnke in seiner Predigt an, die sich auch den politischen Herausforderungen und den Schrecken durch die Gewaltigen der Gegenwart stellte, dabei den Wettstreit um den größeren Atomknopf zwischen dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il und US-Präsident thematisierte.

Beginn eines besseren Lebens

Ganz im Sinne Bachs und der Botschaft des Oratoriums, das die Begegnung mit dem Heiland an den Beginn eines neuen, besseren Lebens stellt, zog der Geistliche den Schluss: „Weihnachten dauert ein Leben lang“.

Musikalisch schloss sich bei „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ in mehr als einer Hinsicht der Kreis. Denn wie in der ersten Kantate eröffnete das Orchester mit Pauken und Trompeten den Eingangschor, der zum Abschluss noch einmal erklang und dabei den Gehalt der Predigt unterstrich. (ahi)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare