300 Jahre Bad Arolsen

Ein Stadtplan für die Ewigkeit: Bad Arolsen bekommt Stadtmodell aus Bronze

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Besuch im Atelier des Bronzekünstlers:  von links der Architekten Jürgen Schimmelpfeng vom Architektürbüro Müntinga und Puy, den städtischen Architekten Dirk Homberg, Künstler Egbert Broerken und Rolf Crone als Vorsitzenden der Initiative Pro Bad Arolsen.

Bad Arolsen Zum ihrem 300. Geburtstag soll die Stadt Bad Arolsen ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Ein repräsentatives Bronzemodell soll es sein. Das hat sich Rolf Crone von der Initiative Pro Bad Arolsen schon vor Jahren überlegt und mit dem Spendensammeln begonnen.

An dem Geschenk beteiligen wird sich die Europäische Union auf dem Umweg über das Förderprogramm Leader, denn schließlich ist das Bronzemodell als zusätzliche Touristenattraktion angelegt. Stadtmodelle aus Bronze sind die Spezialität des Soester Künstlers Egbert Broerker. 

Bei einem Besuch in seinem mittelalterlichen Wasserschloss am Rande der westfälischen Hansestadt hat eine Abordnung der Initiative Pro Bad Arolsen jetzt wichtige Ausführungsdetails mit dem Künstler abgesprochen. Das Modell wird auf einer Grundfläche 2,15 Meter mal 1,10 Meter die Straßen und Gebäude der barocken Planstadt darstellen, wie sie einst von Stadtplaner Julius Rothweil und seinem Fürsten Anton Ulrich erdacht wurde. 

Was soll alles dargestellt werden?

Dazu gehört auch, zumindest angedeutet, der nicht vollendete zweite Flügel der Stadt, der in der Verlängerung der Schlossstraße in Richtung der heutigen Schön-Klinik geplant war, bis den barocken Fürsten das Geld ausging. Dieser Teil der Planstadt wird voraussichtlich nur mit zarten Umrissen angedeutet, während die tatsächlich vorhandenen Häuser im Miniaturformat mit allen Details nachgebildet werden.

Auch die typischen Dachformen, die Mansarddächer, die Gauben sowie die Fenster und Türen sollen dargestellt werden. Alles in allem eine unglaublich kleinteilige Fleißarbeit wartet auf den Künstler, der sich zusammen mit seinem Sohn Felix auf die Herstellung solcher Stadtmodelle spezialisiert hat. 

Sein erstes Stadtmodell aus Bronze hat Egbert Broerker nach einer sehr eindringlichen Begegnung in er Altstadt von Soest geschaffen. Damals beobachtet er eine Stadtführung für Blinde und hörte die Stadtführerin den romanischen Dom beschreiben, dessen Turm 67 Meter misst. Soest ist Sitz der nordrhein-westfälischen Blindenschule und so habe er sich gefragt, wie eine solche Beschreibung auf Menschen wirken mag, deren Sehvermögen stark eingeschränkt ist. 

Wo gibt es bereits Stadtmodelle aus Bronze?

Sein damaliger Lehrauftrag an der Fachhochschule für Design an der Universität Münster habe ihm die Möglichkeit gegeben, mit Studenten ein Stadtmodell zu erarbeiten, das auch von Blinden erfühlt und ertastet werden kann. Straßennamen und die Bezeichnung von Plätzen und Kirche brachte er in Blindenschrift auf das Bronzemodell und schuf damit den Prototyp für 170 Stadtmodelle, die bis heute in ganz Deutschland, in den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz zu bestaunen sind. 

Sogar in der aserbaidschanischen Baku können sich Touristen an einem Stadtmodell aus der Werkstatt von Egbert Broerker orientieren. Und demnächst auch in Bad Arolsen: An der Königin-Emma-Straße, unmittelbar vor dem Residenzschloss soll das nächste Bronzemodell aufgestellt werden. 

Wo soll das Stadtmodell in Bad Arolsen aufgestellt werden?

Jürgen Schimmelpfeng vom Architekturbüro Müntinga und Puy betreut das Projekt schon seit Beginn der Planungen bei der Initiative pro Bad Arolsen. Ihm schwebt der Bau eines Tisches aus patiniertem Edelstahl vor, auf den das Stadtmodell fest verankert wird. 

Hier sollen künftig die Stadtführungen beginnen und den Gästen der Stadt einen ersten Überblick über die große Idee der barocken Stadtanlage geben: Das Schloss als Mittelpunkt der Macht, von der symmetrisch angelegt die Stadt ausstrahlt. Je näher am Schloss, desto wichtiger das Gebäude und seine Bewohner: Zuerst die hohen Beamten, dann die niederen Chargen. Dann, in der Kreuzgasse, der heutigen Kaulbachstraße, die Handwerker und Hofmusiker. 

Wie wird das Bronzemodell gegossen?

Und am Ende der Schlossstraße die Stadtkirche, ausgerichtet nicht nach Osten, sondern in Richtung Schloss. Das Stadtmodell von Künstler Broerker soll vom alten Friedhof an der Robert-Wetekam-Straße bis hin zur Schön-Klinik an der Wetterburger Straße reichen, vom Kurpark und dem neuen Schloss bis hin zum Schlossteich mit Bootshaus. Und alles möglichst detailgenau dargestellt im Maßstab 1:650. 

Wie entsteht das Bronzemodell? - Karl Mönig links hält ein Gebäudemodell aus Styrodur. Künstler Egbert Broerker erklärt das Verfahren.

Bei der Herstellung seiner Gebäudemodelle beginnt der Künstler mit Nachbauten aus Styrodur. Die werden mit Silikon abgeformt und mit einer Gipskappe umhüllt. Die Gipsform wird mit Wachs in sieben Millimeter Stärke ausgedrückt. dabei lässt der Künstler daumendicke Guss- und Lüftungskanäle. Der Rest der Form wird mit Schamottpulver angefüllt und bei 640 Grad fest gebrannt. 

Wer soll das Bronzemodell bezahlen?

Dabei entweicht das Wachs und es entsteht ein Schamottblock, der schließlich in einer Gießerei bei Münster mit Bronze ausgegossen werden kann. Als realistischen Fertigstellungstermin nennt Künstler Broerker Mitte/Ende August. Bis dahin müssen die Vorarbeiten vor dem Schloss abgeschlossen sein. Dazu gehören die Anlage von Fundamenten und das Pflastern des Plastes rund um das Stadtmodell. 

Die Kosten von das ganze Projekt inklusive Bau des Präsentationstisches in der Königin-Emma-Straße und das Anfertigen des Modells werden auf rund 80.000 Euro geschätzt. Drei Viertel davon erhält die Stadt aus Mitteln des europäischen Leader-Programms als Zuschuss. 

Den Rest bringt die Initiative pro Bad Arolsen aus Mitgliedsbeiträgen und spenden auf. Alle Bad Arolser sind eingeladen, sich mit eigenen Spenden an der Finanzierung zu beteiligen.

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