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Auf Gut Kappel bei Mengeringhausen bekommt der Bruderhahn eine Chance 

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Auf der grünen Wiese des Demeter-Hofes Gut Kappel bei Mengeringhausen genießt eine Herde Hähne ihren Auslauf und die frische Luft. Mit einem „Ethik-Paket“ wollen die Biobauern Bernd Hübner (links) und Johannes Rodewyk das Bruderhahn-Konzept noch näher an den Verbraucher bringen.  

Hahnenkämme sind auf Gut Kappel allerorten zwischen den emsig scharrenden Hühnern auszumachen. 

In ihrer Funktion als Flugabwehr warnen sie ihre Hennen lautstark, sobald sich ein mutmaßlicher Feind nähert, und animieren die Gruppe, rasch unter Büschen oder im Wintergarten unterzuschlüpfen.

Seit mehr als dreißig Jahren haben die Hähne ihre Lebensberechtigung auf dem Demeter-Hofgut bei Mengeringhausen. Die Betreiber Johannes Rodewyk, Inhaber des Bioladens in Bad Arolsen, und Bernd Hübner, der als Mitgesellschafter mit seiner Familie seit eineinhalb Jahren auf dem Hofgut lebt, wollen aber noch mehr.

Bereits im Jahr der Demeter-Zertifizierung von Gut Kappel in 2014, erklären Rodewyk und Hübner, habe sich der Betrieb der Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) angeschlossen. Das Ziel: die männlichen Hühnerküken vor dem sogenannten Schreddern ihrem Tod schon am ersten Lebenstag zu bewahren.

Glückliche Hühner auf der grünen Wiese

Das Thema Kükenschreddern ging im vergangenen Juni durch alle Nachrichten: nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bleibt das Töten männlicher Küken bis zur Einführung alternativer Verfahren vorerst erlaubt. Zumal andere Methoden wie das Scannen der Eier auf geschlechtsspezifische Merkmale noch nicht ausgereift sind, biologische Risiken bergen und auch ethisch nicht unkritisch beurteilt werden.

Das Bruderhahn-Konzept sieht anderes vor. In Bio-Betrieben werden die Hähne bis zu einem Alter von achtzehn Wochen aufgezogen, geschlachtet und ihr Fleisch zum Verzehr angeboten.

Die Lebensdauer der Bruderhähne sei somit bis zu fünfmal länger als in der konventionellen 30-tägigen Hähnchenmast, betont Johannes Rodewyk. Gefüttert werden die Hähne auf Gut Kappel, die ihr Leben auf der grünen Wiese sichtlich genießen, mit derselben Demeter-zertifizierten Futtermischung wie die rund 4000 freilaufenden Legehennen.

Auf deren Eier werden im Gegenzug jeweils mehrere Cent Aufschlag erhoben, um die Aufzucht der Brüderhähne zu ermöglichen. Für kleine Betriebe, unterstreicht Bernd Hübner, sei das eine praktikable Lösung.

Der Verbraucher ist gefragt

Dass sich aktuell nur eine kleine Herde Bruderhähne auf der Wiese bei Gut Kappel tummelt, liegt letztendlich am Verbraucherverhalten. Im Moment läuft das nur auf Vorbestellung. „So viele Hähne, wie wir gerne aufziehen würden, kriegen wir nicht los“, stellt Johannes Rodewyk fest. 

Ideal wäre daher aus Sicht der Mengeringhäuser Biobauern ein Ethik-Paket, bestehend aus jährlich 250 Eiern, Hahn und Huhn, dessen Vermarktung Rodewyk und Hübner anstreben. Rund 250 Eier im Jahr entsprechen der jährlichen Legeleistung einer Biohenne. Diese wird nach maximal zwanzig Monaten geschlachtet und als Suppenhuhn vermarktet. Bei entsprechender Nachfrage könnte zu jedem Huhn auch der Bruderhahn aufgezogen werden.

 „Wenn jeder Verbraucher bei durchschnittlich sechs Eiern pro Woche noch ein Suppenhuhn und einen Bruderhahn abnimmt, geht die Rechnung auf“, erklärt Rodewyk das Konzept. Den Biobauern würde dies zudem Planungssicherheit bieten. Auf Gut Kappel wird nun überlegt, auf welche Weise sich das Ethik-Paket am besten an den Verbraucher bringen lässt. 

Mit Blick auf die Nachbarländer bewegt die Biobauern aber noch ein weiteres Problem. „Das Ausland macht nicht mit. Wenn in Deutschland die Eier mehrere Cent teurer sind, weil wir die Hähne leben lassen, wird das zum Wettbewerbsnachteil für unsere Legehennenbetriebe“, unterstreichen Hübner und Rodewyk.

 Am Bruderhahn-Konzept wollen sie dennoch festhalten. Für Kunden, die noch unsicher sind, wie sie das festere Fleisch der Bruderhähne verarbeiten sollen, hält Johannes Rodewyk übrigens Tipps und Rezepte in seinem Laden bereit.

(von Sandra Simshäuser)

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