Bad Arolser Schlossgespräch mit Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe

Von Pilatus bis Trump: Jeder hat seine eigene Wahrheit

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Was ist Wahrheit? - Wer hat die Wahrheit für sich gepachtet? Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und Filmemacher Thomas Henke im Schlossgespräch.   

Bad Arolsen. „Was ist Wahrheit?“, fragt der biblische Pilatus den Angeklagten Jesus, der von sich sagt, er sei gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Und dennoch erhält Pilatus keine Antwort auf seine Frage „Was ist Wahrheit?“

Den Versuch einer Annäherung an die Wahrheit wagten am Dienstagabend beim ersten Schlossgespräch der katholischen Kirchengemeinde der in Bad Arolsen wohnende Regisseur und Professor für Neue Medien, Thomas Henke und die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe.

Das Gespräch im Steinernen Saal, das in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde, der Stadt Bad Arolsen und der Stiftung des Fürstlichen Hauses stattfand, stieß auf derart großes Interesse, dass zu beginn der Veranstaltung noch Dutzende Stühle zusätzlich aufgestellt werden mussten.

Fake-News-Geplapper zerstört Vertrauen

Schließlich ist Wahrheit aktuell in aller Munde und die Suche nach ihr geistert durch viele Köpfe und noch mehr Smartphones, weil der amerikanische Präsident die für ihn unbequemen Wahrheiten regelmäßig als „fake news“ abstempelt.

„Eine schlimme Entwicklung“, urteilte Felicitas Hoppe: Der Begriff wird tausendfach nachgeplappert.“ Dabei gerieten alle, die von „fake news“ redeten in eine Manipulationsmaschine, in der das Vertrauen in die Institutionen untergraben werde. Hoppe: „Wo kein Vertrauen ist, kann Wahrheit nicht aufscheinen.“

Volles Haus im Residenzschloss: Das Interesse am ersten Schlossgespräch, einem neuen Veranstaltungsformat, war riesengroß.

Selbstverständlich sei jeder Konsument von Nachrichten aufgefordert, das Gehörte auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, aber ganz ohne Vertrauen gehe es nicht.

Was ist Wahrheit? - Mehrdeutig

Mit der Wahrheit ist das so eine Sache, auch und gerade in der Sprache. Im Deutschen gibt es viele Sprichworte und Redewendungen, die sich um die Wahrheit drehen: Jeder hat seine eigene Wahrheit. Es gibt die ganze, die halbe und die nackte Wahrheit. Letztere habe etwas Bedrohliches, gab die Schriftstellerin zu bedenken. Deshalb wolle auch niemand die nackte, ungeschminkte Wahrheit hören.

Viele Patienten wollten gar nicht die ganze Wahrheit über ihre Krankheit wissen und manche Betrogenen wollten gar nicht erfahren, wie es um ihre Beziehung wirklich stehe.

Es sei schon bezeichnend, was man im Online-Lexikon Wikipedia unter dem Begriff Wahrheit finde. Der erste Eintrag laute: „mehrdeutig“.

Was man unter Wahrheit empfinde, hänge stark vom Beruf ab. Für den Richter sei Wahrheit etwas anderes als für einen Pfarrer, Kaufmann oder Werbetexter. Für sie persönlich habe Wahrheit vor allem etwas mit Moralität und dem achten Gebot der Bibel zu tun: „Du sollst nicht lügen.“

Ein Mosaik verschiedener Wahrheiten

Medienwissenschaftler Thomas Henke stellte in diesem Zusammenhang fest: „Selbst wenn man die Wahrheit sagen will, ist es schwer zu wissen, ob man auch wirklich die Wahrheit sagt.“ Jeder habe seine eigene Wahrheit und man müsse sich auf den Weg machen, um die Wahrheit zu finden.

Dazu Hoppes Bild vom Mosaik: „Wenn jeder seine Wahrheit auf den Tisch legt, dann ergibt sich ein Mosaik der Wahrheit.“ Wahrheit werde in jeder Bibelauslegung neu definiert.

Im Gespräch mit den Zuschauern ergaben sich noch viele interessante Aspekte zu allen Facetten der Wahrheit. Da ging es um Klatsch und Tratsch, um Humor, Witz und Satire, die ebenfalls dazu beitragen können, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen und es ging um die letzte Wahrheit. Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Hoppe: „Das kann man nicht verstehen. Entweder man lebt und erlebt es, oder nicht. ... Schauen wir mal, was kommt.“

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