Spendenaktion von Aro-Karte

Bunte Vielfalt im Arolser Stadtwald für Bildungsarbeit an Schulen und Kindergärten

Spenden von 2500 Euro für einen Schulwald im Stadtwald übergab Ulrike Mertens vom Verein Aro-Karte an Revierförster Dieter Kisselbach. Sie stehen mit Bürgermeister Jürgen van der Horst neben einer Zerreiche, die nach dem Fällen von Birken gepflanzt wurde, die durch die Dürreperioden in den vergangenen Sommern litten.
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Spenden von 2500 Euro für einen Schulwald im Stadtwald übergab Ulrike Mertens vom Verein Aro-Karte an Revierförster Dieter Kisselbach. Sie stehen mit Bürgermeister Jürgen van der Horst neben einer Zerreiche, die nach dem Fällen von Birken gepflanzt wurde, die durch die Dürreperioden in den vergangenen Sommern litten.

Mithilfe einer Spendenaktion des Vereins Aro-Karte wird ein Teil des Stadtwalds in Mengeringhausen für die Bildungsarbeite an Kindergärten und Schulen mit verschiedensten Bäumen bepflanzt.

Bad Arolsen – Viele Arolser Bürger sind mit „ihrem“ fast 1000 Hektar umfassenden Stadtwald eng verbunden: Die Vorsitzende des Vereins Aro-Karte, Ulrike Mertens, überreichte Spenden in Höhe von 2500 Euro Bürgermeister Jürgen van der Horst und Revierförster Dieter Kisselbach. Der kündigte die Aufforstung einer Fläche speziell für die Umwelterziehung an Kindergärten und Schulen an.

Aus Steppe wird wieder Wald

Mit der großflächigen Aufforstung des übrigen durch Stürme, Dürresommer und Käferbefall geschädigten Stadtwalds ist bereits begonnen worden, wie berichtet. Die Spenden werden für einen kleinen, aber für die pädagogische Arbeit wichtigen Abschnitt an der Panzerwaschanlage des früheren Standortübungsplatzes verwendet.

Die vor einem Jahr begonnene Spendensammlung durch die Aro-Karte hat zwar unter den coronabedingten Geschäftsschließungen gelitten, so Ulrike Mertens. Doch sei ein gutes Ergebnis zustande gekommen.

Spendenaktion geht weiter

Zusammen mit 200 Euro allein von der Frauen Union Bad Arolsen-Korbach und einem weiteren Betrag des Netzwerks Haushalt Mengeringhausen seien 2100 Euro an Spenden zusammengekommen, die der Verein Aro-Karte auf 2500 Euro aufgestockt habe. Die Spendenaktion mit Sammeldosen in Geschäften gehe aber weiter.

Vom Pflanzen über die Pflege, von den Waldtieren bis hin zur Photosynthese reicht das Themenspektrum, das bereits seit 25 Jahren im Rahmen von Exkursionen vermittelt wird. Die Wiederaufforstung im Zeichen des Klimawandels wird ein neues Thema werden.

Exkursionen in den Wald

Auf einer drei Fußballfelder großen Windwurffläche am ehemaligen Standortübungsplatz Mengeringhausen wird mithilfe von Spenden einer Aktion des Vereins Aro-Karte ein Wald heranwachsen, in dem Kindergartenkinder und Schüler über das Ökosystem und die forstwirtschaftlichen Aspekte des Waldes unterrichtet werden.

Steppe, wo vorher Fichtenwald war: Revierförster Dieter Kisselbach wird mithilfe von Spenden die Aufforstung als Schulwald steuern.

Aus einer steppenähnlichen Landschaft an der alten Panzerwaschanlage auf dem Hagen mit hohen Gräsern, wucherndem Brombeerdickicht, Ginstersträuchern, pilzbewachsenen Baumstümpfen und einzelnen jungen Buchen- oder Ahornstämmchen soll ein wahrhaft vorzeigbarer Wald entstehen, in dem Kinder und Jugendliche Wissen vermittelt bekommen und Wertschätzung des Ökosystens entwickeln können..

Forstwirtschaft und Naturkunde

Revierförster Deiter Kisselbach, seit 25 Jahren bei Hessen Forst auch in der Bildungsarbeit für Kindergärten und Schulen engagiert, hat den Plan für das große Freilandlabor entworfen, das forstwirtschaftliche wie naturkundliche Aspekte wie eine sachlich fundierte Umwelterziehung fördern soll.

„Jedes Kind soll einmal im Wald gewesen sein und über Waldarbeit und Funktion dieses Ökosystems erfahren haben“, erklärt Kisselbach. Daher sieht er die Spendenaktion des Vereins Aro-Karte, wie sie momentan in Bad Arolsen läuft, als wichtige gesellschaftspolitische Initiative. Auf diese Weise zeigen Bürger, wie wichtig ihnen der Wald ist.

Fichten sterben aus

Auf der Fläche am Hagen sollen schwerpunktmäßig Laubbäume neu gepflanzt werden sollen. Vorher war dort ein Fichtenwald, bis zu 70 Jahre alte Bäume wurden jedoch seit 2018 Opfer von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall. 1000 Festmeter mussten entfernt werden. Wie in einem Brennglas zeigt sich dort der Zustand des insgesamt 950 Hektar großen Stadtwalds, in dem die Fichte ausstirbt.

Der geplante Schulwald macht gerade ein Prozent der gesamten Stadtwaldflächen aus, hat aber als Versuchsfläche bald eine deutlich größere Vielfalt als die anderen Flächen zu bieten: Winterlinde, Bergahorn, Vogelkirsche, Spitzahorn, Baumhasel, Esskastanie, Elsbeere, Speierling, Walnuss und Roteiche sollen dort ab dem kommenden Frühjahr gepflanzt werden - alles Bäume, die es bisher in dieser Region nicht auf die Hitliste der Forstwirtschaft gebracht haben.

Große Vielfalt fördern

Vielen dieser Baumarten wird inzwischen aber auch in anderen Wäldern stärkere Beachtung geschenkt. Durch Naturverjüngung, also sprießende Sämereien aus dem bisherigen Bestand, wird voraussichtlich auf einem Viertel der Fläche neuer Wald entstehen.

Kiefern, Fichten, Birken, Traubeneiche, Rotbuche, Aspe (Zitterpappel), Weide und Hainbuche könnten dort wachsen. Schließlich sollen auch Nadelbaumarten den Wald am alten Übungsplatz prägen, die auch im Klimawandel eine Zukunft haben: Lärche, Küstentanne, Weißtanne, Douglasie, Nordmanntanne - und die Zeder.

Überwucherte Fläche mulchen

Angeregt durch einen Fernsehbeitrag über eine Forstbeamtin in Arnsberg, die im Sauerland die eher im Nahen Osten erwartete Zeder erfolgreich pflanzte, sollen diese Koniferen nun auch im Nordwaldeckischen zum Schulwald zählen. In dien hiesigen Gärten sprießen diese Bäume auch, wie Kisselbach feststellt. Bevor die 1500 Bäume gepflanzt werden, muss die überwucherte Fläche gemulcht werden. Diie Pflanzungen wären sonst zu mühsam.

Die Wuchsbedingungen sind - dem Klimawandel zum Trotz - eigentlich top, sagt der Revierförster. Das Mittelgebirgsklima, Nährstoffe und Wasservorräte sind - noch - so reichlich vorhanden, dass sich die Bäume gut entwickeln dürften.

Schutz der jungen Bäume vor Wild

Jedoch muss das ganze Gelände für viel Geld auch umzäunt werden, um die Bäumchen vor dem Rehwild zu schützen. Verbiss dürfte die Aufforstung im gesamten Stadtwald erschweren. Eine stärkere Bejagung wird dann auch nötig werden.

Fichtensterben im Stadtwald Mengeringhausen neben der Warte.

Der durch Trockenheit und Käferbefall stark geschädigte Stadtwald Bad Arolsen liegt auf einer Trennlinie zwischen schwachem subatlantischem Klima mit eher mildem und regenreichen Wetter sowie kontinentalem Klima mit trockenen Jahren. So weit die klimatische Einordnung des Gebietes.

Klimaentwicklung im Blick

Die Waldentwicklungsziele sind von Hessen Forst mit der Nordwestdeutschen Versuchsanstalt in Göttingen entwickelt worden. Basisdaten über Waldstandorte, eine Klimavorhersage für die nächsten 50 Jahre und Kartenmaterial bilden die Grundlage.

Von den 950 Hektar Stadtwald sind 650 Hektar Altbestände von Buchen, die zum Teil aus der Bewirtschaftumng herausgenommen wurden. Die Buche hat die trockenen Sommer verhältnismäßig gut überstanden. Nur zwei Prozent des Bestandes gelten als geschädigt. Wenn aber die Trockenheit weiter anhält, sind auch die übrigen Buchen gefährdet.

Widerstandsfähige Arten

So sollen neben robusten Nadelbäumen vor allem Traubeneiche, Hainbuche und Winterlinde wachsen. Der Vorwald zur Arrondierung und zum Schutz der Aufwuchsbestände wird dann durch Birke, Kiefer und die Kirsche geprägt, die sich gerade in den vergangenen Hitzsesommern als widerstandsfähig erwiesen hat. Abgesehen davon liefert die Kirsche wertvolles Holz.

Der vor etwa 15 Jahren auf Empfehlung aus dem Versuchsrevier Buchholz bei Wuppertal unternommene Versuch, zehn Riesenmammutbäume im Stadtwald zu ziehen, ist fast völlig fehlgeschlagen. Einer blieb übrig und hat den erwarteten Zuwachs von jährlich einem Meter bisher verfehlt. (Von Armin Haß)

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