Umgang mit Gedenktagen soll neu überdacht und für Jugend greifbar gemacht werden

Arolser Schüler hinterfragen Volkstrauertag

Blick über die Gräber gefallener Soldaten an dem Kriegsgräber-Gedenkstätte in Breuna. Foto: Katharina Diele

Bad Arolsen - Mit den historischen Hintergründen des Volkstrauertages beschäftigten sich Schüler der Christian-Rauch-Schule im Rahmen ihrer Projektwoche. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden beim Gedenktag einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Umgang mit Gedenktagen ist gerade für Jugendliche nicht immer einfach und meist nur schwer in den historischen Zusammenhang zu setzen. Deshalb war Oberst a.D. Jürgen Damm, der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), ganz begeistert, als er von Geschichtslehrer Erich Müller gebeten wurde, das Projekt „Gedenktage heute“ zu begleiten.

Am Volkstrauertag, der in diesem Jahr am 17. November begangen wird, soll an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert werden. Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss der Volksbund, einen nationalen Trauertag einzurichten. 1933 wurde durch die Machtübernahme der Nazis aus dem Volkstrauertag der Heldengedenktag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag vom Volksbund wieder aufgenommen. 1952 beschloss der Bundestag, den Volkstrauertag wieder am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent zu begehen.

Dieser Gedenktag ist nach Jürgen Damms Beobachtungen bei den meisten Zeitgenossen in Vergessenheit geraten, da es seit 70 Jahren keinen Krieg mehr in Deutschland gegeben habe. Mit der Zeit sei die Zahl der unmittelbar Betroffene in Deutschland immer geringer geworden. Früher seien um die 200 Menschen zur Gedenkfeier auf dem Arolser Friedhof erschienen. Jetzt kämen zu den Gedenkfeiern fast ausschließlich ältere Menschen und offizielle Vertreter der Stadt.

Das langfristige Ziel des Schülerprojektes sei es, so Oberst Damm, die Feierstunde zu verändern, damit auch junge Leute auf den Volkstrauertag aufmerksam werden und über Krieg und Gewalt nachdenken. Denn Frieden sei nicht etwas, was die Uno inszeniere, sondern was zwischen den Menschen geschehe. Jeder trage Verantwortung.

Ein ähnliches Projekt gab es auch zur gleichen Zeit an der Karl-Preising-Schule. Dort beschäftigten sich die Schüler mit Einzelschicksalen von früheren Schülern ihrer Schule, die aufgrund ihrer Behinderung Opfer des Euthanasie-Programms in Nazi-Deutschland wurden.

Die CRS-Schüler unternahmen mit ihren Betreuern Exkursionen in die evangelische Stadtkirche, in das Museum Historicum 20, zu den Friedhöfen von Bad Arolsen und nach Mengeringhausen.

In Breuna wurden die Kriegsgräber besucht. Hier sind gefallene Soldaten verschiedener Nationen beigesetzt, unter ihnen ein Mann, über dessen Lebenslauf sich die Schüler informiert hatten.

Die Schülerinnen Cansu Uzunbacak und Andrea Gavric beschäftigten sich mit der verheerenden Bombennacht vom 22./23. Oktober 1943, als Kassel in Schutt und Asche gelegt wurde. Dazu interviewten sie eine 75-jährige Zeitzeugin, die als Fünfjährige diese schreckliche Nacht miterlebte. Bis heute hat sie davon ein Trauma, vor lauten Geräuschen hat sie Angst.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen die Schüler beider Schulen am Sonnabend, 16. November, um 15 Uhr in der Stadtkirche vor.

Die Gedenkfeier am Volkstrauertag, 17. November, findet um 11.30 Uhr auf dem städtischen Friedhof am Königsberg statt.

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