Erste Schätzungen liegen bei 13 Millionen Euro

Arolsen Archives: Neubau später und teurer

Ein Neubau soll ergänzend zu dem aus den 50-er Jahren stammenden Hauptgebäude der Arolsen Archives an der Jahnstraße erroichtet werden. Die Planungen verzögerten sich. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen – Der Neubau eines Gebäudes für die Arolsen Archives wird sich weiter verzögern. Zudem wird ein deutlich höherer Kostenrahmen erwartet, von ursprünglich 5,5 auf 13 Millionen Euro dürfte sich dieser wegen gestiegener Anforderungen an das Platzangebot ausweiten.

Die Stadt Bad Arolsen hat dafür inzwischen die Bereitstellung von einer zusätzlichen Fläche von 600 Quadratmetern zugesagt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, erklärte dazu Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Bedarf politisch anerkannt

Von politischer Seite sei der Mehrbedarf anerkannt worden, teilte der stellvertretende Direktor der Arolsen Archives, Steffen Baumheier, auf Nachfrage der WLZ mit.

Seit über einem halben Jahrzehnt steht die Erweiterung des in den 50-er Jahren errichteten Gebäudes des damaligen Internationalen Suchdienstes (heute: Arolsen Archives) auf dem Programm, um die Millionen von Dokumenten über Schicksale von Opfern des NS-Regimes besser aufbewahren sowie Räumlichkeiten für Ausstellungen, Forschung und Bildung anbieten zu können. Zwischenzeitlich wurden die weitgehend digitalisierten Originaldokumente zum Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen aus den bisherigen Gebäuden ausgelagert.

Zu niedrig kalkuliert

Noch zu Suchdienst-Zeiten wurde zur Berechnung des Raumbedarfes das Volumen des Dokumentenbestandes erfasst, wie Projektleiter Kai Schluckebier berichtete. Dabei sei die Verwahrung in Kisten zugrunde gelegt worden und eine Summe von 22 000 laufenden Metern ermittelt worden. Unter der Regie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) ist der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) mit der Ermittlung den gesamten Berechnungen für ein Neubaukonzept beauftragt worden.

Laut Schluckebier war 2016 der Umfang der Dokumente angezweifelt und auf 19 468 laufende Meter heruntergerechnet worden. Dagegen sei der institutionelle Partner der Archives, das Bundesarchiv, ebenfalls noch von der höheren Zahl ausgegangen. 

Geänderte Norm

In der Zwischenzeit habe sich die DIN zur Berechnung der Flächen verändert, so Schluckebier weiter. Das Ergebnis: Die Flächen sind viel zu knapp bemessen, die Laufwege im Archiv und für die Instandhaltung der Technik, die Größe von Behindertentoiletten oder Serverräumlichkeiten zu niedrig angesetzt worden.

Das alte Hotel an der Jahnstraße ist von den Arolsen Archives noch genutzt worden und soll einem Neubau weichen. Foto: Armin Haß

Das habe sich bei einem Architektenwettbewerb herausgestellt, wie Schluckebier berichtet. 2018, als die Preisvergabe schon kurz bevor stand, habe die Direktion dann auf die Bremse getraten, so Baumheier.

Viel Zeit vergangen

„Schade, dass so viel Zeit vergangenen ist“, sagt Schluckebier, der seit 2010 bei der Stabsstelle der Archives tätig ist und das Projekt betreut. Baumheier betonte im Gespräch mit der WLZ, dass die Direktion der Arolsen Archives und die Stadt von Anfang bei der Entwicklung des Projektes zusammengearbeitet hätten. Die BIMA hat das Gebäude an der Parkstraße gekauft, um den Neubau zu ermöglichen.

Der Magistrat in Bad Arolsen hat nun dem Verkauf einer weiteren Fläche am bisherigen Archivgebäude an der Jahnstraße zugestimmt, zudem wird dort eine Grenzbebauung gebilligt. Das Konzept der Stadt bildet nun eine weitere wichtige Planungsgrundlage für den Neubau.

Neue Planung gefordert

 Die bereits vom Bund genehmigte Entscheidungsgrundlage, die noch auf den zu niedrigen Berechnungen beruht, wird nun in den kommenden Monaten vom LBIH fortgeschrieben. Die BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) unterbreitet dann der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Bundesfinanzministerium als Geldgeber die neue Vorlage. Diese bildet dann die Basis für einen neuen Architektenwettbewerb, der wiederum die Grundlage für eine Entwurfsplanung bildet. 

Neben der Vergrößerung des Bauvolumens trägt nach den Worten des stellvertretenden Direktors von Arolsen Archives, Steffen Baumheier, auch der höhere Preisindex zu einer Steigerung der Kosten bei. 13 Millionen Euro würden wahrscheinlich nicht ausreichen, schätzt er. 

Weltdokumentenerbe

Wann mit dem Bau begonnen werden könne, darüber möchte Archives-Projektleiter Kai Schluckebier momentan nicht spekulieren. Doch für ein Archiv, das 2013 als Weltdokumentenerbe der UNESCO anerkannt wurde, sei die provisorische Zwischenlagerung der Dokumente nicht optimal, unterstreicht Baumheider .

  

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