Zu viel Wind stört nur

Am Waldrand von Helsen wachsen zwei Windkraftanlagen in den Himmel

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Sie erinnern an blutige Messer, und sollen doch nur die Luft zerschneiden: Die drei knapp 60 Meter langen Rotorblätter liegen noch am Boden und warten darauf, in den kommenden Tagen in 120 Metern Höhe montiert zu werden.

Bad Arolsen-Helsen. Eigentlich hätte das Maschinenhaus schon am Montag auf dem 120 Meter hohen Stahlturm am Waldrand von Helsen montiert werden sollen.

Aber dann war es doch zu windig, um das Werk zu beginnen: Bei mehr als zwölf Knoten schwanken die Bauteile am riesigen Kranarm so sehr, dass kein sicheres Arbeit möglich ist: Seltsam, dass aus gerechnet eine Windkraftanlage so windempfindlich ist.

Doch dann änderten sich die Prognosen: In der Nacht zu Donnerstag sollte der Wind abflauen, hieß es auf der Homepage von „windfinder.de“. Deshalb setzte Bauleiter Andy Riemer Donnerstagmorgen, vier Uhr als Arbeitsbeginn an.

Mächtige Lichtgiraffen leuchten den Bauplatz am Waldrand von Helsen aus. Das Licht reicht bis an die Turmspitze und ist auch in der Kernstadt von Arolsen zu sehen. Der weiße Mast wirkt wie ein Kerze in dunkler Nacht.

90 Schrauben am Turmkranz

Die Aufbaumannschaft ist ein eingespieltes Team, weiß genau, was zu tun ist, um das Maschinenhaus von der Größe eines Linienbusses punktgenau auf die Turmspitze zu setzen,

Zwei Lenkseile sind bis zum Waldrand gespannt, wo zwei Fahrzeuge mit Umlenkrollen postiert sind.

Das vier Meter hohe und elf Meter lange Maschinenhaus wird für die Montage vorbereitet. Das Dachpaneel wird abgenommen und kommt erst ganz zum Schluss wieder obendrauf.

Dann macht sich das 51 Tonnen schwere Bauteil am Haken hängend auf den Weg nach oben. Mit den seitlichen Zugseilen lassen sich Schwankungen ausgleichen und die Postition bestimmen.

Auf den letzten Metern übernehmen die drei Männer in der Spitze des Turm per Funk das Kommando.

Die Montagelöcher am Kranz des Maschinenhauses müssen millimetergenau auf den Schraubenkranz am Turm passen. Dann werden nacheinender die 90 Schrauben eingesteckt und die Muttern mit Maschinenhilfe verschraubt.

Blinkzeichen als Warnung

Gegen 6 Uhr sitzt das Maschinenhaus und blinkt erstmals munter als Warnung für alle Flugzeuge in der Umgebung. Als nächstes wird der 48 Tonnen schwere Triebstrang eingepasst, das Getriebe, das den Rotor mit dem Generator verbindet.

Schließlich macht sich der Kran an die letzte große Aufgabe dieses Morgens: Die 30 Tonnen schwere Rotornabe muss auf Position gebracht und verschraubt werden. Alles Handarbeit für die Männer in der Turmspitze. Kein Job für Leute mit Höhenangst.

Bleiben noch die drei Rotorblätter am Boden: Auch die müssen in den nächsten Tagen noch passgenau verschraubt werden. Und wieder geht der Blick auf den Windmesser an der Kranspitze und auf die Windprognose im Internet.

8,5 Millionen Euro Investitionssumme

Und jeden Tag gilt es, Termine einzuhalten, denn bei der Höhe der Einspeisevergütung kommt es auf den Monat der Inbetriebnahme an.

In Helsen bewegt sich alles im Bauzeitenplan. In der ersten Novemberwoche steht die Montage der zweiten großen Anlage am Waldrand an. Eine Nordex 131 mit noch größeren Ausmaßen und noch höherer Energieausbeute.

Insgesamt investiert werden für beide Anlagen 8,5 Millionen Euro investiert. 50 Prozent der Betreiber-GmbH hält die Verbands-Energie-Werk GmbH (VEW). Außerdem ist der Helser Landwirt beteiligt, dem eines der Baugrundstücke gehört. Daneben gibt es weitere Investoren.

Hier finden Sie eine Bildergalerie vom Aufbau der Windkraftanlage:

Windkraftanlage in Helsen wird unter Flutlicht montiert

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