Bahnhof in Helsen vor 120 Jahren in Betrieb genommen

Anschluss an die weite Welt

Bad Arolsen-Helsen - Seit 120 Jahren besteht der Bahnhof (Bad) Arolsen, der eigentlich auf Helser Gemarkung 
errichtet wurde.

Bad Arolsen-Helsen. Einsam auf der sprichwörtlichen weiten Flur der Helser Gemarkung stand der Bahnhof damals noch, als dort am 1. Mai 1890 der erste Zug auf der von Warburg über Volkmarsen kommenden Strecke einlief. Fahrgäste, die größeres Gepäck mit sich führten, waren daher auf Pferdedroschken oder Handwagen angewiesen. Gut zu sehen ist die Art der Gepäck- und Personenbeförderung zur Jahrhundertwende auf einer historischen Aufnahme, die die einst mit Schindeln verkleidete Front des Bahnhofsgebäudes zeigt. Wo damals die Kutschen einrollten, sind heute Pkw-Stellplätze und eine Haltestelle für Busse eingerichtet. Die Fürstenzimmer Über die Einrichtung eines Bahnhofs bei Arolsen durfte 
sich auch Fürst Georg Victor freuen. Bisher hatten Mitglieder des Fürstenhauses bis nach Warburg, später zum Wrexer Bahnhof reisen müssen, um 
Anschluss an die weite Welt zu bekommen. Über schlechtes Wetter mussten sich die fürstlichen Reisegäste hier wie dort keine Sorgen machen, stand ihnen doch ein eigener Warteraum zur Verfügung. Der Kastenwagen auf der alten Aufnahme steht vor dem Eingang zum „Fürstenzimmer“, das durch einen Vorraum betreten wurde. Neben dem Fürstenzimmer lag der Warteraum für Reisende der ersten und zweiten Klasse. Weniger gut betuchte Passagiere warteten in einem Raum der dritten und vierten Klasse auf die Ankunft der dampfenden Lokomotive. In den 
folgenden Jahren wurde die „Waldecker“ Bahnstrecke weitergebaut, die 1893 Korbach und weitere sieben Jahre später Frankenberg erreichte. In den folgenden Jahrzehnten wurde eine Verladerampe für Fahrzeuge der Bundeswehrgarnison in Mengeringhausen gebaut. Lok- und Güterschuppen entstanden. Von Arolsen aus konnten Passagiere einst über Korbach nach Bad Wildungen, Frankenberg und Brilon-Wald in Richtung Ruhrgebiet fahren. Auch Warburg konnte bis zur Einstellung des Betriebs in den 70er Jahren via Schiene erreicht werden. Über die Bahnstrecken nach Westfalen und zwischen Korbach und Edertal wurden mittlerweile gut angenommene Radwege gebaut. Mit der Wiedereröffnung der Bahnstrecke Korbach – Volkmarsen 1998 erfuhr auch der Bahnhof Arolsen eine Renaissance. Rechtzeitig zum Hessentag 2003 wurde der Bahnhof von einem heimischen Unternehmer mithilfe von öffentlichen Fördermitteln zu einem Verkehrsknotenpunkt für Bahn, Bus und Privat-Pkw mit einem Auskunftbereich und Raum für wartende Fahrgäste umgestaltet. Das baufällige Fahrtdienstleiterhaus muste abgebrochen werden, auch sonst ver-schwand eine Reihe von mehr oder weniger baufälligen Gebäuden und Anlagen. Den 
Status als Begegnungsbahnhof wird Arolsen demnächst verlieren, denn in der Feldgemarkung zwischen Wetterburg und Külte wird ein neues Begegnungsgleis gebaut, damit die Züge künftig noch schneller nach Kassel oder Korbach fahren können. Auch die Verbindung zwischen Korbach und Franken-
berg soll reaktiviert werden.Damit wären auch Marburg und das Rhein-Main-Gebiet wieder per Bahn ab Arolsen zu erreichen. So wäre dann wieder eine ähnliche Verbindung geschaffen, wie sie die Erbauer der Bahnstrecke Warburg – 
Sarnau im vorvorigen Jahr-
 hundert realisierten. (sim/ah)

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