Neujahrsempfang mit Bischof Huber

Im Bathildisheim steht der  Mensch im Mittelpunkt

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Denkanstöße für die Entwicklung der Diakonie: Bischof i. R. Prof. Dr. Wolfgang Huber (Mitte) sprach beim Empfang des Bathildisheims. Links die beiden Vorstände Jens Wehmeyer und Dr. Christian Geyer, rechts Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Hausmann und Vorsitzender Dr. Jürgen Leiter.   

Bad Arolsen. Die Digitalisierung bringe Vorteile auch in diakonischen Einrichtungen, den Menschen mache sie aber nicht entbehrlich, sagte der frühere Ratspräsident der Evangelischen Kirche von Deutschland, Bischof i. R. Prof. Dr. Wolfgang Huber, beim Neujahrsempfang des Bathildisheims.

Zu dem Thema „Martin Luther und die Diakonie 4.0“ erklärte er vor rund 140 geladenen Gästen aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, dass für die Bereiche Pflege oder Bildung nicht weniger, sondern noch mehr Menschen benötigt würden.

Bei allen Chancen, die etwa intelligente Rollatoren oder Armbanduhren mit medizinischer Kontrollfunktion böten, drohe aber auch die Gefahr der totalen Überwachung, und zwar gerade in der Diakonie. In diesem Bereich und bei der Nutzung von Facebook komme den Akteuren große Verantwortung zu.

Es sei gefährlich und unverantwortlich, eine umgehende Digitalisierung zu fordern. Schließlich müssten ethische Fragen geklärt und dürften diese nicht Algorithmen überlassen werden. Auch digitale Geräte seien Geräte, die von Menschen erdacht würden.

Huber zeichnete den Wandel in der Diakonie von den Anfängen zur Zeit des Reformators Martin Luther bis zum Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg nach. Die marktförmige Umgestaltung des Sozialstaates mit der Ökonomisierung der Dienstleistungen und des offenen Wettbewerbs mit privaten Trägern habe die Angebote billiger machen sollen, doch in fast allen Bereichen sei es zu Kostensteigerungen gekommen.

Wirtschaftlich verantwortlich arbeiten heiße nicht, den Mitarbeiter als Kostenfaktor und den Kunden oder Klienten in der Diakonie als Umsatzfaktor zu betrachten. Gefragt seien unternehmerisches Handeln in christlicher Verantwortung. Das Bathildisheim sei in seiner Struktur gut aufgestellt.

Es gelte, die humanen Dimensionen, die Themen Selbstsorge und Spiritualität im Blick zu behalten und sich bei der Frage, was angemessene Löhne sind, selbst den Spiegel vorzuhalten und zu sagen, wie man selbst die Arbeit am Menschen bewertet.

Die Nachfrage nach Fachkräften in der Diakonie nehme zu, aber es werde immer schwieriger, Personal zu bekommen.

Der Begriff des Sozialunternehmens umfasse auch das Streben nach Wertschöpfung, sagte Bathildisheim-Vorstand Dr. Christian Geyer. Vorrangig gelte es jedoch, etwas für den Menschen zu unternehmen. Für den Wandel in der Diakonie sei der Diskurs inner- und außerhalb der Einrichtungen wichtig.

Zu den Gästen zählten neben Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont sowie Prinz Carl Anton als Nachfahren der Namensgeberin Fürstin Bathildis, unter anderem Bürgermeister der Kommunen, in denen das Bathildisheim präsent ist, die Kreisbeigeordnete und frühere Bathildisheim-Betriebsrätin Heidemarie Schmirler und der Vorsitzende der Mitgliederversammlung, Dr. Jürgen Leiter.

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