Bad Arolsen: 2500 Gäste in Diskothek · Schlägereien in Weihnachtsnacht

Ansturm aufs „Sunset

Bad Arolsen - „Es war schon ein Erfolg“, sagte der neue Diemelstädter Betreiber des „Sunset No. 1“: An Heiligabend verzeichnete er 2500 Menschen, die sich dort amüsieren, tanzen oder einen trinken wollten. Aber auch die Fäuste flogen.

Wenn der Chor der Englein in Kirchen und weihnachtlich dekorierten Stuben verklungen ist, geht in der ehemaligen Residenzstadt schon seit einigen Jahren die Party erst richtig los. Auch im „Sunset“ wurde stets bis in den Weihnachtsmorgen gefeiert. So war es auch an Heiligabend, als die Disko ein halbes Jahr nach der Schließung testweise für vorerst zwei, drei Abende geöffnet wurde.

Schlägereien

Doch amüsant fanden die Fete nicht alle Besucher, und auch der junge Diemelstädter bedauert Fälle von Körperverletzung, Mängel beim Sicherheitsdienst und fehlendes Personal. Unter dem Strich sei die Fete aber trotz der unerwartet hohen Besucherzahlen und einiger Schlägereien nicht nur finanziell, sondern auch als Amüsement für junge Leute erfolgreich gewesen.

„Ich war hier Stammgast“, sagt der Diemelstädter Diskotheken-Betreiber. So viel wie in der Nacht zum ersten Weihnachtstag sei im „Sunset“ noch nicht los gewesen. Das fanden auch Besucher der Facebook-Seite, die ihre Art der Nachlese betrieben. Verärgerung über mangelnde Organisation und gewalttätige Besucher, die den Zutritt zur Disko bekommen hatten, hielten sich die Waage mit verständnisvollen Kommentaren, deren Verfasser selbst überrascht von dem großen Andrang waren und zum Neustart im „Sunset“ das Beste wünschten.Die Diskothek mit Bistro ist für 1300 Gäste zugelassen. Das Servicepersonal war jedoch mit der großen Menge an Menschen überfordert, zudem gingen die Gläser aus. Da kam schon Unmut bei Besuchern auf. Von den 22 Mitarbeitern mussten zwei vorzeitig das Lokal verlassen: Besucher hatten die Beschäftigten attackiert, sodass die Thekenmitarbeiter ins Krankenhaus mussten. Einmal sei der Rettungswagen angerückt, weil eine junge Besucherin ziemlich böse angegriffen worden sei. „Das hat mich sehr getroffen, wie ein Stein“, sagt der Diemelstädter.

Verbesserungen

Zwar habe der Sicherheitsdienst die Lage im Griff gehabt und es sei nicht zu einer Eskalation von Gewalt gekommen. Doch er sei mit fünf Mitarbeitern eines Dienstleisters aus dem Raum Hallenberg nicht so zufrieden gewesen.

„Es darf nicht sein, dass Freunde oder eigene Landsleute bevorzugt eingelassen werden“, sagt der neue Betreiber des „Sunset“. Doch wollte der Diemelstädter durch einige organisatorische Änderungen am Abend des ersten Weihnachtstages die Arbeit der privaten Ordnungshüter auch etwas vereinfachen. So wurden bei der zweiten Weihnachtsparty Sperrgitter vor dem Eingang aufgestellt, so dass die Besucher nur in Zweierreihen, aber dafür geordnet hineingelassen werden konnten.

Pulks mit 100 zum Teil nölenden Individuen sind weder besonders werbewirksam noch wirklich unter Kontrolle zu halten, wenn erst der Stunk losgeht. Bekannte Stänkerer, stark angetrunkene oder aggressive Besucher sollten möglichst nicht eingelassen werden. Auch sollen demnächst Sicherheitskräfte auf dem Parkplatz patrouillieren, um das berüchtigte „Vorglühen“ von Besuchern einzuschränken und Sachbeschädigungen vor allem an Pkw zu verhindern

Mehr Personal

Für Silvester will der Diemelstädter das Sicherheitspersonal auf das Doppelte aufstocken. Danach soll erst einmal für ein bis eineinhalb Monate Ruhe sein. „Wenn es nicht zu Ausschreitungen kommen sollte, mache ich weiter und das Sunset wird noch etwas schicker gemacht und im Februar wieder eröffnet“, verrät er.

Das Interieur gefällt dem Disko-Betreiber. Doch möchte er einige Umbaumaßnahmen vornehmen und einen eleganten VIP-Bereich mit Tischreservierungen und einem eigenen Service einrichten. Auch denkt er darüber nach, den Emporenbereich über dem Bistro für spezielle Tanzpartys herzurichten, in dem immerhin bis zu 120 Gäste „abhotten“ können und auf einer kleinen Bühne ein DJ mit seiner Anlage oder eine Band Platz finden. Das Geld dafür habe er bereits mit dem ersten Eröffnungsabend verdient.

Drastische Erhöhung

Der angekündigten drastischen Gema-Gebührenerhöhung sieht er zunächst gelassen entgegen: Zum einen habe die Gema für 2013 ein Moratorium angekündigt. Zum anderen könnte der Gema-Kostenanteil einkalkuliert werden. Waren es bisher 10- bis 12 000 Euro im Jahr im Sunset, so wären es bei den neuen Sätzen, die sich an den Eintrittsgeldern orientieren sollen, etwa 35 000 Euro.

Allerdings sind nach erheblichen Protesten von Gastronomen- und Diskothekenbetreiberverbänden neue Verhandlungen zwischen beiden Seiten geplant.

Von Armin Haß

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