Stadtparlament macht Weg frei für Beginn des Planverfahrens

Bad Arolser Magistrat will Aldi-Markt Chance zur Weiterentwicklung geben

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Der Aldi-Markt in der Bahnhofstraße von Bad Arolsen soll nach dem Willen der Betreiber durch einen größeren Neubau an der Korbacher Straße ersetzt werden.  

Bad Arolsen.  Unerwartete Wendung in der Diskussion um den Aldi-Umzug: Die SPD-Fraktion hat ihren harten Widerstand gegen Änderung von Flächennutzungsplan und Bebauungsplan aufgegeben und zusammen mit allen anderen Fraktionen einstimmig für die formellen Aufstellungsbeschlüsse gestimmt.

Damit ist zwar der Weg frei für den Beginn der Planungen. Der entscheidende Satzungsbeschluss steht aber erst am Ende des jetzt angeschobenen Verfahrens mit vielen Gutachten über die Einzelhandelsentwicklung, die Verkehrssituation und über den Bodenzustand an der jetzigen Tankstelle. Die Kisten für sämtliche Gutachten trägt jedenfalls der Investor und damit die Firma Aldi.

Auch sonst gibt es noch viele offene Fragen. Bürgermeister Jürgen van der Horst beeilte sich, vor Beginn der Diskussion festzustellen, dass die Verfügbarkeit des Tankstellengrundstücks an der Korbacher Straße noch offen und nicht abschließend geklärt sei. 

Wie soll es nun mit der Stadtentwicklung in Bad Arolsen weitergehen?

Die Verhandlungen zwischen Aldi und der Tankstellen-Eigentümerin seien noch zu keinem Ergebnis gekommen. Die Verhandlungspartner stimmen aber einer Fortsetzung des Verfahrens zu, da die planungsrechtliche Bewertung des Grundstückes von grundsätzlicher Bedeutung für die weiteren Verhandlungen sei.

Van der Horst weiter: „Wir wollen weiterhin auf eine stabile Innenstadtentwicklung setzen, Wir wollen nicht, dass Supermärkte in der Peripherie entstehen.“

Schließlich betonte der Rathauschef: „Wir brauchen keine neuen Märkte in der Stadt, wollen aber den vorhandenen Marktanbietern die Möglichkeit zu Weiterentwicklung geben.“

Wie erklärt die SPD ihren Sinneswandel?

Den grundsätzlichen Wandel in der Sichtweise seiner Fraktion erklärte der SPD-Stadtverordnete Eberhard Eckhardt mit einem Blick auf andere Kleinstädte: Die hätten zwar oft schicke, moderne Einkaufszentren in der Peripherie, dafür aber viel Leerstand in der Innenstadt. Genau das dürfe in Arolsen nicht passieren. 

Deshalb sei es richtig gewesen, dass der Magistrat eine Absage für das Mengeringhäuser Feld gegeben habe. Die Innenstadt müsse attraktiv bleiben. Und dazu gehöre auch das Vorhandensein eines modernen Aldi-Marktes. 

Nach der Berichterstattung über die kritischen Stimmen der SPD-Stadtverordneten Ludger Brinkmann und Reiner Freudenstein in den städtischen Ausschüssen hätten die Bürger den Eindruck gehabt, die SPD wolle ihnen den Aldi wegnahmen. Dabei kaufe er selber auch gerne dort ein, so Eckhardt: „Unsere Sorge war, dass sich in den Innenstadt einiges verschieben könnte, dass es zu einem Monopol einer Tankstelle kommen könnte. Dabei wissen wir jetzt, dass der Unterschied zwischen Supermarkt und Discounter immer mehr verschwindet.“ Wenn man neue Argumente habe, dann müsse man auch bereit sein, seine Meinung zu ändern, so Eckhardt.

Wie stehen die Grünen zu Aldi?

 „Wir sehen uns in der Zielstellung mit der SPD sehr einig“, so Grünen-Sprecher Dr. Ulrich von Nathusius. Die Grünen hätten dem Discounter Aldi lange Zeit kritisch gegenüber gestanden. Inzwischen aber seien die Arbeitsbedingungen verbessert und das Sortiment um Bio-Lebensmittel erweitert worden.

 Die Grünen wünschten sich, dass der zu erwartende Leerstand des jetzigen Aldi-Gebäudes möglichst kurz andauere und dass eine Lösung für die Verkehrsprobleme in der Korbacher Straße zwischen Bahnhof und den beiden Tankstellen gelöst würden. Um die Planung in Gang zu bringen, würden die Grünen nun dem Vorhaben zustimmen. 

Was soll bei der Aldi-Planung berücksichtigt werden?

Der SPD-Stadtverordnete Reiner Freudenstein regte an, im künftigen Bebauungsplan die städtebauliche Aufwertung des jetzigen Tankstellengeländes vorzuschreiben. Aldi-Parkplätze seien regelmäßig viel zu überdimensioniert. Da sei doch viel Platz für Bäume und Blühstreifen. Elmar Kottenstede von der offenen Liste/FWG wiederholte seinen Vorschlag, das Dach der künftigen Aldi-Halle mit einer Photovoltaikanlage zu versehen.

Und Stefan Massenkeil (CDU) regte an, den künftigen Parkplatz mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge zu auszustatten. Im übrigen sei es schön zu sehen, dass die SPD nun die Kurve gekriegt habe und mit der CDU für den Aufstellungsbeschluss stimmen wolle.

Was sagt der Bürgermeister zu den Anregungen?

Den meisten dieser gut gemeinten Vorschläge musste Bürgermeister van der Horst eine Absage erteilen. Planungsrechtlich seien der Stadt Grenzen gesetzt. Man könne nicht unbegrenzt in die unternehmerische Freiheit eingreifen. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten wolle er Magistrat aber gerne die Vorschläge berücksichtigen.

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