Stipendiatin Jessica Kuttner 

Bad Arolser Designerin entwirft Figuren für Psychotherapie

Iskah-Familie für die Psychotherapie: Jessica Kuttner hat Figuren entwickelt, die neutral und veränderbar sind. Sie hat Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel studiert. Foto: Peter Dilling

Bad Arolsen/Kassel – Die aus Bad Arolsen stammende frisch gebackene Diplom-Designerin Jessica Kuttner von der Kunsthochschule Kassel hat Figuren entwickelt, die in der Psychotherapie Anwendung finden sollen.

Wenn es um psychische Probleme im Zusammenleben mit der Familie, um die Teamarbeit im Job geht, oder es in einer Gruppe knirscht, kommen Figuren ins Spiel.

Das zeigen die Figuren

Diese nutzen insbesondere Therapeuten der so genannten systemischen Beratung, damit ihre Klienten, das ausdrücken können, was sie noch schwer in Worte fassen und ihre Rolle im Zusammenhang mit ihrem familiären Umfeld selbst besser verstehen zu können.

Die Figuren repräsentieren dann den Psychotherapie-Patienten und die Menschen seines sozialen Umfelds.

Dafür gibt es ein Stipendium

Jessica Kuttner hat modulartig zusammengesetzte Figuren für die systemische Therapie gestaltet und damit ein Hessen-Stipendium gewonnen, mit dem ihre kreative Geschäftsidee bis zum Sommer gefördert wird.

Sie sei zu diesem Projekt durch den Kontakt zu Yvonne Weber, einer Dozentin des Systemischen Instituts Kassel, angeregt worden, sagt die 33-Jährige. Sie hat ein Figuren-Set, das sie Iskah getauft hat, entwickelt, das aus fünf verschiedenen Holzmodulen besteht.

So entstehen die Figuren

Die Module hat sie in einem Vellmarer Betrieb drechseln lassen. Der Fachbereich Maschinenbau der Uni habe ihr die Metallverbindungen geschweißt, auf die die Module variabel geschraubt werden können.

Zu dem Figuren-Set gehört außerdem eine Glosche, eine Art Glasglocke, die in einer Uni-Werkstatt gefertigt wurde. „Es gibt schon eine Fülle von Materialien auf dem Markt“, sagt Designerin Jessica Kuttner. Diese Aufstellfiguren seien aber meistens im Design älteren Datums und zu statisch. Psychtherapie-Klienten würden dadurch in ihren Ausdrucksmöglichkeiten für die bildliche Beschreibung ihres Problems beschränkt.

Neutrale Gestaltung

„Mir ging es unter anderem darum, das Rollenverständnis von Mann und Frau aufzulösen“, erklärt die Diplom-Designerin Kuttner zur Entstehung ihrer Figuren für den Einsatz in der Psychotherapie. Das Design der am Markt erhältlichen Figuren setzte oft ein Rollenverständnis voraus, das nicht auf jede Beziehungssituation passe. Schließlich sollen die Figuren in der so genannten systemischen Beratung verwendet werden.

So vielseitig sind sie

 Kuttners Figuren sind dagegen geschlechtslos, neutral und dynamisch einsetzbar: Der Patient kann ihnen neue Rollen zuweisen, neue Charaktere formen oder Veränderungswünsche für sein soziales Umfeld ausdrücken, ohne zu reden. 

„Die Figuren helfen weiter, wo kognitive Lösungen nicht helfen“, sagt die Designerin dazu. Sie habe bereits Kontakte zu interessierten systemischen Therapeuten. „Sie warten auf die nächsten Figuren, um sie einsetzen zu können“. 

Und noch eine Verwendung

Yvonne Weber vom Systemischen Institut in Kassel habe die Figuren schon ausprobiert. Diplom-Designerin Kuttner hofft, dass sich Firmen melden die eine „Null-Serie“ produzieren wollen. Falls das nicht klappt, könne man sie vielleicht auch als Spielfiguren für Kinder vermarkten, schildert die gebürtige Bad Arolserin weitere Einsatzmöglichkeiten.

 VON PETER DILLING

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare