Sehenswerte Fotoausstellung am Freitag im Residenzschloss Bad Arolsen eröffnet

Bedrohte Völker voller Würde

Die US-Fotografin Dana Gluckstein vor dem Porträt von zwei kenianischen Samburu-Frauen.Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Sie hat eine besondere Gabe Menschen anzusprechen, selbst wenn sie deren Sprache nicht versteht. So entstehen Fotos, die weder gekünstelt noch übertrieben wirken. Die US-Fotografin Dana Gluckstein fotografiert Menschen, wie sie sind. Voller Würde.

Ursprünglich hat sie Psychologie studiert. Doch mit dem Abschluss in der Tasche eröffnete sie ihren überraschten Eltern, dass sie viel lieber fotografiert und darin ihre Erfüllung sieht.

Auf ihren Reisen in die entlegendsten Winkel dieser Welt ist sie stets auf der Suche nach Persönlichkeiten, die sie porträtieren kann. Dana Gluckstein findet ihre Motive in den bedrohten Völkern Afrikas und Asiens. Aber auch in Australien und auf ihrem Heimatkontinent gibt es Eingeborenen-Stämme, die von den negativen Einflüssen der westlichen Zivilisation bedroht sind. Ihnen hat die Fotografin ihre künstlerische Arbeit gewidmet.

Nach dem Studium der Fotografie begann sie eine Karriere als Werbefotografin. Anfang der 80er lichtete sie die Chefs der vielen kleinen Start-Up-Firmen im Silicon Valley ab. Sie traf SteveJobs und all die vielen unbekannten Pioniere des Computer-Zeitalters.

Ihre Urlaube nutzte sie zu Entdeckungsreisen. Auf Fidschi, in Puerto Rico und in Afrika fand sie Menschen, die fernab der westlichen Zivilisation lebten und sich trotz aller scheinbaren Armut eine Würde bewahrt hatten, die die Fotografin beeindruckte.

Politischer Druck

Mit ihrer Hasselblad-Großbildkamera fotografierte sie Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen. Zunächst eher zufällig, dann immer gezielter. Dabei lernte sie immer neue Kulturkreise kennen und schätzen.

Umso verärgerter war sie dann, als ihre eigene Regierung die von den Vereinten Nationen beschlossene Resolution zum Schutz bedrohter Völker nicht ratifizieren wollte. Zusammen mit Australien und Kanada weigerte sich die amerikanische Regierung, die Rechte indigener Völker anzuerkennen, wohl aus Angst, die unterdrückten Ureinwohner könnten ihr Land zurückfordern.

Das war der Punkt, an dem Dana Gluckstein entschied, politisch zu werden. Sie gründete eine gemeinnützige Gesellschaft, fasste ihre Bilder in einem Buch zusammen und bat engagierte Menschenrechtler wie den südamerikanischen Bischof Tutu, Beiträge für das Buch zu schreiben.

Es folgten UnterschriftenAktionen, mit denen am Ende auch die Obama-Administration zum Einlenken bewegt wurde. Der Präsident lud 300 Stammesvertreter ins Weiße Haus ein und unterzeichnete feierlich die UN-Konvention. Damit verbunden sind zwar keine konkreten rechtlichen Folgen für die Eigentumsverhältnisse, wohl aber eine moralische Geste.

Für Dana Gluckstein war dieser Erfolg der Beweis dafür, dass eine Fotografin etwas bewirken und die Welt ein wenig besser machen kann.

Schreiendes Unrecht

Dass dies an vielen Stellen dringend nötig ist, stellt sie immer wieder bei ihren Reisen fest. Beim Durchgang durch ihre Ausstellung im Schloss erzählt sie Geschichten von Stammesvölkern, denen von korrupten Regierungen das Jagen auf ihrem eigenen Land verboten wird. Die Eingeborenen sollen Jagdlizenzen kaufen, werden dem Alkoholkonsum ausgesetzt und so auch heute noch im post-kolonialen Zeitalter systematisch ausgelöscht.

So ist die Ausstellung eine Hommage an die Menschen dieser Erde, ganz im Sinne der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Die Ausstellung im Schloss wird am heutigen Abend um 19 Uhr im Residenzschloss eröffnet. Beim Markt am Schloss am Sonntag ist die Ausstellung bei freiem Eintritt geöffnet. Es wird aber um eine Spende gebeten.

Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen sonntags um 11.15 Uhr und nach Vereinbarung. Info 05691 / 625 734. www.museum-bad-arolsen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare