Auf dem Weg in die neue Heimat

Arolsen Archives stellt Passagierlisten von Auswanderern online

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Passagierlisten von Displaced Persons, die nach dem Krieg Deutschland verließen, hat Arolsen Archives jetzt online gestellt. Die Auswanderer nutzten den Hafen von Bremerhaven.  

Der Namenswechsel fällt den Einheimischen noch schwer: Die internationale Institution, die bisher als „Suchdienst“ bekannt war, trägt nun den englischen Namen „Arolsen Archives“.

Durch den Namenwechsel soll Rücksicht auf die vielen Nutzer aus aller Welt genommen werden. Gewandelt hat sich auch der Schwerpunkt der Arbeit: Es werden zwar immer noch auf Anfrage von Familienangehörigen Schicksale geklärt. Immer wichtiger wird jedoch die Bildungsarbeit in Form von historischer Dokumentation, Unterstützung der historischen Forschung und Gestaltung von Ausstellungen zu wechselnden Aspekten der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 

Zur neuen Strategie von Arolsen Archives gehört auch die Online-Veröffentlichung immer neuer Daten aus dem umfangreichen Archiv:

Nachdem das Hitler-Regime besiegt war, wollte eine große Zahl der Holocaust-Überlebenden sowie der befreiten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Europa verlassen. Neben Amerika standen Kanada und Australien ganz oben auf der Liste der erhofften Emigrationsziele.

Schicksale nachgezeichnet

Wer fand eine neue Heimat in Übersee? Wann und auf welchen Schiffen verließen die Menschen das in Trümmern liegende Europa? Um Angehörigen diese Fragen schnell und einfach beantworten zu können, haben die Arolsen Archives zusammen mit Ancestry Passagierlisten online veröffentlicht. Darin lassen sich Informationen über rund 1,9 Millionen Menschen recherchieren, die nach 1945 nicht in ihre Heimatländer zurückkehren wollten oder konnten.

„Am 4. Dezember 1951 traf ich in New York ein. Jener Tag im Dezember war für mich ein schicksalhaftes Datum. Ein neues Leben sollte beginnen, das alte Leben ließ ich zurück“, erzählt Thomas Buergenthal in seiner Biografie.

Seine Kindheit hatte er im Ghetto und in zwei Konzentrationslagern verbringen müssen. Er kam als 17-jähriger mit der „General Greenly“ nach Amerika. Dieses Militärschiff allein brachte insgesamt über 14 000 Emigranten auf den Kontinent.

„Die Passagierlisten sind als historische Quelle von unschätzbarem Wert“, erklärt Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. „Sie sind Teil des UNESCO Weltdokumentenerbes und ermöglichen Einblicke in die Lebenswege einzelner Menschen. Zudem geben sie Auskunft über die Migration in der Folge des Zweiten Weltkriegs, zum Beispiel auch darüber, welche Gruppen emigrieren konnten und wem diese Möglichkeit verwehrt blieb.“ 

Welche Wege haben die Auswanderer eingeschlagen?

Die meisten Auswanderer kamen mit einem der fast 400 Schiffe, die die Alliierten für die große Migrationsbewegung bereitgestellt hatten, manche sogar mit dem Flugzeug. Sie alle sind auf den Listen verzeichnet, die nun im Internet durchsucht werden können.

Dank der Kooperation mit der bedeutenden Online-Plattform für Ahnenforschung erreichen die Passagierlisten nun ein großes weltweites Publikum, denn Ancestry hat über drei Millionen Nutzer und ist in mehr als 30 Ländern verfügbar. 

Zudem hat das Unternehmen die Mittel, große Bestände schnell und in guter Qualität zu indizieren. Das heißt, die digitalisierten Schiffslisten wurden von Ancestry mit Namen und Datum verschlagwortet, sodass sie im Internet schneller und genauer durchsucht werden können.

Im Rahmen der Partnerschaft werden die Listen nun sowohl von den Arolsen Archives als auch von Ancestry online veröffentlicht. Das Angebot ist auch bei Ancestry kostenlos zugänglich. 

Dieser Link führt zum Online-Archiv der Arolsen Archives: https://collections.arolsen-archives.org/search/

Hier kommen Interessierte zu dem kostenlos zugänglichen Online-Archiv von Ancestry: https://ancstry.me/2T3cJTC

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