Schön-Klinik hat seit zwei Jahren eine Fachabteilung für Jugendliche mit psychischen Erkrankungen

Arolser Experten können bei Essstörungen Auswege aufzeigen

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Sie helfen Jugendlichen mit Essstörungen oder Depressionen: Der Leitende Psychologe Christopher Moderhak und die Kinder- und Jugendpsychiaterin Pia Leimann informierten über die Angebote der Schön-Klinik Bad Arolsen. 

Bad Arolsen. Jugendliche mit psychischen Erkrankungen und Essstörungen finden in der Schön-Klinik Bad Arolsen gute Therapiemöglichkeiten. So lautete die Botschaft eines Vortrags für Vertreter von Schulen und Fachpraxen aus der Region in den Räumen der psychosomatischen Fachklinik am Hofgarten.

Der Leitende Psychologe Christopher Moderhak und die Kinder- und Jugendpsychiaterin Pia Leimann informierten Lehrer und Schulpsychologen aus der Region über die Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten, mit denen sich die rund 300 Mitarbeiter der Klinik beschäftigen.

Von den rund 300 Behandlungsplätzen in den beiden Häusern am Hofgarten und in der Großen Allee sind aktuell 45 für Jugendliche mit Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen und Essstörungen reserviert. Seit etwa zwei Jahren ist hier ein neuer Fachbereich entstanden, für den es bundesweit scheinbar einen steigenden Bedarf gibt.

Die auslösenden Faktoren für psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Oft sind es belastende Situationen in den Familien, Mobbing in der Schule, trügerische Schönheitsideale und der Drang, anderen gefallen zu müssen.

Was in der Schön-Klinik nicht behandelt werden kann, sind schwere psychiatrische Störungen und  Psychosen.

Was sind die Voraussetzungen, damit eine Essstörung behandelt werden kann?

Bei Essstörungen muss ein Mindestmaß an Eigenmotivation vorhanden sein. Der bloße Rat der Eltern, sich doch mal behandeln zu lassen, reicht nicht aus. Die Einweisung erfolgt durch einen Facharzt. Der Eingangs-Body-Mass-Index (BMI) dürfe 13 nicht unterschreiten, sonst seien die medizinischen bereits zu groß.

Der Therapieansatz der Klinik baut auf die Eigenverantwortung der jungen Patienten. Niemand wird eingesperrt oder gezwungen.

Bei der Behandlung wird zweigleisig gearbeitet, an der Symptomatik, der zu geringen Essensaufnahme, und an den zu Grund liegenden Problemen. Dabei arbeiten Experten aus verschiedenen Fachbereichen eng zusammen, Mediziner, Psychologen, Ökotrophologen und Fachtherapeuten , etwa für Kunst- und Achtsamkeitstherapie.

Als Leitender Psychologe erläuterte Christopher Moderhak, dass Essstörungen den Patienten unbewusst auch gewisse Macht verleihen, etwa die Bindung an die Eltern zu steuern, oder getrennt lebende Eltern wieder in einer gemeinsamen Sorge zu vereinen. Von manchen Patienten werde die Krankheit auch als Identität stiftend empfunden.

Sind mehr Mädchen oder Jungen von Esstörungen betroffen?

Solche Zusammenhänge gelte es in jedem Einzelfall herauszuarbeiten und parallel dazu die Essmengen zu regulieren, die eigene Körperwahrnehmung und Körperakzeptanz zu steigern.

Die jungen Patienten, die in der Schön-Klinik oft über viele Wochen behandelt werden, unterliegen meist der Schulpflicht. Deshalb arbeitet die Klinik mit der Karl-Preising-Schule zusammen, die für diese Patienten eigene Klassen an der Außenstelle Viehmarktsweg unterhält. Aber selbstverständlich gehe Gesundheit vor Schulpflicht. Viele junge Patienten seien allerdings dankbar, viermal pro Woche zur Schule gehen zu dürfen.

Tatsächlich scheinen mehr Mädchen als Jungs von psychosomatischen Störungen im Jugendlichen-Alter betroffen zu sein. Von den aktuell 45 Patienten, die in der Klinik behandelt werden, sind 41 weiblich. 30 von ihnen leiden an Essstörungen.

Mehr Informationenüber die Schön-Klinik Bad Arolsen finden sich hier.

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