Betreiber zeigt sich einsichtig und um Lösungen bemüht

Lange Mängelliste: Belegungsstopp in privatem Altenpflegeheim in Bad Arolsen

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Seniorin mit Gehhilfe. Für ein Altenpflegheim in Bad Arolsen wurde ein Belegungsstoff verhängt. Foto:

Bad Arolsen.  Ein Belegungsstopp ist über das privat geführte  Altenpflegeheim Haus Helios in Bad Arolsen von der staatlichen Heimaufsicht in Kassel verhängt worden. Der Betreiber, Reginald Paschke, hat gegenüber der WLZ  bekräftigt, die Mängel abstellen zu wollen.

Der Belegungsstopp wurde aufgrund von Defiziten in den Bereichen Hygiene, Lebensmittelsicherheit, Medikamentenlagerung, einer unzureichenden Dokumentation, des Mangels an Fachkräften und der beanstandeten Personaleinsatzplanung schriftlich verfügt.

Das erklärte auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung der stellvertrende Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen, Thorsten Haas. Der RP in der westhessischen Stadt ist für die beim Versorgungsamt in Kassel angesiedelte Heimaufsicht zuständig. Betreuung und Pflege seien angesichts des Belegungsstopps und der umfassenden Anordnung zur Mängelbeseitigung sichergestellt, erklärte der Sprecher.. Die Heimaufsicht hatte noch während einer Kontrollprüfung am 12. Februar in dem Heim den Belegungsstopp angeordnet.

Kammerjäger auf dem Gelände eingesetzt

Derzeit leben 35 Menschen in der Einrichtung, in der 44 Plätze gemeldet sind. Die Heimaufsicht sei dabei, die Beseitigung der Mängel engmaschig zu kontrollieren. Darüber hinaus stehe die Betreuungs- und Pflegeaufsicht in engem Kontakt mit dem Rechtsbeistand.

Nach der am 14. Februar schriftlich zugestellten Anordnung eines Belegungsstopps wurde laut RP Gießen ein weiterer Anordnungsbescheid am 14. März zugestellt. Unsere Zeitung erreichten kurz nach Ostern Beschwerden über die Situation.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg nahm aufgrund einer Beschwerde am 8. April eine Kontrolle vor. Die Verwendung verdorbener Lebensmitteln sei nicht nachgewiesen worden, sagte ein Sprecher des Kreises. Der Betreiber habe einen Kammerjäger gegen Ungeziefer auf dem Gelände eingesetzt. Die Behörde beobachte die Einrichtung weiterhin engmaschig.

Mängelliste wird abgearbeitet

Um Hygienemängel abzustellen plant der Betreiber des privaten Altenheims, Reginald Paschke, bauliche Änderungen. So seien neue Fliesen, Wandverkleidungen, Anstriche und Schränke für die Küche vorgesehen.

In Zimmern und Fluren des 2013 eröffneten Neubaus seien Anstrich- und Tapezierarbeiten vorgesehen. Eine von der Einrichtung beauftragte externe Fachfrau für Hygiene suche das Heim unangemeldet auf, sei für die Beratung und Schulung von Mitarbeitern im Einsatz.

Auch zum Thema Medikamentenlagerung sagte der Betreiber des Altenheims Verbesserungen zu. Um die Dokumentation und die Kommunikation mit Ärzten sicherzustellen, würde eine Software eingesetzt, für die die Mitarbeiter geschult werden.

Welche Veränderungen sind geplant?

Ein spezieller Stationswagen werde angeschafft, über den nicht nur die Medikamentenausgabe und die Kontrolle etwa von Blutzucker oder Blutdruck erfolge. Das Gerät sei so ausgestattet, dass die schnelle Kommunikation mit Ärzten möglich sei.

Heimleiter Reginald Paschke betonte, dass keine verdorbenen Lebensmittel verwendet würden. Das Hygienemanagement HACCP (auf Deutsch: Risiko-Analyse Kritischer Kontroll-Punkte; von: Hazard Analysis Critical Control Point) werde angewandt.

In diesem Jahr würden der Hof und der Garten neu gestaltet. So solle der Hof neu gepflastert werden, um Sturzgefahren zu beseitigen. Zudem werde der Bereich von den Einstellplätzen für Autos getrennt. Bänke, ein Brunnen, ein Pavillon und eine veränderte Beleuchtung sollten zur Verschönerung beitragen.

Im Garten sollen ein Sinnespfad, Hoch- und Tischbeete angelegt werden, an denen Bewohner sich um Pflanzen kümmern können.

Wo kann zusätzliches Personal rekrutiert werden?

Größtes Problem sei die Anstellung von genügend Fachkräften gewesen. Aber auch hier zeigte sich Paschke  optimistisch, die offenen Stellen zeitnah qualifiziert besetzen zu können.

Es sei ein generelles Problem, Fachkräfte für die Pflege zu bekommen. Deswegen habe er schon von sich aus das Haus nicht voll belegt, ergänzte der Altenheimleiter. Momentan seien von den 20 Mitarbeitern 14 bis 15 in der Pflege tätig, darunter fünf bis sechs Fachkräfte. Vorgeschrieben sei ein Anteil von 50 Prozent. 

Ergänzend zu den Angestellten sei inzwischen eine Fachkraft über eine Zeitarbeitsfirma eingestellt worden, eine zusätzliche Pflegekraft werde im Mai beginnen. Ein weiterer Arbeitsvertrag für einen voll ausgebildeten Pfleger sei für Juni abgeschlossen worden, eine weitere Kraft sei für den gleichen Monat in Aussicht. Hier sei der Arbeitsvertrag vorbereitet worden.

Im kommenden Monat würden bereits zwei zusätzliche Pflegehelfer ihren Dienst antreten. Weitere Vorstellungsgespräche würden mit Helfern in der Altenpflege geführt. Leider sei die Pflegdienstleitung seines Hauses wegen eines Unfalls für einen noch nicht absehbaren Zeitraum ausgefallen. Zwar könne er aufgrund seiner Qualifikation auch diese Funktion wahrnehmen. Doch werde er als Vakanzvertretung eine Fachkraft von einer Zeitarbeitsfirma einstellen.

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