Fachdienst Landwirtschaft Waldeck-Frankenberg organisiert Rundfahrten

Regionale Produkte brauchen kurze Wege: Entdecker im Schlachthof

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Besuch von Verbrauchern im Schlachthof Mengeringhausen: Geschäftsführer Dirk Blettenberg (links) informiert die Besucher über die Arbeitsabläufe und Kosten.  

Bad Arolsen. Zu landwirtschaftlichen Entdeckungstouren durch den Landkreis sind an diesem Wochenende interessierte Verbraucher eingeladen, die mehr über die Vielfalt der Landwirtschaft im Landkreis erfahren möchten. Start war am gestrigen Freitag am Kreishaus.

Von hier aus wurden unter Führung des Fachdienstes Landwirtschaft der Biohof von Christoph Dietzel in Berndorf und der Demeter-Hof Müller und Hofius in Helsen besucht. Weiter geht es morgen auf Höfen in Sachsenberg, Neukirchen und Fürstenberg.

Im genossenschaftlichen Schlachthof der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischvermarktung in Mengeringhausen erfuhren die Teilnehmer von Geschäftsführer Dirk Blettenberg, dass hier im vergangenen Jahr rund 40.000 Schweine und rund 5800 Rinder vermarktet wurden. Im Großschlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück werde diese Menge an einem einzigen Tag umgesetzt, umriss Blettenberg die Dimensionen.

Geschlachtet wurden im Jahr 2018 in Mengeringhausen rund 8500 Schweine und 600 Stück Großvieh. Aktuell haben sich die Schlachtzahlen beinah verdoppelt, weil Mengeringhausen auch die Schweine aus dem derzeit geschlossenen Schlachthof in Bad Wildungen übernimmt.

In Waldeck-Frankenberg gebe es eine kleinteilige Landwirtschaft, für die der Schlachthof in Mengeringhausen Nischenangebote mache: Schweine aus der Region könnten hier mit nur kurzen Anlieferfahrten und nach angemessener Ruhezeit so schonend wie möglich geschlachtet werden.

Das sei wichtig für die handwerklichen Metzgereien der Region und für Biobetriebe. Für die Belieferung von Supermärkten sei diese kleinteilige Form der Schlachtung und Zerlegung nicht kosteneffektiv genug.

Hinzukomme, dass die Kosten für die Fleischbeschau in den benachbarten Bundesländern deutlich niedriger seien als in Hessen. Seit der Havarie in Bad Wildungen übernehme man in Mengeringhausen die Wildunger Tiere, hoffe aber, dass der Betrieb in Bad Wildungen bald wieder seine Arbeit aufnehme. 

Karlfried Kuckuck vom Fachdienst Landwirtschaft bekräftigte, dass die Politik das Problem der Schlachthöfe erkannt habe. Damit im Fleischgewerbe nicht dasselbe passiere wie etwa bei der Milchverarbeitung wolle man alles daran setzen, regionale Schlachtbetriebe zu erhalten, um lange Transportwege zu vermeiden.

Kuckuck: „Wir produzieren hier gute Milch und fahren sie teilweise bis nach Holland, um von dort die Butter geliefert zu bekommen. Deshalb sei die Upländer Bauernmolkerei genauso wichtig für die heimische Landwirtschaft wie die Schlachthöfe in Bad Wildungen und Mengeringhausen.“

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