Benzinpreis-App sorgt für Transparenz auf Bad Arolser Preisinsel

Benzinpreise rekordverdächtig

Bad Arolsen - Nirgendwo ist Benzin so teuer wie in Bad Arolsen. Dieses Bauchgefühl haben viele Autofahrer in Nordwaldeck. Beweisen ließ sich das nie. Schließlich schwanken die Preise ständig. Doch nun gibt es mehr Transparenz.

Tankstellen sind seit dem 31. August verpflichtet, Änderungen ihrer Kraftstoffpreise in Echtzeit an die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes zu melden.

Das System einschließlich einiger Verbraucher-Informationsdienste befindet sich aktuell in der Testphase. Im Anschluss an die Testphase sollen die Meldungen der Kraftstoffpreise auch für die Verbraucher nutzbar gemacht werden.

Doch schon jetzt gibt es für viele Smartphones die ersten Apps, kleine Programme, mit denen sich die Spritpreise in einem varibalen Umkreis rund um den eigenen Standort abrufen lassen.

Die WLZ machte am Dienstagabend die Probe aufs Exempel und fand das alte Bauchgefühl bestätigt: Nirgendwo ist der Sprit so teuer wie an der Aral-Tankstelle am Bad Arolser Bahnhof (1,63 für den Liter E10). Selbst an der Autobahnraststätte Bühleck-Süd an der Autobahn A44 kann man günstiger E10 tanken. Dabei gelten doch sonst Autobahntankstellen als das Non-plus-ultra bei den Benzinpreisen.

In Korbach und Marsberg gibt es E10 zum gleichen Zeitpunkt für ganze zehn Cent günstiger. Wer dort seinen Tank mit 50 Litern füllt, hat auf einen Schlag fünf Euro gespart. Bei solchen Preisen lohnt sich - fast - die lange Fahrt.

Wie ist das möglich? - Eine Nachfrage beim Pächter ist müßig. Der bekommt seine Preise unmittelbar von der Zentrale in Bochum vorgeschrieben.

Aral-Pressesprecher Detlef Brandenburg ist solche Fragen gewöhnt. Deshalb kommt seine Antwort auch prompt: „Unsere Preise sind immer abhängig von der direkten Marktsituation.“

In Bad Arolsen gibt es zwei freie Tankstellen, die auch regelmäßig einen Cent günstiger am Markt agieren als die große Marke.

Aral mehr als einen Cent zu unterbieten kann aber unangenehme Folgen haben, wie im Hintergrundgespräch zu erfahren ist: „Wir haben das vor Jahren mal versucht und damit einen richtigen Preiskrieg losgetreten.“ Am Ende habe Aral das Benzin günstiger angeboten als es die Freien bei der Raffinerie kaufen konnten. Eine Eingabe beim Kartellamt verlief damals im Sande.

Bleibt also abzuwarten, ob die neue Meldepflicht für Benzinpreise eine Besserung bringt. Manche Marktbeobachter rechnen sogar mit negativen Auswirkungen auf die Preise.

Unterdessen klagen die Freien über die Kosten für die Einführung der neuen Software zur Übertragung der Preisänderungen an die Markttransparenzstelle. Das sind zusätzliche Kosten, die im großen Konzern untergehen, bei einem kleinen Einzelkämpfer aber durchaus ins Gewicht fallen. Der Beitrag der Kunden kann dabei nur sein, die Preise im Auge zu behalten und sensibel zu reagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare