Gerichtsprozess gegen zwei ehemalige Türsteher

Bad Arolser Diskothekenschlägerei in der Großen Allee fortgesetzt - Viele Zeugen, viele Versionen

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Der Eingang zur Diskothek Sunset /Avalon in der Großen Allee: Im Bereich dieser Stufen sollen die Türsteher einen Gast zu Boden geworfen, geschlagen und mit Tritten malträtiert haben.

Bad Arolsen – Zwei ehemalige Türsteher einer Arolser Diskothek müssen sich seit gestern vor dem Korbacher Amtsgericht wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung verantworten, begangen in den frühen Morgenstunden des 11. März 2018. Die ursprünglich ebenfalls angeklagte, ähnlich gelagerte Tat vom 21. Oktober 2017 wird zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt.

Der Anlass für die Schlägerei am 11. März 2018 war harmlos: Ein 39-Jähriger Mann aus Medebach hatte mit seinen Freunden bis etwa fünf Uhr morgens im Raucherbereich der Diskothek gefeiert. Mit knapp 1,7 Promille Blutalkoholgehalt sprach er mehrere Gäste an, ob sie ihm nicht eine Zigarette geben könnten.

Mit einem der Angeschnorrten geriet er in Streit. Wegen seiner dunkeln Hautfarbe soll er als Flüchtling tituliert worden sein. Dadurch fühlte sich der Informatik-Kaufmann beleidigt, zückte seinen Personalausweis und wiederholte mehrfach „Ich bin Deutscher“. Wie zum Beweis soll er auch den Hitlergruß gezeigt und wütend mit Kopf und Faust mehrfach gegen die Holzwand gedonnert haben. 

Das daraufhin alarmierte Sicherheitspersonal der Diskothek drückte den wild um sich schlagenden Mann zunächst auf den Boden und geleitete ihn dann die Treppe hinunter und hinaus auf die Fahrbahn der Großen Allee. Dort sei er noch einmal zu Boden geworfen, geschlagen und getreten worden sein, beklagte das Opfer und verwies auf den ärztlichen Untersuchungsbericht und seine abgebrochenen Schneidezähne. Die angeschuldigten Türsteher wiesen jede Schuld von sich. Sie hätten die Aufgabe, Randalierer vor die Tür zu setzen, bevor sie andere Gäste stören könnten. 

Draußen gebe es Kollegen, die darüber zu wachen hätten, dass solche Gäste nicht wieder hineingelangen. Und dann ließ sich einer der Angeklagten bei der Verhandlung zu diesem Satz hinreißen: „Wenn ich den geschlagen hätte, dann würde er ein bisschen anders aussehen.“ Im übrigen arbeite er nicht mehr als Sicherheitsfachkraft: „Ich habe zu viele Anzeigen wegen Körperverletzung am Hals.“ Tatsächlich stehen in den nächsten Wochen noch weitere ähnliche Prozesse mit Türstehern dieser Diskothek auf dem Terminplan des Gerichts. Der neue Betreiber der Diskothek hat inzwischen einen anderen Sicherheitsdienst beauftragt, hieß es gestern. Das ändert aber offenbar nichts an der Gewaltbereitschaft mancher Gäste zu vorgerückter Stunde. „In jeder Diskothek gibt es ständig viele solcher Vorfälle“ gab ein erfahrener Mitarbeiter der Diskothek zu Protokoll. 

Zu Beginn seiner Vernehmung konnte er sich auch gar nicht an den jetzt angeklagten Fall erinnern. Erst, als das Stichwort „Hitlergruß“ fiel, war die Erinnerung wieder da. Das Verfahren wird am 6. Februar um 11 Uhr vor dem Korbacher Amtsgericht mit fünf neuen Zeugen fortgesetzt.

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