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Äthiopische Apothekerin erzählt Kindern gerne Geschichten voller Fantasie

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Von: Elmar Schulten

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Ein Mann und eine Frau präsentieren ein von ihnen verfasstes Kinderbuch mit dem Titel „die afrikanische Meerjungfrau“.
Die Apothekerin Mena Wubet Tefera denkt sich für ihre Kinder Gute-Nacht-Geschichten aus, von denen sie nun die erste als Kinderbuch veröffentlicht hat. Titel: „Die afrikanische Meerjungfrau“. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Daniel. © Elmar Schulten

Gute-Nacht-Geschichten gibt es wohl in jedem Kulturkreis. Aber nur die wenigsten Eltern sind so kreativ, dass sie sich selber Geschichten für ihre Kinder ausdenken können.

Bad Arolsen - Die 35-jährige Mena Wubet Tefera hat diese Gabe. Die Apothekerin stammt aus Äthiopien, wo die Mütter ihren Kindern vor dem Schlafengehen ganz andere Geschichten erzählen als sie in Grimms Märchenbüchern zu finden sind.

Vor drei Jahren, als ihre heute sechsjährige Tochter ganz vernarrt in Meerjungfrau-Geschichten war, aber traurig erkennen musste, dass die Meerjungfrauen in den Bilderbüchern ganz anders aussahen als sie, kam Mena Tefera auf die Idee, sich die Geschichte der „afrikanischen Meerjungfrau Enkenyelesh“ auszudenken und jeden Tag ein Stückchen mehr auszuschmücken.

Verkaufserlös für bedürftige Kinder in Äthiopien

Es dauerte nicht lange, bis sie ihre Geschichte aufschrieb und mithilfe der Illustratorin Alina Kareva als Buch veröffentlichte. Das Buch erschien zuerst in ihrer Muttersprache Amahrisch. Dann drängte sie ihr Mann Daniel, die Geschichte der afrikanischen Meerjungfrau auch in einer deutschen Version auf den Markt zu bringen.

Daniel Schmitz stammt selber aus Äthiopien, wurde in Deutschland adoptiert und beherrscht deshalb beide Sprachen so gut, dass er die Übersetzung des Buches übernahm. Das Korrekturlesen übernahmen Monika Volkmann, Ulrike Keding und Heide Hebner. So liegen nun die ersten Exemplare des fantasievoll gestalteten Kinderbuches im Hochglanzdruck vor. Einen guten Teil des Verkaufserlöses spendet die Autorin an eine Hilfsorganisation, die sich um bedürftige Kinder in Äthiopien kümmert.

Approbation in Deutschland wiederholt

Mena Wubet Tefera ist in Äthiopien aufgewachsen und hat dort Pharmazie studiert. Dreieinhalb Jahre arbeitete sie an der Uniklinik in Addis Abbeba, bis sie der Liebe wegen ihrem Mann nach Deutschland folgte. Hier lernte sie deutsch, und bereitete sich auf die Wiederholung ihrer Approbationsprüfungen vor.

Nun ist sie auch mit deutschem „Brief und Siegel“ Apothekerin und arbeitet seit drei Jahren in der Arolser Bahnhofsapotheke. Ihr Mann ist als Diplompädagoge und beim Korbacher Verein „Kompass“ beschäftigt.

Enkenyelesh heißt „makellos“

Ihr Kinderbuch hat durchaus pädagogischen Anspruch. Es geht darum, dass man Probleme nur lösen kann, wenn man zusammenarbeitet, dass man sich gegen Mobbing wehren kann, und dass man zwei Welten lieben kann, die der Fische und die der Menschen.

Der Name der Heldin, Enkenyelesh, ist der Name von Mena Wubets Großmutter. Das Wort bedeutet zugleich „makellos“. Enkenyelesh, das Mädchen, das von Fischen gerettet und groß gezogen wird, trägt ein Muttermal in Herzform auf der Wange, ganz ähnlich wie Mena Wubets Ehemann Daniel.

Erinnerungen an äthiopische Landschaften

Die handelnden Personen in dem Kinderbuch tragen traditionelle äthiopische Kleidung mit traditionellen Mustern. In Dörfer stehen Hütten in traditioneller Bauweise und bei der großen Flut, die Anlass für die Geschichte um die Meerjungsfrau ist, schwimmen Alltagsgegenstände wie die typischen äthiopischen Mokkatassen. Auch die Landschaften, die Alina Kareva zeichnete, entstanden nach Mena Wubet Teferas Erinnerung an ihre Jugend.

„Die afrikanische Meerjungfrau“ ist im BoD-Verlag zum Preis von 19,99 Euro in Buchhandlungen unter der ISBN 9783 75436 2228 sowie online erhältlich. (Elmar Schulten)

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