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Amtstierärztin hat entschieden: Papagei Henry darf bleiben

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Von: Elmar Schulten

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Sie sind gemeinsam alt geworden und immer noch glücklich: Der 80-jährige Herbert Wittmer und sein beinah gleichaltriger Papagei Henry im neuen Käfig.
Sie sind gemeinsam alt geworden und immer noch glücklich: Der 80-jährige Herbert Wittmer und sein beinah gleichaltriger Papagei Henry im neuen Käfig. © Elmar Schulten

Die ungewöhnliche Geschichte vom Papagei Henry und seinem Herrchen Herbert Wittmer hat jetzt doch noch eine versöhnliche Wendung genommen. Henry hat einen größeren Käfig und darf bleiben.

Bad Arolsen – Fast drei Monate lang musste sich der 80-jährige Herbert Wittmer sorgen, dass ihm sein beinah gleichaltriger Blaustirnamazonen-Papagei weggenommen werden könnte. Den Trennungsschmerz hätten beide wahrscheinlich nicht überlebt.

Nach einem anonymen Hinweis hatte Wittmer im Juli Besuch der Amtstierärztin bekommen, die sich ein Bild von der Unterbringung und Haltung des Vogels machte.

Mit Single-Dasein abgefunden

Sie beanstandete, dass Henry allein lebt. Artgerechte Haltung laut Tierschutzgesetz bedeute bei Papageien, dass die geselligen Vögel mindestens mit einem weiteren Artgenossen in einem ausreichend großen Käfig mit Möglichkeit zum Fliegen leben.

Diese Regelung mag ihre Berechtigung haben. Im Falle von Henry kommen die gut gemeinten Vorschläge der Tierschützer aber einige Jahrzehnte zu spät. Wittmer hatte das Tier nämlich vor 30 Jahren nach dem Tod seiner Schwiegermutter aus Mitleid in seinen Haushalt übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Henry schon über 40 Jahre allein in einem Käfig gelebt. Und er schien sich mit seinem Single-Dasein abgefunden zu haben.

Schmerzhafte Trennung stand im Raum

Umso mehr genießt er bis heute die Anwesenheit seines Lieblingsmenschen, Herbert Wittmer. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit: Der Papagei bekommt nicht nur Körnerfutter, sondern auch frisches Obst und regelmäßige Ansprache. Henry revanchiert sich mit ein paar freundlichen Worten für seinen Ernährer: „Guten Tag! - Hallo! - Komm, hast du lecker?“ gehören zum Repertoire des exotischen, bunten Vogels.

Papageien seiner Art können über 100 Jahre alt werden. Und Henry macht den Anschein, als habe er dieses Ziel angepeilt. Umso größer war die Sorge, als das Kreisveterinäramt vor ein paar Monaten artgerechte Tierhaltung forderte und im Fall der Zuwiderhandlung mit dem Auszug von Henry drohte.

Partner tut eingefleischten Singles nicht immer gut

Der WLZ-Bericht über Herbert Wittmer und seinen Papagei ging bundesweit durch die Medien. Das Hessenfernsehen rückte an und berichtete ebenfalls. In der Folge bekam Wittmer Dutzende Anrufe von Tierfreunden aus dem ganzen Land.

Ein Tierarzt aus Kassel berichtete von einem ähnlichen Fall, in dem ein an das Singleleben gewöhnter Papagei nach Einzug einer Partnerin in seinen Käfig in Folge der ständigen Streitigkeiten sehr schnell verstorben sei. - Viele Anrufer boten Wittmer größere Käfige an. So griff er schließlich bei einem Angebot aus Ungedanken bei Fritzlar zu: Ein früherer Papageien-Halter gab seinen großen Käfig zu einem guten Preis ab. Damit bewahrte er den Rentner und seinen Henry vor der schmerzhaften Trennung.

Endlich wieder unbeschwert schlafen

Inzwischen war auch die Amtstierärztin zu einem zweiten, unangemeldeten Hausbesuch bei den beiden. Der Käfig wurde ausgemessen und für ausreichend befunden. Der zweite Papagei wird nicht mehr zwingend gefordert. Wittmer: „Gut, dass das gelöst ist. Jetzt sind wieder alle glücklich und ich kann wieder ruhig schlafen.“ (Elmar Schulten)

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