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Arolser Feuerwehren: Zivil- und Katastrophenschutz neu denken

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Von: Elmar Schulten

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Das Team der Arolser Stadtbrandinspektoren ist komplett. Von links: : erster Stellvertreter Sven Eichweber, SBI Karl-Heinz Meyer und zweiter Stellvertreter Artur Berger.
Das Team der Arolser Stadtbrandinspektoren ist komplett. Von links: erster Stellvertreter Sven Eichweber, SBI Karl-Heinz Meyer und zweiter Stellvertreter Artur Berger. © Elmar Schulten

Die Jahreshauptversammlung der Feuerwehren der Stadt Bad Arolsen hat am Mittwochabend (12. Oktober) in der Bürgerhalle Helsen ein Schlaglicht auf die aktuell in den Verwaltungen laufenden Bemühungen zur Katastrophenvorsorge geworfen.

Bad Arolsen - Bürgermeister Marko Lambion erklärte, es gelte Bereitschaft herzustellen, ohne dabei Panik zu verursachen. Angesichts der von Stadtbrandinspektor vorgelegten Bilanz der vielfältigen Hilfseinsätze in den vergangenen beiden Jahren sprach der Rathauschef den Dank des Magistrates und der städtischen Gremien für Einsatzbereitschaft, Idealismus und Fachkompetenz aus. Ohne die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute und ihre Rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit seien die Stadt und ihre Bürger oft hilflos.

Der tägliche Blick auf die Ereignisse in der Ukraine lasse erahnen, dass demnächst noch weitere Aufgaben auf die Feuerwehren zukommen könnten. Die befürchtete Gas- und Strommangellage würden neue Anforderungen an die Feuerwehren stellen.

Kommunikation wird als Erstes betroffen sein

Das bekräftigte auch Landrat Jürgen van der Horst: Wir müssen den Zivilschutz und den Katastrophenschutz ganz neu denken und wieder verstärken. Der Dienst der Feuerwehren in der Pandemie sei schon nicht einfach gewesen. Die heißen Sommer hätten Waldbrandszenarien neu entstehen und die Wahrscheinlichkeit von Starkregen und Hochwasser steigen lassen. Nun verheiße auch noch die politische Großwetterlage nichts Gutes.

Die kritische Infrastruktur müsse auch vor Ort in den Dörfern geschützt werden. Van der Horst: „Wenn auch ein bundesweiter oder gar europaweiter Stromausfall unwahrscheinlich ist, so sind doch lokale Stromausfälle denkbar. Die Kommunikation werde im Falle eines Falles zuerst betroffen sein. Dann kämen auf die Feuerwehren zusätzlichen Aufgaben zu.

Überwältigende Wahlergebnisse

Die Politik wisse um die Bedeutung der ehrenamtlichen Helfer. Ebenso wichtig seien gut ausgebildete Führungskräfte. In Bad Arolsen stünden dafür beispielhaft Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer und seine beiden Stellvertreter Sven Eichweber und Artur Berger.

Bei der Jahreshauptversammlung aller Stadtteilfeuerwehren in der Bürgerhalle Helsen wurden am Mittwochabend Sven Eichweber einstimmig und Artur Berger mit überwältigender Mehrheit als stellvertretende Stadtbrandinspektoren bestätigt. Bisher waren beide lediglich vom gewählten Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer in ihre Ämter berufen und ernannt worden.

Lehrgänge waren im Lockdown kaum möglich

Diese Situation hatte sich nach der letzten regulären Generalversammlung der Feuerwehren im Februar 2020 ergeben. Kurz danach wurden die Corona-Lockdowns verhängt. Größere Zusammenkünfte, auch im Zusammenhang mit wichtigen Wahlen, waren dann nicht mehr möglich. Deshalb jetzt die Wahl außerhalb des fünfjährigen Turnus.

Für das Stadtbrandinspektoren-Team war dies zugleich die Gelegenheit, eine Bilanz der zurückliegenden beiden Jahre zu ziehen: Während des Corona-Lockdowns konnten auch wichtige Lehrgänge nur sehr eingeschränkt stattfinden. Zur Fitness-Kontrolle der Atemschutzgeräteträger entwickelten die Arolser einen alternativen Streckendurchgang.

Lange Bilanz hunderter Einsätze

Im Corona-Jahr 2020 wurden die Arolser Feuerwehren nur 155 mal alarmiert. Insgesamt wurden 5370 Stunden einsatzstunden geleistet. Es gab vier Kleinbrände, acht Mittelbrände und einen Großbrand zu löschen. Sechsmal rückten Arolser Feuerwehrleute zu Bränden in Nachbargemeinden aus, 18 mal gaben Brandmeldeanlagen falschen Alarm. Der Großteil der Einsätze umfasste technische Hilfeleistungen, häufig zur Beseitigung von Ölspuren.

Im Jahr 2021 wurden offiziell 253 Einsätze gezählt. Dabei fließen die 260 ausgepumpten Keller in Folge des Starkregens im Sommer nur als ein einziger Einsatz in die Statistik ein.

Außerdem mussten acht Kleinbrände, 18 Mittelbrände und drei Großbrände gelöscht werden. Bei neun Verkehrsunfällen wurde die Hilfe der Feuerwehr benötigt Außerdem unterstützte die Feuerwehre in 20 Fällen den Rettungsdienst mit Türöffnungen und Transporthilfen.

Nachwuchsarbeit bleibt wichtig

Positiv wertet die Feuerwehr den begonnenen Neu- und Erweiterungsbau der Feuerwehrwehrhäuser in Schmillinghausen und Wetterburg. Der Fahrzeugpark werde entsprechend dem Bedarfsplan modernisiert: 2020 wurden vier neue Mannschaftstransportfahrzeuge MTF an die Ortsteilwehren übergeben. Im kommenden Jahr sollen zwei neue Löschfahrzeuge LF 10 an Schmillinghausen und Landau ausgeliefert werden.

Von der Nachwuchsarbeit in den Jugend- und Kinderfeuerwehren berichteten Stadtjugendfeuerwehrwart Jan Schulze und Cindy Galgon-Weiß: Aktuell sind rund 120 Jungen und Mädchen in den Jugendfeuerwehren aktiv und 78 in den Kindergruppen. Langfristig soll aus diesen Gruppen der Nachwuchs der Feuerwehren erwachsen. (Elmar Schulten) 

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