Fritz Emde hat sich 200.000 Kilometer abgestrampelt

Arolser Radler beweist: Das Alter ist auf dem E-Bike kein Maßstab

Radfahrer im Trikot befährt mit seinem  E-Bike einen Waldweg.
+
Von sportlichem Ehrgeiz getrieben: Der 75-jährige Fritz Emde ist täglich mit einem seiner vier E-Bikes unterwegs. Je nach Tagesform fährt er 50 bis 100 Kilometer.

Der 75-jährige Fritz Emde ist täglich mit einem seiner E-Bikes unterwegs. Je nach Tagesform legt er dabei 50 bis 100 Kilometer zurück. Inzwischen hat er schon über 200.000 Kilometer in seiner persönlichen Leistungsstatistik fein säuberlich dokumentiert.

Bad Arolsen - Die meisten Kilometer absolviert er auf Asphaltstrecken oder auf befestigten Forstwegen. Die sportlichen Herausforderungen des geplanten Grenztrails braucht Fritz Emde nicht.

Seine Passion fürs Fahrradfahren begann im August 2001 mit einem normalen Fahrrad. Mit diesem legte der sportliche Rentner, der sich über Jahrzehnte einen Namen als Kreissschützenmeister bei den Sportschützen gemacht hatte, bis Ende 2009 genau 21.572 Kilometer zurück. Im Jahr 2008 und im folgenden Jahr kamen nur noch 750 Kilometer zusammen. Die Lust, sich bei starken Gegenwind oder in den Bergen zu quälen, sank auf den Nullpunkt.

Mit Motorunterstüztung jeden Berg meistern

Auch sein erstes Pedelec konnte daran nur wenig ändern. Grund war der schwache Akku, der mit bescheidenen 260 Wattstunden schnell schlapp machte. Mit dem Ersatzakku und weiteren 320 Wattstunden vergrößerte Emde seinen Bewegungsradius auf 80 bis 90 Kilometer. Bis Ende 2012 schaffte er so immerhin 24.987 Kilometer. Sein sportlicher Ehrgeiz war geweckt.

Über die Jahre wurden weitere Fahrräder, mal mit Hecknabenmotor, mal mit Mittelmotor ausprobiert. Zwei Akkus mit stolzen 558 Wattstunden, einer davon als Ersatzakku in einer Spezialtasche am Gepäckträger befestigt, ermöglichte Touren von bis zu 170 Kilometern. Der E-Biker Fritz Emde ist technisch versiert, kann viele Reparaturen selber ausführen und hat sich inzwischen einen beachtlichen Werkstatt-Vorrat an Ersatzteilen zugelegt, denn bei seiner Fahrleistung müssen Ritzelkränze und Ketten sowie Bremsbeläge und Schläuche regelmäßig ausgetauscht werden.

Fast jeden Tag auf dem Sattel

Emde: „Mein Ersatzteillager, das ich mir schon vor fünf Jahren angelegt hatte, ohne zu wissen, dass all diese Teile in Coronazeiten einmal knapp werden könnten, hat sehr gelitten. So hatte ich vor kurzem keine Ritzelkassette mehr, auch die Ketten wurden Mangelware.

Besonders stolz ist Fritz Emde nicht so sehr auf seine ersten 100.000 Kilometer, die er im August 2016 erreichte, weil er sich hierfür viele Jahre Zeit ließ. Deutlich größer war die sportliche Leistung für die danach absolvierten 105.587 Kilometer, denn die addierten sich, weil er sich fünf Jahre lang im Schnitt 21 117 Kilometer pro Jahr abstrampelte.

Vollgefedert und gelenkschonend

Emde: „Durchschnittlich war ich an 318 Tagen im Jahr unterwegs. Eine Spitzenleistung die ich nie wieder erreichte, fuhr ich im Juni 2017 mit 2711,6 Kilometern im Monat. Hier flossen mehrere Strecken mit 100 bis 120 Kilometern ein und auch Doppeltouren, da ich mit einem Freund morgens eine Kurzstrecke von 45 Kilometern gefahren bin und nachmittags noch eine normale Strecke über 60 bis 70 Kilometer.

Inzwischen sind auch die Pedelecs in die Jahre gekommen: das alte Raleigh hat fast 80.000 Kilometer gelaufen. Das älteste Giant 47.000 Kilometer und das neuste, ein Giant Fully (vollgefedert), hat nach zweieinhalb Jahren 23.500 Kilometer auf dem Tacho.

Nie ohne Helm unterwegs

Einen Fritz Emde ohne neue Ziele gibt es nicht. So träumt der Biker jetzt vom Etappenziel 250.000 Kilometer. Dabei ist es ihm wichtig, gesund zu bleiben und keine Fahrradunfälle zu erleben, so wie im Juni 2011 und Juli 2012, als er von Autofahrern übersehen wurde.

Seitdem ist er nur noch mit Warnweste und häufig mit Licht unterwegs. Ohne Helm ist Emde noch keinen Kilometer gefahren. Ein zerbrochener Helm beweist, dass Helme Leben retten können.

Emde: „Aber wie sagt man so schön? Man muss immer mit der Dummheit der Anderen rechnen. Und meine Schutzengel im Himmel sind auch nicht jünger geworden.“     (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare