Nach Stürmen, Dürre und Käferbefall ist Kreativität gefragt

Arolser Holz ist Versuchsgebiet für den Wald von morgen

An diesen „Mutterstöcken“ sollen neue Bäume im Arolser Holz heranwachsen. In der Mitte Revierförster Oliver Wagemann bei der Waldführung durch den fürstlichen Forst. Dort mussten aufgrund der Sturmschäden und des folgenden Käferbefal ls rund 1000 Festmeter Fichten abgeholzt werden. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen – Stürme, Trockenheit und ein massenhafter Befall durch Käfer haben hektarweise Fichten im Fürstlichen Forst zerstört. Wie der Wald der Zukunft aussehen könnte, versuchte Revierförster Oliver Wagemann bei einem Waldbegang im Arolser Forst zu erklären.

1000 Festmeter Fichten mussten aufgrund des Käferbefalls im vorigen August gefällt werden. Der einst dicht bewachsene Bereich ist nicht mehr wiederzuerkennen. Der Blick schweift dort über eine fast baumfreie Fläche.

So dramatisch ist die Lage

Das Arolser Holz ist zu einer Art Versuchsrevier geworden, in dem bereits seit dem Sturm Kyrill im Januar 2007 ausprobiert, wie aus einer baumlosen Fläche wieder Wald werden kann.

Mahnung im Arolser Holz. Foto: Armin Haß

Seit Kyrill hat sich die Lage durch den Klimawandel deutlich verschärft, worauf rote Warntafeln und -zeichen auf den Kahlschlagflächen im Arolser Holz aufmerksam machen. Borkenkäfer und Kupferstecher haben die durch Windwurf und Trockenheit beschädigten und gestressten Bäume massenhaft befallen.

Kampf gegen Käfer

Innerhalb weniger Tage war etwa im Fichtenbestand bei Gut Eilhausen zu sehen und zu hören, wie die Käfer die Bäume befallen hatten, so Wagemann. Die einzige schnelle Lösung war dann nur noch das Fällen und schnelle Wegräumen der Fichten - und das bei einem rasanten Verfall der Preise für Fichtenholz.

Mithilfe solcher Giftfallen versuchte die Forstverwaltung den Befall durch Borkenkäfer einzuschränken. Foto: Armin Haß

Versuche mit zugelassenen Giften in Verbindung mit Sexuallockstoffen im Arolser Holz schlugen fehl, wie Wagemann berichtet. In dem Gebiet ragen seit dem vorigen August nur noch eineinhalb bis zwei Meter hohe Fichtenstämme gen Himmel, von ihnen löst sich langsam die die Käfer schützende Rinde. Und doch könnten sie die Entstehung neuen Waldes fördern.

Chance für neue Bäume

An der Westseite der sterbenden Stämme finden sich geeignete Stellen für das Anpflanzen neuer Bäume. Fichten werden es in Lagen unter 400 Meter nicht mehr sein, sagt Wagemann.

Der starke Bewuchs mit Fichten im Fürstlichen Forstamt und den staatlichen Forsten erkläre sich aus den Reparationshieben nach dem Krieg, als schneller als Eichen oder Buchen  nachwachsende Bäume für die Forstwirtschaft gepflanzt wurden. Dabei setzt das Forstamt schon länger auch auf Mischwald.

Hinter einem dreieckigen Mahnmal stehen die "Mutterstöcke" für künftige Baumpflanzungen. Foto: Armin Haß

An den so genannten „Mutterstöcken“ biete sich Feuchtigkeit und Energie durch die zerfallende Holzmasse für neue Bäume. Kirsche, Walnuss, Vogelbeere, Lärche, Douglasie, Tannen, Roteichen oder andere Arten, die auch trockene Phasen aushalten, dürften dort bald wachsen. Dieser Versuch wird begleitet im Rahmen einer Diplomarbeit an der Uni Göttingen.

Das funktioniert nicht

In Sachen Wissenstransfer hapert es aber nach den Worten des Revierförsters. Seine Anfragen an die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald, der durch neun „Käferwellen“ geschädigt wurde, blieben bislang unbeantwortet. So stelle er sich nicht die mit Steuergeldern geförderte Begleitung von Nationalparks nicht vor.

Der Wald stehe für Nutzen, Schutz und Erholung, stellt der Revierförster fest. Wünschenswert wäre es, so Oliver Wagemann, wenn die Waldbesitzer gerade für die angestrebte Verringerung von Treibhausgasen Zuschüsse, analog der Agrarförderung, bekämen.

Naturverjüngung

Nach dem Sturm Kyrill im Januar 2007 hat das Fürstliche Forstamt von dem Gelände ehemaligen Finnenbahn nur die umgestürzten Fichten entfernt und die Fläche sich selbst überlassen. Neben den Birken als Pionierbäumen und verschiedenen Sträuchern haben sich Eichen und Kirschen selbst gesät.  Das entstandene Dickicht wird demnächst durchforstet, um gerade das Wachstum der wertvollen Baumarten zu begünstigen. 

Kreativität ist laut Revierförster Wagemann gefragt, und sein Dienstherr fördere alle Bemühungen, das Konzept eines naturnahen Waldes auf den durch Windwurf und Käferbefall geschädigten Flächen zu verwirklichen. 

Saatgut selbst erzeugen

Neben Pflanzungen sind es Naturverjüngungen. Inwieweit Wald planmäßig neu angelegt werden soll, hängt von den Standorten ab und ist auch eine Kostenfrage. Schließlich ist der Aufwand für den Einschlag geschädigter Bäume und das Abräumen hoch gewesen, die Preise für das Holz sind jedoch stark gefallen.

 Aufgrund des Ansturms auf Saatgut-Lieferanten hat die Forstverwaltung des Fürsten eigene Saatgärten für Tannen angelegt. Zudem werden Ahornreiser und Pappelstöcke in den Waldboden eingebracht, die recht schnell ausschlagen und als Vorpflanzungen die künftige Waldentwicklung begünstigen. 

Kupferstecher und Borkenkäfer bereiten Fichten den Garaus. Foto: Armin Haß

Die weitläufigen Flächen, auf denen keine Fichten mehr stehen, dürften nicht sich selbst überlassen werden, sagt Wagemann. Brombeeren überwuchern den Boden und hindern junge Buchen oder Eichen am Wachstum. Anderswo breiten sich bodendeckende Gräser aus, die sich dort verbreitenden Mäuse wiederum fressen die Bäumchen ab. Zudem trockne Wind die unbewaldeten Fläche stärker aus. 

Das bewirkt das Wild

Wildschweine, die derzeit zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest und zum Schutz von Feldern bejagt werden, hingegen seien für den Wald durch das Wühlen und das Vertilgen von kleinem Getier nützlich. Rehwild schädige durch Verbiss junge Bäume. 

Gefahr drohe weiterhin durch Insekten, wenn etwa ab 16 Grad Celsius wieder die Borkenkäfer ausschwärmen und die letzten Fichten befallen. Zudem drohe der Eichenprozessionsspinner auch in dieser Region die Laubbäume zu zerstören. Die Buchenkomplexkrankheit habe Bestände geschädigt, auch Ahornbäume drohen durch Pilzbefall einzugehen.

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