Wie bei der Einführung der Gurtpflicht im Auto

Bad Arolser IT-Experte: Jeder muss selber für den Schutz seiner Computer sorgen 

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Einfach nur den Stecker ziehen, hilft nicht: Der Mengeringhäuser IT-Sicherheitsexperte Andreas Pohl von der Firma Pohl Consulting Team.  

Bad Arolsen.  Hackerangriffe, Datenspionage und Sabotage sowie Datendiebstahl bedrohen längst nicht mehr nur große Unternehmen. Auch kleine und mittlere Firmen müssen sich darauf einstellen, über die Internetzugänge ihrer Computer verwundbar geworden zu sein.

Dazu bietet der Mengeringhäuser IT-Sicherheitsexperte Andreas Pohl Anfang März einen Workshop für Unternehmer an. Co-Referent ist der Profi-„Hacker“ Thomas Wittmann, der sich seit 35 Jahren intensiv mit IT-Sicherheit beschäftigt. Gemeinsam wollen sie aufzeigen, wo die Gefahren lauern und wie sich Unternehmen vor den Risiken schützen können.

„Der Totalausfall des Firmennetzwerkes ist für jedes Unternehmen der reine Horror“, macht Pohl deutlich: „Der Produktionsausfall ist das eine. Die Folgeschäden und mögliche Bußgelder wegen Verstößen gegen die Datenschutzvorschriften sind das andere.“

Nicht ohne Grund seien Wirtschaftsprüfer dazu übergegangen, solche Risiken in die Bilanz hineinzuschreiben: Wie groß ist das Risiko eines Datenlecks? Wie lang wären die Ausfallzeiten, wie lange dauert es, bis das System wieder hochgefahren werden kann? All das seien Fragen, die ein Unternehmer beantworten können müsse.

„Die meisten betroffenen Unternehmen bemerken gar nicht, dass sie ein Opfer von Hackern wurden. Teilweise laufen solche Angriffe über Wochen und Monate“, schildert Pohl seine Erfahrungen.

Oft würden Datenlecks erst durch Zufall aufgedeckt. Und dann müsse richtig gehandelt werden. Dazu gehöre auch die Meldung an die hessische Datenschutzbehörde. Wer das unterlasse, laufe Gefahr, mit einem dicken Bußgeld belegt zu werden.

Die gute Nachricht: Die Betreiber von Computersystem und Netzwerken können sich schützen, durch Firewalls, aber auch durch kluge Überwachungssysteme. Diese Systeme registrieren jede Abweichung vom üblichen Netzwerkverhalten: Erhöhter E-Mail-Versand, größere Datenströme, ungewöhnliche Zugriffe und manches mehr.

Und das Beste daran: Die Überwachungssysteme könnten auch sofort reagieren, wenn etwa von einem Arbeitsplatz sämtliche Kunden- oder Produktionsdaten kopiert würden, oder wenn das System beginnt, sämtliche Daten zu verschlüsseln.

Pohl: „Alle Computernutzer müssen sich endlich daran gewöhnen, Vorsicht walten zu lassen.“ Die Einführung der Datenschutzgrundverordnung, über die jetzt alle schimpfen, sei im Grunde mit der Einführung der Gurtpflicht auf den Vordersitzen von Autos in den 70er-Jahren zu vergleichen. Danach kam die Gurtpflicht auf den Rücksitzen. Heute verfüge jedes Auto über eine Vielzahl von Sicherheitssystemen, einem Dutzend Airbags und vieles mehr. All das sei auch beim Umgang mit Computern nötig. Die Technik sei nützlich, berge aber auch Gefahren, die man mit vorsichtigem Verhalten und klugen Systemen in den Griff bekommen könne.

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