Arolser IT-Experten wollen helfen: Computer kann beim Home-Schooling mehr mehr als Brieftaube

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Digitalpakt für die Schulen in Nordwaldeck. Die IT-Beratungsfirmen pct und NetzConcepte aus Bad Arolsen wollen die Schulen der Region mit Computern ausstatten und im Umgang mit den Lern-Programmen und für Videokonferenzen. Mit dabei: die vier nordwaldeckischen Bürgermeister. 

Die vier nordwaldeckischen Bürgermeister unterstützen eine Initiative von zwei erfahrenen IT-Beratungsfirmen, die Schulen in der Region für das sogenannte Home-Schooling fit zu machen.

Bad Arolsen. Damit verbunden sind die Ausstattung der Schulen mit schnellen Internetanschlüssen, die Versorgung möglichst aller Schüler mit geeigneten Geräten und Computerprogrammen und vor allem die Schulung von Lehrern, Eltern und Schüler im Umgang mit diesen Programmen.

„Wir sind alle auch Familienväter und nehmen war, dass die Schulen in der Corona-Krise von jetzt auf gleich Lösungen anbieten müssen, die aber an den Schulen noch nicht vorhanden sind“, stellte Bürgermeister Jürgen van der Horst im Kreise seiner Kollegen aus Diemelstadt, Volkmarsen und Twistetal fest. 

Es wird zu viel improviesiert

Viele Schulen improvisierten klassenweise, jeder nach seinen Möglichkeiten. Van der Horst: „Was wir erleben, ist kein Home-Schooling, sondern der Ersatz von Brieftauben durch Computer. Da werden eingescannte Arbeitsblätter verschickt, die dann von den Schülern ausgedruckt, bearbeitet und wieder eingescannt werden müssten. Lernkontrollen fänden oft nicht statt.“

Ärgerlich sei auch, dass die Kinder seit beinah drei Monaten keine ordentliche Tagesstruktur mehr hätten, es gebe fast keinen Lernfortschritt im Klassenverband. Neuerdings sitze die eine Hälfte der Klasse in der Schule, die andere Hälfte zuhause und müsse sehen, wie sie klarkomme.

Nicht länger untätig zuschauen

Ziel müsse es sein, dass alle dem Unterricht gleichzeitig folgen könnten. Dazu gebe es die nötigen technischen Mittel. Man müsse sie nur kennen und richtig einsetzen. Zum Glück gebe es in Bad Arolsen zwei leistungsfähige IT-Beratungsfirmen, deren Inhaber selber Eltern seien und nicht länger tatenlos zusehen wollten. Andreas und Claudia Pohl von der Pohl Consulting und Benjamin Willers von NetzConcepte in Wetterburg seien im Aufbau von datengeschützten Netzwerken erfahren und kennten sich bestens mit der Technik für Videokonferenzen aus.

Nach anfänglichen Widerständen beim Schulträger sei nun sichergestellt, dass der Landkreis das Projekt aus Nordwaldeck unterstütze. Alle interessierten Lehrer aus der Region seien zu einer ersten Fortbildungsveranstaltung eingeladen. Die IT-Berater würden kostenlos tätig. Eingesetzt würden Programme, die Microsoft den Schulen kostenfrei zur Verfügung stellten.

Schulen sollten angebotene Hilfen annehmen

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass vorgesetzte Behörden oft abblocken“, beschreibt Andreas Pohl seine Erfahrungen. Die Ablehnung rühre daher, dass viele Zusammenhänge nicht bekannt seien. Oft werde nur pauschal mit Datenschutzbedenken argumentiert. 

Dabei sei jede Verbesserung des Datenschutzes sinnvoll und erlaubt. Dabei seien die derzeit an vielen Schulen verwendeten Insellösungen mit WhatsApp-Gruppen und eigenen Schulclouds aus datenschutzrechtlicher Sicht sämtlich unzulässig.. Jede Verbesserung müsse doch eigentlich willkommen sein.

Verwaltungen oft zu schwerfällig

Für Pohl steht fest, dass die angekündigten Milliarden aus den Digitalpakts von Bund und Ländern nicht bei den Schulen ankämen. 

Das scheitere zum einen an der Unbeweglichkeit der Schulbehörden, zum anderen an den Ausschreibungsrichtlinien: „Wenn eine Schule neue Computer kaufen will, dann muss eine Ausschreibung mit konkreten Gerätespezifikationen vorbereitet werden. Bis die Ausschreibungsprozedur abgeschlossen ist, sind diese speziellen Geräte aber gar nicht mehr am Markt, weil schon die Nachfolgegeräte verkauft werden.“

 Auch deshalb habe die Firma pct 20 Computersysteme der Christian-Rauch-Schule gestiftet, der Verein "Zähne helfen Kindern", neun Geräte an die Valentin-Schule in Helsen. Weitere zehn Laptops wird demnächst die Kaulbachschule von der Firma NetzConcepte erhalten.

Lernsoftware optimal einsetzen

Die Schulung der Lehrer im Umgang mit Lernsoftware und Videotools übernimmt Benjamin Willers: „Uns schwebt ein Pilotprojekt für ein digitales Klassenzimmer vor. Wir wollen die Lehrer fit machen und dann die Eltern und Schüler mitnehmen, denn vieles von dem, was da im Moment improvisiert wird, ist datenschutzrechtlich mehr als bedenklich.“ 

Mit dem Microsoft-Programm Education lasse sich ein kompletter Unterricht abbilden. Der Lehrer könne seinen Unterricht im Klassenraum abhalten, werde dabei gefilmt und in alle Wohnungen der nicht anwesenden Schüler übertragen. Der Lehrer könne seine auf dem Tablet-Computer vorbereiteten Folien in den Unterricht einbinden, Lerngruppen mit unterschiedlichen Aufgaben bilden, individuelles Feedback geben, Hausaufgaben kontrollieren, Lernfortschritte nachverfolgen und sogar Noten geben. Das funktioniere hervorragend, wenn man nur wolle. 

Informationsveranstaltung für Lehrer  am 10. Juni

Eine Informationsveranstaltung für Lehrer aller weiterführender Schulen der Region ist für den 10. Juni geplant. Wer noch keine Einladung bekommen hat, kann sich an seinen Bürgermeister in Diemelstadt, Volkmarsen, Twistetal und Bad Arolsen sowie an Andreas Pohl und Benjamin Willers wenden.

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