Von Carlowitz prägte vor 300 Jahren forstwirtschaftliches Nachhaltigkeitsprinzip

Bergbauexperte mit Weitsicht

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Leopold von Carlowitz mit einer Replik eines Ölgemäldes seines Vorfahren Hans Carl von Carlowitz, Verfasser des Buches Sylvicultura Oeconomica aus dem Jahre 1713.

Bad Arolsen - Umweltschutz ist ein modernes Wort. Umweltzerstörung aber hat lange vor Beginn der industriellen Revolution begonnen. Einer der Ersten, die das Problem erkannten, war vor 300 Jahren Hans Carl von Carlowitz, ein Vorfahre von Leopold von Carlowitz, der als

Ganze Wälder wurden in vergangenen Jahrhunderten gerodet, um Kriegsflotten zu bauen, Schlösser und Kathedralen zu errichten, oder um Holzkohle für die Verhüttung von Eisenerz und zum Bau von Kanonen zu gewinnen. Was der ungebremste Raubbau am Wald anrichten kann, lässt sich an den verkarsteten Regionen Dalmatiens und Spaniens ablesen.

Für immer neue Flottenverbände ließen Venezianer und Spanier Wälder roden, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Ähnliches deutete sich vor 300 Jahren auch in Deutschland an. Am Ende des 30-jährigen Krieges war nicht nur die Bevölkerung durch Hunger, Krieg und Pest in allen deutschen Landen dahingerafft. Auch der Wald hatte gelitten.

Holz war ein wichtiger Rohstoff. Es diente zum Heizen, wurde im Bergbau für Stützen eingesetzt. In Hochöfen bei der Verhüttung von Metallen wurde Holzkohle in großem Maße verheizt. Hans Carl von Carlowitz war in der Silberstadt Freiberg am Rande des Erzgebirges aufgewachsen. 1677, mit 32 Jahren, wurde er zum sächsischen Vizeberghauptmann ernannt. 1711 stieg er zum Oberberghauptmann auf und war damals einer der einflussreichsten Männer in Sachsen zur Regentschaft August des Starken.

Holz als Rohstoff

Als Leiter des sächsischen Oberbergamtes war er zuständig für eines der wichtigsten europäischen Montanreviere mit zahlreichen Erzbergwerken und Schmelzhütten mit rund 10 000 Bergknappen. In dieser Funktion wird von Carlowitz früh aufgefallen sein, dass die scheinbar unbegrenzt zur Verfügung stehende Ressource Wald doch endlich war. Seine Gedanken zu diesem Thema veröffentlichte er ein Jahr vor seinem Tod in dem Buch mit dem Lateinischen Titel „Sylvicultura Oeconimica“ (zu deutsch etwa: Wirtschaftlicher Waldbau) mit dem Untertitel „Haußwirtliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum=Zucht“.

Vorausschauend wirtschaften

Auf dem Titelblatt von 1713 heißt es weiter „Gründliche Darstellung wie zu förderst durch Göttliches Benedeyen dem allenthalben und insgemein einreissenden Großen Holz=Mangel vermittelt Säe= Pflanz= und Versetzung vielerhand Bäume zu prospicien“ Und weiter: „Alles zu nothdürfftiger Versorgung des Hauß= Bau= Brau= Berg= und Schmelz=Wesens“. Auf den folgenden rund 430 Seiten beschrieb von Carlowitz vor 300 Jahren Regeln für eine vorausschauende Forstwirtschaft, die heute allgemein unter dem Schlagwort „nachhaltige Forstwirtschaft“ zusammengefasst werden.

Im Jubiläumsjahr dieser Buchveröffentlichung wird von Carlowitz nicht nur von Forstwirtschaftlern, sondern auch von Umweltpolitikern und Ökonomen als Vordenker des nachhaltigen Wirtschaftens bezeichnet. Für Forstwirte gilt er als Vater der modernen Forstwirtschaft. Aus Fehlern lernen Kern seiner Lehre: „Man darf nicht mehr Holz aus dem Wald entnehmen als nachwächst.“ Und übertragen auf das private Wirtschaften: „Es ist gesünder, von den Zinsen des Vermögens zu leben, als das Kapital aufzubrauchen.“ Ganz freimütig verriet von Carlowitz auch, wo er seine Erkenntnis gesammelt hatte:

Schon während seiner Studienzeit war er durch Frankreich und England gereist. Er verglich die Forstpolitik Englands mit der Venedigs, er widmete sich sogar der spanischen Kolonie Potosi im damaligen Peru, dem heutigen Bolivien. Auch dort hatte überzogener Bergbau und überbordendes Hüttenwesen zu einer massiven Abholzung der Wälder geführt. Inventur der Wälder Eine besondere Rolle spielte bei seinen Betrachtungen Frankreich. Dort begründete Jean Baptiste Colbert als Minister Ludwigs des XIV. eine Reform der Forstpolitik. Ausgangspunkt war die Flottenpolitik des Sonnenkönigs.

Die Arsenale von Brest und Cherbourg schluckten riesige Mengen Holz. Colbert begann mit einer Inventur der desolaten Wälder. Am Ende stand die Entscheidung, den Holzeinschlag zu reduzieren. Von Carlowitz schrieb später: „in den Edikten Ludwigs des XIV. sei schon das ganze Summarium seines eigenen Vorhabens zu finden“. Das 300 Jahre alte Buch „Sylvicultura Oeconomica“ ist im Internet bei „Google Books“ als facsimilie im pdf-Format zu finden. Außerdem erscheint demnächst im Oekom-Verlag eine Festschrift mit zahlreichen Fachbeiträgen, herausgegeben von der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft unter dem Titel „Hans Carl von Carlowitz – Leben, Werk und Wirken des Begründers der Nachhaltigkeit“, ISBN 978-3-86581-415-9

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