Frankfurter Psychologin ist in Bad Arolsen aufgewachsen

Arolserin schreibt Fachbuch über Selbstzweifel: Als wenn Erfolg nur Zufall wäre

Sonja Rohrmann ist Professorin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Goethe-Universität Frankfurt.
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Sonja Rohrmann ist Professorin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Goethe-Universität Frankfurt.

„Wenn große Leistungen zu großen Selbstzweifeln führen“, lautet der Titel eines Buches, das die Psychologin Prof. Dr. Sonja Rohrmann veröffentlicht hat.

Bad Arolsen.  Die aus Bad Arolsen stammende Wissenschaftlerin ist Professorin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik und seit Mai 2018 Dekanin des Fachbereichs für Psychologie und Sportwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Prof. Rohrmann hat 1986, damals noch unter ihrem Mädchennamen Sonja Huwe die Abiturprüfung an der Christian-Rauch-Schule abgelegt. Danach studierte sie Psychologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Hoch fliegen, tief stapeln

In ihrer jüngsten Buchveröffentlichung geht es um Selbstzweifel, ein Problem, das viele erfolgreiche Menschen plagt, über das sie aber nur selten reden. Das von ihr beschriebene Phänomen bringt Prof. Rohrmann so auf den Punkt: „Hoch fliegen, tief stapeln“. Gerade unter Wissenschaftlern sei das „Hochstapler-Selbstkonzept“ typisch, so die Psychologin.

Viele erfolgreiche Menschen neigten dazu, ihre beruflichen Erfolge nicht mit den eigenen Fähigkeiten zu erklären, sondern mit glücklichen Umständen, Zufall oder einem glücklichen Timing. Prof. Rohrmann: „Sie erfahren hohe Anerkennung von anderen, sind aber - trotz einer Reihe von Belegen für ihre hervorragenden Leistungen - davon überzeugt, von anderen überschätzt zu werden.“

Hochstapler-Selbstkonzept oder Impostor-Phänomen

Statt die mit hohem Erfolg verbundenen Merkmale wie Anerkennung, Macht und Status zu genießen, hätten sie das Gefühl, diese nicht verdient zu haben. Sie lebten in ständiger Angst vor Versagen und der Entlarvung als Hochstapler, wenn andere den vermeintlichen Schwindel durchschauen. Dieses Phänomen wird als Hochstapler-Selbstkonzept oder auch Impostor-Phänomen bezeichnet.

Besonders an Hochschule sei dieses Phänomen weit verbreitet, so die Psychologin. Der Erfolg sei häufig hart erkauft, denn letztlich überschritten Personen mit Hochstapler-Selbstkonzept häufig ihre Grenzen und die Arbeit nehme einen so großen Anteil in ihrem Leben ein, dass die Work-Life-Balance nicht mehr gegeben sei.

Infolgedessen komme es häufig zu einer starken körperlichen und psychischen Belastung bis hin zur Entwicklung einer Depression. Im Rahmen eines Coachings können eingefahrene dysfunktionale Denk- und Verhaltensmuster identifiziert und verändert werden, so der Ansatz der Psychologin.

Wissenschaftliche Arbeiten auch im Bereich der Rechtspsychologie

Prof. Rohrmann leitet seit 2009 die Professur für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Frankfurt am Main. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Stress- und Emotionsforschung.

Neben der Grundlagenforschung geht es ihr um die anwendungsbezogene Umsetzung der Befunde im klinischen und arbeitspsychologischen Bereich (zur Gesundheitsförderung, zur Förderung der Arbeitszufriedenheit, der Motivation und Leistungsfähigkeit) unter Berücksichtigung interindividueller Differenzen im Persönlichkeitsbereich.

Die von ihr eingerichtete Arbeitsstelle für Diagnostik und Evaluation (ADE) stellt eine Schnittstelle von Wissenschaft, Lehre und beruflicher Praxis dar. Der Schwerpunkt der ADE liegt in der Erstellung rechtspsychologischer Sachverständigengutachten - im Auftrag hessischer Gerichte und Staatsanwaltschaften - in den Bereichen familienpsychologischer und aussagepsychologischer Begutachtung.

Das Buch ist für 19,95 Euro im Handel erhältlich:  ISBN 978-3-456-85772-5

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