Interview

Die Bad Arolsen Company ist seit 20 Jahren kreativ: Wozu das ganze Theater?

Bad Arolsen – Angefangen hat alles mit einem Aufruf in der WLZ: „Wer hat Lust, mit Theater zu spielen?“ - Es meldeten sich 16 Interessierte und gründeten die Bad Arolsen Company. Das liegt jetzt 20 Jahre zurück. Ein Interview mit den Machern Jens Guske, Rainer Freudenstein und Jochen Kentel.

Grund genug für das BAC-Ensemble zufrieden Bilanz zu ziehen und Pläne für die Theaterzukunft zu schmieden. Höhepunkt im Jubiläumsjahr wird ein Potpourri der schönsten Musikrevuen sein. Für einen würdigen Rückblick auf zwei Jahrzehnte BAC-Theater nahmen die Macher jetzt auf dem blauen Sofa der Waldeckischen Landeszeitung Platz. Dazu wurde das mobile Sofa eigens auf der Bühne des BAC-Theaters ins rechte Licht gerückt.

Die Requisite steuerte eine Wohnzimmerleuchte, einen Tannenbaum und eine Schwimmhilfe mit Entenschnabel bei, irgendwie verrückt - Theater eben.

Herr Guske, Sie haben vor 20 Jahren die verrückte Idee gehabt, eine Theatergruppe zu gründen. Wie war das damals?

Jens Guske: Ich war damals als junge Lehrer von Bremen nach Arolsen gekommen. Was es da so gab, war nicht meins. Deshalb der Aufruf in der WLZ. Unser erstes Stück war Tango von Slawomir Mrozek, aufgeführt am 19. September 1999. Da werden die 68er ad absurdum geführt.

Damals war schon klar, dass Sie mit einem besonderen Anspruch ans Theatermachen gehen.

Jens Guske: Theater sollte nicht erst mit dem Vorhang beginnen, sondern am besten schon gleich beim Eintritt ins Foyer. Wie bei Roncalli sollte der Besucher gleich umfangen werden von einer anderen Welt. Die Zuschauer sollten nicht nur wegen des Stückes kommen, sondern weil sie die Wohlfühloase lieben.

Aber die typische BAC-Atmosphäre war nicht von Anfang an da.

Jens Guske: Das stimmt. Zuerst hatten wir als Theater kein Zuhause. Das erste Stück wurde im Saal des Bathildisheims gegeben. Mit „Wirklich schade um Fred“ waren wir im Schloss. Eine Lesung am Holocaust-Gedenktag haben wir an einem Januarabend im eiskalten Stabsgebäude der ehemaligen SS-Kaserne gegeben. Ein Stück über Jeanne d’Arc haben wir am Weltfrauentag in der Stadtkirche aufgeführt und die Tucholsky-Revue im „Come In“. Die „Dreigroschenoper“ im Bürgerhaus und den „Jedermann“ vorm Schloss. Wir haben die ganze Stadt bespielt!

Und wie kam die Bad Arolsen Company zum eigenen Theater?

Rainer Freudenstein: Das war so um den Hessentag 2003. Da hörten wir, dass diese ehemalige Werkhalle zur Vermietung anstand. Wir haben damals lange im Vorstand diskutiert. Und ich weiß noch, wie Tina Rummel sagte: „Das ist wohl ‘ne Nummer zu groß für uns.“

Aber Sie fanden einen verständnisvollen Vermieter?

Jochen Kentel: Unser Vermieter hat ein Herz fürs Theater und deshalb ist die Miete für uns bezahlbar.

Kann sich das BAC-Theater auf weitere Sponsoren verlassen?

Rainer Freudenstein: Wir sind leider völlig zuschussfrei. 60 Theaterfreunde haben 100 Euro gegeben. Damit haben wir 60 neue Stühle angeschafft. Inzwischen haben wir 120 neue Sitzplätze.

Jochen Kentel: Projektbezogen fließen manchmal Zuschüsse, etwa von der Sparkassenkulturstiftung. Der größte Zuschuss kam von der Aktion Mensch: Mit 34 000 Euro konnten wir 2011 unsere Toilettenanlage barrierefrei gestalten. Das hat uns sehr geholfen. Und alle Umbauten haben wir mit unseren Mitgliedern selber gestemmt. Einer der fleißigsten ist Horst Preiß. Der ist immer aktiv und mit guten Ideen vorne weg.

Und wie funktioniert das mit der Auswahl der Stücke und der Besetzung der Rollen? Gibt es genügend Nachwuchs?

Rainer Freudenstein: Unser Flaschenhals sind die Regisseure. Wir haben nicht genügend Regisseure, die all die Stücke inszenieren können, die wir gerne spielen würden. Die Vorbereitung eines neuen Stückes dauert gut und gerne ein Jahr.

Und wer entscheidet, wer welche Rolle spielt?

Jens Guske: Die Besetzung der Rollen ist ein Wechselspiel von Vertrauen und verborgenen Talenten. Im Laufe der Proben merkt man schon, welche Rolle zu wem passt. Das Theater steht und fällt mit den Leuten, die mitspielen. Da gibt es natürlich auch mal Spannungen. Die BAC ist ein sehr lebendiges, diskussionsfreudiges Theater.

Reiner Freudenstein: Es gibt immer mal Diskurse: Spielen wir das so oder anders? Das muss auch so sein. Der Regisseur weiß ja auch nicht alles. Und dann spielt man mal die Variante, eins, zwei, drei, vier fünf. .....

Und wie geht’s nun weiter mit dem BAC-Theater?

Jochen Kentel: Im Mai gibt’s ein Best-of mit den Liedern aus unseren Revuen, von Udo Jürgens über die Dreigroschenoper bis Kurt Tucholsky. Denn die BAC ist ja viel mehr als ein Theaterverein. Die Bad Arolsen Company ist ein Kulturverein. Die BAC ermöglicht Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Kinderkino, das Kommunale Kino. Für all das haben wir ja auch 2008 den Kulturpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg zugesprochen bekommen.

Hier befindet sich das BAC-Theater:

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