Wissensdurst und Sinn für die Kunst gründet tief

Arolsen - (fast) eine Kulturhauptstadt

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Was Arolsen (fast) zur Waldecker Hauptstadt der Kunst, Kultur, Literatur und Wissenschaft machte, führte Prof. Dr. Jürgen Wolf im Bürgerhaus aus.  

Bad Arolsen.  Ihr Hunger nach kulturellen Schätzen war regelmäßig größer als der Geldbeutel. Die Werte aber haben überdauert, so dass die Waldecker Fürsten Arolsen zur Kulturhauptstadt gemacht haben. Jedenfalls fast – diese kleine Einschränkung behielt sich Prof. Dr. Jürgen Wolf in seinem Vortrag anlässlich der 36. Bad Arolser Hochschultage sicherheitshalber vor.

Schließlich zeigten die von ihm vorgestellten Highlights einer 300-jährigen Erfolgsgeschichte, dass es manchen Rückschlag zu verkraften galt, Kassel eben doch den größeren Herkules hat und Korbach das über lange Zeit einzige Gymnasium im Fürstentum unterhielt, aus dem die Mehrzahl der Waldecker Wissenschaftler hervorging.

Dennoch beachtlich ist die kulturelle Geschichte der Stadt, die der in Mengeringhausen lebende und an der Uni Marburg lehrende Wissenschaftler an Beispielen bis in die 1790er Jahre aufzeigte und mit jeder Menge Humor würzte.

So hatte die Christine-Brückner-Bibliothek ihre allererste Vorgänger-Einrichtung bereits im 17. Jahrhundert im früheren Renaissance-Schloss. Die Fürstung des Adelsgeschlechts habe später geradezu dazu gezwungen, kulturell zu investieren, angefangen von Fürst Carl und seiner kunstsinnigen Gemahlin Christiane.

Deren Sohn Friedrich holte den Schach-Weltmeister Philidor an den Hof und trug neben Kunstschätzen auch jede Menge Wissenschaftsliteratur für die Hofbibliothek zusammen. Fürst Georg wiederum interessierte sich besonders für Alchemie, weshalb auch das leider nicht mehr lesbare Rezept für das ewige Leben in seinen Ankäufen zu finden war. Die teuren Bände waren häufig nicht mal bezahlt, wurden aber dennoch rege verschenkt, etwa in den Kreis der Uni Göttingen, was laut dem Referenten durchaus strategische Gründe hatte: heute würde man wohl von Networking sprechen.

Diese Reihe setzte der antikenbegeisterte Prinz Christian fort, der Goethe ein Stück auf dessen italienischer Reise begleitete.

Ihm sind die Goethe-Büste des Schweizer Bildhauers Alexander Trippel im Residenzschloss, zahlreiche antike Bronzen und die entsprechende Reiseliteratur zu verdanken.

Am Arolser Hofe versuchte man damals sogar, die Kasseler Kunstlandschaft zu übertreffen. Es solle in Arolsen einhundert antike kleine Bronze-Herkulesse gegeben haben, merkte Jürgen Wolf an. Ob diese auch der berühmteste Besucher der Stadt zu sehen bekam, ist nicht bekannt. Wohl aber die Einschätzung Wilhelm von Humboldts, dass es sich in Arolsen sicher angenehm leben lasse.

Mehr als 200 Jahre später sieht Wolf den kulturellen Anspruch gleichfalls erfüllt: mit Bildungseinrichtungen und -angeboten, Bibliotheken und einer hochkarätigen Museumslandschaft. Horst Schwarze, Vorsitzender des Volksbildungsrings, fügte noch einen entscheidenden Aspekt hinzu: „Ein wichtiges kulturelles Element sind Sie, meine Damen und Herren: ein Publikum, das dieses Angebot annimmt.“ 

(von Sandra Simshäuser)

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