Küttler-Stiftung von 1946 steht vor grundlegender Modernisierung

Bedürftige Handwerksgesellen

Das Gebäude der Küttler-Stiftung wird von der Stadt an die Wohnungsbaugenossenschaft verkauft. Auch der Stiftungszweck soll aktualisiert werden. Bisher heißt es in der Stiftungsurkunde, die Erträge sollen für bedürftige Handwerksgesellen verwendet werden. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Das Stadtparlament hat in nicht öffentlicher Sitzung den Verkauf des Senioren-Wohnheimes der Küttler-Stiftung an die Wohnungsbaugenossenschaft beschlossen.

Die 36 Wohnungen und die Hausmeisterwohnung waren schon seit vielen Jahren in der Verwaltung der Wohnungsbaugenossenschaft. Nun also ist die gemeinnützige Genossenschaft auch Eigentümerin.

Über die Gründe des Verkaufes war in öffentlicher Sitzung nicht gesprochen worden. Grundstücksverkäufe werden im Stadtparlament üblicherweise nicht öffentlich verhandelt, um die Interessen der Vertragspartner zu wahren.

Allerdings hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Eberhard Eckhardt angemahnt, dass in der nächsten Sitzung öffentlich über die neuen Strukturen geredet werden müsse, die nun geschaffen werden. Tatsächlich ist eine neue Stiftungssatzung in Vorbereitung.

Gegenüber der WLZ erläuterte Bürgermeister Jürgen van der Horst gestern, dass die Stiftungssatzung dringend aktualisiert werden müsse: Die ist nicht mehr zeitgemäß. Als Stiftungszweck heiße es zum Beispiel, dass bedürftige Handwerksgesellen unterstütz werden sollte. Van der Horst: „Ich habe den Eindruck, dass es heutzutage nicht mehr allzu viele bedüftige Handwerksgesellen gibt.“

Die von der Stadt Bad Arolsen verwaltete Küttler-Stüftung wurde 1946 vom Schreinermeister Albert Küttler gegründet. Im Ersten Weltkrieg hatte er beide Söhne verloren. So reifte in ihm der Gedanke, sein Barvermögen und sein Haus Bahnhofstraße 50 in eine Stiftung zur Förderung bedürftiger Handwerksgesellen zu geben.

In den 60er Jahren schaffte es die Stiftung mit eigenen Mitteln und mit Zuschüssen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte BfA ein Gebäude mit 36 Wohneinheiten für Senioren im Dreieck Albert-Schweitzer-Straße / Fröbelstraße zu errichten. Die Einweihung erfolgte 1969.

Die 36 Ein- und Zweizimmerappartements sind seitdem zu vergleichsweise günstigen Mieten an Seniorinnen und Senioren vermietet. Die Baugenossenschaft verwaltet im Auftrage der Stadt das Gebäude, ist für die Vermietung der Wohnungen, die Betriebskostenabrechnung und die Instandhaltung des Gebäudes und der Wohnungen zuständig.

Aus dem Stiftungsvermögen wurden und werden Renovierung finanziert. Allerdings hat sich inzwischen ein Renovierungsstau angehäuft, der sich laut Bürgermeister auf mindestens 390000 Euro addiert. Die Stadt wäre mit den Stiftungsmitteln in der Lage, die Sanierung über mehrere Jahre zu stemmen. Dann bleibe aber nichts mehr für die sonst üblichen Ausschüttungen der Stiftung für soziale Zwecke übrig.

Deshalb hätten sich Magistrat und Stadtparlament nun zum Verkauf entschieden. Van der Horst: „Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Bewohner bekommen ihre Wohnungen nun schneller renoviert. Die Genossenschaft kann ihren Objektbestand sinnvoll abrunden und es bleibt mehr Geld für die sozialen aufgaben der Stiftung übrig.“

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schüttet die Stiftung nämlich jedes Jahr eine größere Anzahl kleinerer Beträge an Bedürftige aus. Die Vorschläge kommen regelmäßig vom Sozialamt.

Im Seniorenwohnheim der Küttler-Stitung war zuletzt 2006 auf Wunsch der Bewohner der Eingangsbereich neu und ohne Treppenstufen gestaltet worden. Alle Stockwerke waren seitdem barrierefrei mit dem Fahrstuhl zu erreichen. Außerdem wurde der Gemeinschaftsraum wohnlicher gestaltet. Hier treffen sich die Bewohner zum Spielen und zum Unterhalten, der Raum kann für Familienfeiern genutzt werden, einmal im Monat findet ein Gottesdienst statt.

Eine Betreuung der Bewohner ist nicht Teil des Konzeptes. Die Bewohner versorgen sich selbst oder nutzen im Bedarfsfall einen mobilen Pflegedienst und lassen sich mit Essen auf Rädern versorgen. Einige haben eine Notrufverbindung zum Roten Kreuz. (es)

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