Historicum 20 gestaltet Wachhäuschen vor Arolser Kaserne neu

Ausstellung wächst wieder

Das Museum „Historicum 20“ im ehemaligen Stabsgebäude mit neuen Info-Tafeln in den Wachhäuschen vor der Kaserne. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Das Museum „Historicum 20 - Forum Zeitgeschichte“ geht‘s wieder voran. Interne Streitfragen wurden geschichtet. Der Mietvertrag für die Museumsräume im historischen Stabsgebäude der belgischen Kaserne wurde nachverhandelt. Jetzt wird wieder nach vorn geschaut.

Die 20 anwesenden Mitglieder hörten die Nachrichten bei der Jahreshauptversammlung gern. Nun soll daran gearbeitet werden, das Historicum und die einzigartigen Ausstellungsräume in der Öffentlichkeit präsenter zu machen. Vielleicht lassen sich auch noch ein paar zusätzliche Mitglieder werben.

Das „Historicum 20“ widmet sich vor allem der Geschichte des Alleefeldes in der Arolser Innenstadt im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Kaserne des 83er-Regiments im 1. Weltkrieg, Schulstandort für das Realgymnasium in der Weimarer Republik, SS-Führerschule im Dritten Reich, Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald, nach dem Krieg Heimstatt für die Vorgänger-Organisation des Internationalen Suchdienstes, Nato-Standort für belgische Truppen und zuletzt Parkplatz für einen modernen Supermarkt mit Baumarkt. Das sind die markantesten Stationen, an denen sich die Entwicklung der Weltgeschichte in einer Kleinstadt ablesen lässt.

Neuerdings ist vor allem die Sammlung von Erinnerungsstücken an die belgische Garnison deutlich aufgestockt worden. So kamen durch Vermittlung des ehemaligen belgischen Schulleiters Maurice Bulckens historische Uniformen des Regimentes 1. Jagers te Paard von Soest zurück nach Arolsen. Diese Uniformen sind den ursprünglichen Uniformen der Jagers aus dem Jahre 1831 nachempfunden. Sie wurden in den 60er Jahren in der Mengeringhäuser Kleiderfabrik Kaiser geschneidert.

Weitere Exponate sollen für eine Sonderausstellung im Jahr 2019 zusammengetragen werden. Dann jährt sich der Abzug der Belgier zum 25. Mal.

Ergänzt wird in diesen Tagen auch die Ausstellung von Lebensgeschichten Arolser Familien mit Migrationshintergrund. Flüchtlingsfamilien, die nach dem zweiten Weltkrieg hier heimisch wurden, werden ebenso dargestellt wie Gastarbeiterfamilien, Spätaussiedler und - das ist neu - Evakuierte aus dem Saarland.

Die Kooperation des Internationalen Suchdienstes mit dem Historicum wird wieder intensiver. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit soll die Dokumentation von vier Häftlings-Schicksalen im Außenlager Artur sein.

Im vergangenen Jahr führte der stellvertretende Vorsitzende Udo Jost 1200 Besucher durch das Museum Historicum, darunter 160 ehemalige belgische Soldaten im Rahmen ihres Ehemaligentreffens. Aber auch viele Schülergruppen und weitere Besucher der Stadt zeigten großes Interesse. Dazu wurden die festen Öffnungszeiten am Sonntag gestrichen. Stattdessen steht Udo Jost nun quasi telefonisch auf Abruf für Führungen bereit. Termine vermittelt das städtische Gästezentrum.

Zu den Höhepunkten der Vereinsarbeit im vergangenen Jahr zählten die Umsetzung des Deutschland-Denkmals und dessen Einbindung in eine Straße der Gedenksteine. Die Andacht und der Festakt zur Denkmal-Umsetzung waren sehr gut besucht und beweisen das nach wie vor ungebrochene Interesse an der Thematik.

Die Berliner Dokumentationsstelle „Bernauer Straße“ hat übrigens das Arolser Deutschland-Denkmal auch in seiner Dokumentation aufgenommen.

In den vergangenen Tagen wurden die überarbeiteten, transparenten Gedenktafeln erneut in den beiden Wachhäuschen am Kaserneneingang eingebaut. Sie sollen nachts beleuchtet werden. Auf die Wirkung darf man gespannt sein.

Nächste Veranstaltung des Historicums ist eine gemeinsame Vortragsveranstaltung mit dem Internationalen Suchdienst: Am Donnerstag, 7. Mai, geht es um 19.30 Uhr in den Räumen des Rauch-Museums um das Thema: „Zwischen Achtung und Ächtung. Opfer nationalsozialistischer Herrschaft im Bild der deutschen Öffentlichkeit.“

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