Als Waldecker ein echter Europäer

Der aus Bad Arolsen stammende Michael Hoppe ist in Brüssel bestens vernetzt

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In Brüssel bestens vernetzt: Michael Hoppe aus Bad Arolsen ist seit 29 Jahren als Mitarbeiter der sozialdemokratischen Fraktion im europäischen Union beschäftigt. Er war enger Mitarbeiter des damaligen Parlamentspräsidenten Martin Schulz. Nun soll Hoppe zum Generalsekretär der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten berufen werden.  

Bad Arolsen.  Eine Topposition im Europäischen Parlament ist am heutigen Montag  voraussichtlich mit einem ehemaligen Schüler der Christian-Rauch-Schule besetzt worden.

Michael Hoppe, Jahrgang 1963, der schon Büroleiter des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten und Fraktionsvorsitzenden Enrique Baron Crespo war (1999 bis 2004) und sehr eng mit Martin Schulz Fraktionsvorsitzender 2004-2012, Parlamentspräsident 2012-2017) zusammen gearbeitet hat, übernimmt nun das Amt des Generalsekretärs der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten, nachdem er in den vergangenen Jahren schon als einer von fünf Stellvertretern des Generalsekretärs fungierte.

Hoppe war Klassenkamerad der hessischen Digitalministerin Kristina Sinemus und stellt zurückblickend auf seine Schulzeit fest: „Damals hat ein sehr gutes Klima an der Schule geherrscht. Wir haben von unseren Lehrern, wie beispielsweise von Gerd Zimmermann, ein Gefühl für Sozialkompetenz auf den Weg bekommen. Wir waren als Schülersprecher und im Kreisschülerrat unterwegs. Schulnoten waren uns damals nicht so wichtig. Wir haben uns unter anderem stetig für ein Jugendzentrum eingesetzt.“

Ehefrau ist Spanierin und ebenfalls EU-Beamtin

Und aus allen „ist irgendwie ‘was geworden“. „Unabhängig, was aus uns geworden ist, die Freundschaften sind erhalten geblieben und unsere Liebe zu unserer Heimat. Arolsen und Waldeck haben uns viel gegeben.“

Hoppe hat zunächst Betriebswirtschaft studiert und dabei einen Ausflug in die Soziologie unternommen, weil ihm die reine kapitalistische Lehre dann doch als zu hart erschien. „Ich war immer ein Schmidt-Mann“, verrät er: „Auch deshalb, weil ich als Schüler keinen anderen Bundeskanzler kannte als Helmut Schmidt.“

In die SPD eingetreten ist Hoppe aber erst einige Jahre später. Seine Frau hat er in Spanien kennengelernt. Sie war Mitarbeiterin im Europäischen Parlament und hat Michael Hoppe im Juli 1990 mit nach Straßburg genommen.

Michael Hoppe aus Bad Arolsen (Jahrgang 1963) ist seit 29 Jahren als Mitarbeiter der sozialdemokratischen Fraktion im europäischen Union beschäftigt. 

Dort lernte er den Abgeordneten Günter Topmann kennen, jahrelanger Bürgermeister von Altena. Topmann lud Hoppe ein, gleich nach seinem Studium sein parlamentarischer Assistent zu werden und ihn bei seiner Arbeit im Verkehrsausschuss zu unterstützen. Es folgte 1994-1996 eine Assistenzstelle bei dem SPD Gruppenvorsitzenden Willi Görlach, dem früheren hessischen Landwirtschaftsminister.

1994 kam Martin Schulz nach Brüssel, wurde 2004 Fraktionsvorsitzender. Michael Hoppe wurde einer seiner engsten Mitarbeiter und 2007 stellvertretender Generalsekretär der sozialdemokratischen Fraktion, zuständig für Außenbeziehung zu Partnerländern und Regionen wie China, Russland , Türkei, den Mittelmeeranrainerstaaten und Lateinamerika.

Von 2014 bis 2019 war Hoppe Erster stellvertretender Generalsekretär der Fraktion, ab heute - voraussichtlich - Generalsekretär. „Ich bin in der Fraktion großgeworden“, fasst Hoppe seine politische Karriere zusammen. Er war Personalchef, Leiter des Büros der Fraktionsvorsitzenden. Er kennt alle wichtigen Entscheidungsträger in Brüssel, ist bestens vernetzt.

Was macht das Generalsekretariat der Fraktion im EU-Parlament?

Das von Hoppe geleitete Generalsekretariat, das den 153 Abgeordneten aus 28 Ländern zuarbeitet, besteht aus über 200 Mitarbeitern und Praktikanten. Nach dem die Sozialisten europaweit nicht an das Ergebnis von 2014 heranreichen konnten, muss auch das Generalsekretariat  abbauen. Aber es bleibt bei vier bis fünf Stellvertretern des Generalsekretär, 20 Managern und 21 Sprachen, in denen Informationen gesammelt, Reden vorbereitet, Positionspapiere ausgearbeitet und Beschlussanträge formuliert werden. 

Hoppe: „Unsere Aufgabe ist es, maximale Unterstützung für die Abgeordneten zu organisieren. Dazu gehört auch die Organisation von vielen hundert  Saalreservierungen pro Jahr inklusive Dolmetschern, Konferenzen in Brüssel und Straßburg aber insbesondere auch Bürgerdialoge auf der lokalen Ebene. All das ist nötig, um demokratische Mehrheiten länderübergreifend zu organisieren. 

Michael Hoppe ist überzeugter Europäer. Sein Credo lautet: „Demokratie ist wie eine Freundschaft: Wenn man die nicht pflegt, läuft man Gefahr, alles zu verlieren.“ Bei den Gründervätern Europas sei noch die Erinnerung an die Schrecken der beiden Weltkriege präsent gewesen. Heute werde vieles als selbstverständlich aufgefasst. Deshalb müsste nach Meinung Hoppes eigentlich ein verpflichtendes Schulfach Europa in allen Ländern der Europäischen Union eingeführt werden. 

Wie geht es mit Europa weiter?

Außerdem wünscht sich Hoppe eine weiteres, engeres Zusammenwachsen der europäischen Staaten. Gleichzeitig müssten die europäischen Institutionen, vor allem das Parlament weiter gestärkt werden. Es könne nicht so bleiben, dass der Ministerrat, der in seinen Heimatländern die Exekutive vertrete, in Brüssel die Jacke wechsele und plötzlich Funktionen der Legislative übernehme. 

Das sei alleine Sache des Parlamentes. Als große Gefahr für das Zusammenleben in Europa empfindet Hoppe die zunehmende Armut in vielen Ländern, auch in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer mehr auseinander. Dabei könnten viele finanziellen Wünsche erfüllt werden, wenn die Steueroasen in Europa trockengelegt und die vielen Schlupflöcher gestopft würden. Hoppe: „Wir reden von einer Trillion nicht gezahlten Steuern.“ 

Wie geht’s nun weiter mit Europa? Insgesamt blickt Hoppe positiv in die europäische Zukunft: „Viele sind jetzt wach geworden und haben verstanden, dass es sich lohnt, für Europa einzutreten. Das Interesse ist gewachsen. Das lässt hoffen.“

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