900.000 Online-Nutzer: Interesse an Schicksalen der NS-Opfer wächst weiter

Arolsen Archives ziehen positive Bilanz ihres Online-Engagements

Ein Stapel mit vergilbten Schwarz-Weiß-Fotos und Ausweispapieren.
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Private Erinnerungsstücke, die Verfolgten und Deportierten von ihren Nazi-Peinigern abgenommen wurden, werden von Arolsen Archives verwahrt und an die Hinterbliebenen zurückgegeben.

Die Zahl der Anfragen an die Arolsen Archives ist im vergangenen Jahr erneut um zehn Prozent gestiegen. Rund 900.000 Menschen aus aller Welt haben 2020 das Online-Archiv der Arolsen Archives genutzt.

Bad Arolsen -Bis heute suchen Menschen nach Informationen über ihre Angehörigen, die durch das NS-Regime ermordet, verfolgt oder verschleppt wurden. 2020 ist die Zahl der Anfragen bei den Arolsen Archives erneut um rund zehn Prozent gestiegen. Das weltweit umfangreichste Archiv über Verfolgte des Nationalsozialismus erhielt Anfragen zu mehr als 26.000 Personen - fast drei Viertel stammen dabei von Angehörigen.

Weniger als ein Prozent der Anfragen kam von Überlebenden selbst. In etwa 60 Prozent der Fälle konnten die Arolsen Archives Antworten geben und Kopien von Dokumenten zur Verfügung stellen. Insgesamt wandten sich Menschen aus rund 70 Ländern an die Arolsen Archives, besonders stark vertreten waren Deutschland, Frankreich, die Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die USA und Polen.

Freiwillige helfen bei der Suche

Im Februar konnten die Arolsen Archives ein ganz besonderes Paket auf die Reise nach Frankreich schicken: Michel Loncar erhielt die Armbanduhr und den Füller seines Vaters Michajlo Loncar. Es handelte sich um die 500. Rückgabe von persönlichen Gegenständen an die Familien von KZ-Inhaftierten.

„Wir haben vor gut vier Jahren unser Projekt #StolenMemory gestartet und zusammen mit Freiwilligen die Suche nach Familien aufgenommen“, berichtet Direktorin Floriane Azoulay. „Niemand hätte vermutet, dass es möglich sein würde, noch so viele Gegenstände endlich in die richtigen Hände zu geben.“

2500 weitere Effekten warten auf ihre Rückgabe

Michajlo Loncar wurde in Skalica in der heutigen Slowakei geboren und 1944 von den Nationalsozialisten aus Frankreich deportiert. Er musste in einem Außenlager des KZ Neuengamme Zwangsarbeit leisten, überlebte das Lager und starb 2000 in Frankreich.

„Für die Angehörigen ist die Rückgabe der persönlichen Gegenstände von großer emotionaler Bedeutung“, betont Floriane Azoulay. „Sie erzählen von Verfolgungsgeschichten, die quer durch Europa verliefen, sind ein Fenster in die Vergangenheit und bringen Erinnerungen zurück in die Familien.“ Die Arolsen Archives bewahren noch rund 2500 sogenannte Effekten auf und suchen weiterhin nach den Familien.  red

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